Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 2. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

gog und Philolog gleich ausgezeichnete Niemeyer nicht nur viele ſeiner ſchoͤnſten Stunden, ſondern, wie er ſelbſt geſteht, vielleicht auch die Bewahrung vor zerſtreuen⸗ dem Umgange und zeittoͤdtenden Vergnuͤgungen. Moͤchte jeder Lehrer und Erzie⸗ her, gleich dem genannten Heroen der Paͤdagogik, in dieſem Zweige der Natur⸗ kunde ein Mittel zu ſeiner Erholung, wie zur Erziehung und Bildung der ihm anvertrauten Jugend finden! Wenn auch der botaniſche Unterricht ſich haupt⸗ ſaͤchlich auf die vollkommneren Phanerogamen(Kraͤuter und Holzgewaͤchſe) und die ihnen am naͤchſten ſtehenden Kriptogamen, wie Farrenkraͤuter und Schachtelhalme beſchraͤnken muß, ſo laſſe man doch die Familie der Graͤſer und Scheingraͤſer, der Mooſe, Flechten und Schwaͤmme nicht ganz unberuͤckſichtigt, ſondern man ziehe aus dieſen Familien einige Species, deren Merkmale beſonders deutlich aus⸗ gepraͤgt ſind, in den Kreis des Unterrichts, und laſſe die Schuͤler ihre einzel⸗ nen Theile mit der Lupe betrachten, oder zeige ihnen vergroͤßerte Abbildungen derſelben, damit ſie an dem eigenthuͤmlichen, wunderbar feinen und regelmaͤßigen Baue dieſer ſo zahlreichen, fuͤr Menſchen und Thiere zum Theil ſo aͤußerſt wich⸗ tigen Pflanzenfamilien eine deutliche Anſchauung erhalten. Eine beſondere Beach⸗ tung verdienen ihrer praktiſchen Wichtigkeit wegen die Giftpflanzen. Obgleich die Mineralien als lebloſe Koͤrper bei vielen nicht das Inte⸗ reſſe fuͤr die Jugend, zumal auf den unteren Bildungsſtufen haben, wie die be⸗ lebten Thiere und Pflanzen, auch als unorganiſirte Koͤrper viel ſchwieriger zu unterſuchen, zu beſchreiben und zu beſtimmen ſind, als die organiſirten Natur⸗ koͤrper, ſo verdient doch auch dieſes Naturreich von der Jugend ſchon auf der Stufe der Paͤdagogien naͤher genannt zu werden. Welches Intereſſe die Kryſtal⸗ lographie nicht allein dem Naturforſcher, ſondern jedem Gebildeten gewaͤhre, und welche bildende Kraft ſie fuͤr Geiſt und Gemuͤth der Jugend beſitze, iſt ſchon oben gezeigt worden. Ferner wird durch die Betrachtung und Unterſuchung der Mi⸗ neralien das Anſchauungsvermoͤgen auf eine eigenthuͤmliche Weiſe in Anſpruch genommen und geuͤbt. Zugleich bieten die Mineralien einen ſehr paſſenden Stoff fuͤr Excurſionen und Anlegung von Sammlungen dar. Auch in materieller und praktiſcher Beziehung iſt die Kenntniß der Mineralien ſchon fuͤr den Schuͤler der Paͤdagogien intereſſant und nuͤtzlich. Nicht allein mit den uͤbrigen Zweigen der Naturwiſſenſchaft, ſondern auch mit andern Schulwiſſenſchaften ſteht die Mine⸗ ralogie in ſehr enger Verbindung. So hat die geognoſtiſche Beſchaffenheit des Bodens den wichtigſten und unmittelbarſten Einſluß auf die Erzeugniſſe des Ge⸗ waͤchsreiches und hierdurch auch mittelbar auf die des Thierreiches; die Minera⸗ logie lehrt Stoffe kennen, welche als Beſtandtheile in den Naturkoͤrpern der an⸗ deren Reiche vorkommen; vielfaͤltige Anwendung finden mineralogiſche Kennt⸗ niſſe in der Phyſik und Chemie, und fuͤr ein gruͤndliches Studium der Erdkunde ſind ſie vom groͤßten Werthe. Dazu kommt endlich noch ihre Wichtigkeit fuͤr viele Berufszweige und der vielfaͤltige Gebrauch, welchen der Menſch von den Mineralien in oͤconomiſcher, techniſcher und mediciniſcher Hinſicht macht, ſo wie