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jedes durch ſeine Claſſen, Ordnungen, Familien, Geſchlechter bis zu den Arten hinab durchfuͤhrend auf einander folgen laͤßt. Nach dieſer alten Methode kommt alſo auf jeden Curſus ein beſonderes Reich, die verſchiedenen Thierklaſſen aber vertheilen ſich wieder auf verſchiedene Curſe. Bei der Anordnung des Stof⸗ fes aber kann dabei wieder ein doppelter Gang beobachtet werden, indem ſie ent⸗ weder aufſteigend oder abſteigend iſt. Die aufſteigende Methode beginnt mit der Betrachtung der einfachſten und unvollkommenſten Naturköoͤrper, den Mi⸗ neralien, und ſchreitet zu immer zuſammengeſetzteren und vollkommneren Gebilden fort bis zu dem Menſchen, dem hoͤchſten Naturweſen der Erde. Auf das Mineral⸗ reich folgt alſo hier das Reich der Pflanzen, und den Beſchluß macht das Thierreich.
In der Reihenfolge der einzelnen Claſſen eines jeden Reiches wird derſelbe Fortſchritt beachtet, ſo daß die Zoologie mit den Wuͤrmern beginnt, mit den Saͤugethieren ſchließt, und in der Botanik die Kryptogamen der Phanerogamen, wie uͤberhaupt die unvollkommneren Pflanzen den vollkommneren vorangehen. Demſelben Geſetze des Forrſchreitens gemaͤß werden nun auch die Ordnungen, Familien und Geſchlechter durchgenommen. Die abſteigende Methode beobachtet durchaus den entgegengeſetzten Gang, immer mit dem Vollkommneren und Zu⸗ ſammengeſetzteren beginnend und durch das minder Vollkommnere und minder Zuſammengeſetzte zu dem Unvollkommenſten und Einfachſteu hinabſteigend, ſo daß das Thierreich dem Pflanzenreiche, das Pflanzenreich dem Mineralreiche voran⸗ geht, und ebenſo immer die vollkommneren Claſſen, Ordnungen, Familien, Ge⸗ ſchlechter, den unvollkommneren vorangeſchickt werden.
Die aufſteigende Stoffanordnung rechtfertigt man mit der Behauptung, das Unvollkommnere ſei das Einfachere, mithin leichter Aufzufaſſende, das Vollkomm⸗ nere aber das Zuſammengeſetztere und mithin ſchwieriger zu Erkennende; auch ſtehe dieſe Anordnung mit dem Entwickelungsgange und der Stufenfolge der Natur, wie mit den Forderungen der Wiſſenſchaft in Uebereinſtimmung. Allein mag man auch dem wiſſenſchaftlichen Naturhiſtoriker dieſen Lehrgang geſtatten, von dem wiſſenſchaftlichen Standpunkte aus ihn fuͤr gerechtfertigt erklaͤren und auch fuͤr einen hoͤheren eigentlich wiſſenſchaftlichen Unterricht als geeignet betrachten, ſo wird doch der mit den Forderungen der Paͤdagogik und Didaktik vertraute Kenner der Natur fuͤr die Bildungsſtufe der niederen Gelehrtenſchule, ſo wie fuͤr andere, ihr paral⸗ lel ſtehende Lehranſtalten der abſteigenden Methode den Vorzug einraͤumen. Da unter den neueren Lehrbuͤchern viele die aufſteigende Anordnung beobachtet wiſſen wollen, ſo moͤgen hier einige Gruͤnde zur Widerlegung dieſer Anſicht folgen.
Die belebte Thierwelt entſpricht am meiſten der Neigung des Kindes, und zieht am meiſten ſeinen Blick und ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich; weniger ſchon feſſelt es das Reich der Pflanzen, am wenigſten das lebloſe Reich der Mineralien. Die unorganiſirten Koͤrper bieten bei weitem keine ſo vielſeitige Betrachtungsweiſe dar, und liefern keinen ſo reichen Stoff zu vielſeitiger Uebung und Bildung der Geiſteskraͤfte, als die belebten Naturkoͤrper der organiſirten Schoͤpfung. Auch


