Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 2. Teil
Entstehung
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die Nachtheile, welche Unkenntniß mineraliſcher Stoffe und ihrer Wirkungen der Geſundheit und dem Leben des Menſchen zufuͤgen kann.

Woruͤber ſich außer der Beſchreibung der Naturprodukte der Unterricht ver⸗ breiten muͤſſe, davon iſt ſchon in dem erſten Theile dieſer Abhandlung S. 35 38 gelegentlich die Rede geweſen.

Was die Auswahl des Stoffes fuͤr den Unterricht in der Naturlehre be⸗ trifft, ſo muß bei der ſehr beſchraͤnkten Zeit, welche dieſem ſo weitlaͤuftigen Zweige der Naturwiſſenſchaft auf unſeren Paͤdagogien zugemeſſen iſt, hier mehr, als in irgend einem Lehrfache, die weiſeſte Sparſamkeit beobachtet werden. Vorzugs⸗ weiſe halte man ſich an die Erſcheinungen, welche den Schuͤlern taͤglich vor Au gen treten, und hebe außerdem beſonders ſolche hervor, welche am geeignetſten ſind, ihnen das Leben der Natur zu veranſchaulichen und das Wirken ihrer maͤch⸗ tigen Kraͤfte zu verſinnlichen, alſo einfache, charakteriſtiſche Erſcheinungen, Re praͤſentanten einer ganzen Gruppe. Beſondere Beruͤckſichtigung verdienen endlich auch diejenigen Naturerſcheinungen, welche mit dem Leben des Menſchen in der engſten Verbindung ſtehen, und von welchen er zur Erreichung ſeiner Zwecke den haͤufigſten Gebrauch macht. Ueberall aber befleißige man ſich einer zweck⸗ maͤßigen Kuͤrze und waͤhle aus jedem Abſchnitte nur das Faßlichſte, Intereſſanteſte und Wichtigſte hervor, damit die Zeit hinreiche, den Unterricht uͤber das Gebiet der Naturlehre auszudehnen, und namentlich die wichtigen Abſchnitte der ange⸗ wandten Naturlehre, die Lehre von dem Waſſer, der Luft, dem Lichte, der Waͤrme, der Electricitaͤt, dem Magnetismus und den Lufterſcheinungen mit einiger Aus⸗ fuͤhrlichkeit und den noͤthigſten Experimenten behandeln zu koͤnnen. Beſonders huͤte man ſich vor zu weitlaͤuftigen Darſtellungen in dem mechaniſchen Theile der Phyſik, damit hierdurch der dynamiſche Theil nicht zu ſehr verkuͤrzt werde. Er⸗ laubt es die Zeit, ſo iſt es nothwendig, mit dem phyſikaliſchen Unterrichte zugleich die weſentlichſten Lehren der Chemie, Aſtronomie, mathematiſchen und phyſiſchen Geographie zu verbinden, theils wegen der bildenden Kraft dieſer Zweige der Naturkunde, theils wegen ihres hohen, ſowohl allgemein menſch⸗ lichen, als praktiſchen Intereſſes.

Lehrmethode und Lehrſtoff eines jeden Unterrichtszweiges beduͤrfen nach den verſchiedenen Bildungsſtufen der Schuͤler bedeutende Modificationen. Daher pflegt: man den Lehrſtoff eines jeden Unterrichtsgegenſtandes, welcher durch alle oder durch mehrere Stufen einer Schule hindurch gelehrt werden ſoll, dem Beduͤrfniſſe einer jeden Stufe gemaͤß in Curſe oder Lehrgaͤnge zu vertheilen. So iſt denn auch fuͤr den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht eine dem Entwicklungsgange des dudlichen Geiſtes angemeſſene Vertheilung des Lehrſtoffes dringendes Be⸗

uͤrfn ß.

Die Vertheilung des naturgeſchichtlichen Lehrſtoffes in Curſe geſchah fruͤher allgemein und geſchieht noch jetzt gewoͤhnlich ſo, daß man von den Reichen aus⸗ geht, deren Merkmale entwickelt, und dann die drei Reiche nach einander, ein

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