Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 2. Teil
Entstehung
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Farbe, durch Lebensweiſe und Inſtinkte ausgezeichnet ſind, und alle jene, welche die Lebensbeduͤrfniſſe der Menſchen beruͤhren, dem Unterrichte einen paſſenden Lehrſtoff. Von den auslaͤndiſchen Naturprodukten mache man die Jugend vor⸗ zugsweiſe mit denen bekannt, welche Hauptgegenſtaͤnde des Handels und Ge⸗ werbfleißes der Voͤlker ſind, welche wir aus fremden Laͤndern beziehen, und welche fuͤr das Leben ganzer Nationen durch Nutzen und Schaden beſondere Wichtigkeit haben, laſſe aber ſonſt eben dieſelben Principien der Auswahl gelten, wie bei der Beſchreibung inlaͤndiſcher Naturerzeugniſſe.

Viele ſind der Meinung, es genuͤge dem Zwecke des naturgeſchichtlichen Un⸗ terrichts auf der Gelehrtenſchule, wenn nur aus einem oder einzelnen Reichen und Thierclaſſen, wie aus dem Thier⸗ und Pflanzenreiche, der Claſſe der Saͤuge⸗ und Voͤgel, einige intereſſante Gegenſtaͤnde ausfuͤhrlich beſchrieben wuͤrden; An⸗ dere glauben, ganze Reiche und Klaſſen ſeien fuͤr den Schulunterricht gar nicht geeignet, wie die Mineralien, die Inſekten und Wuͤrmer. Allein jedes Reich und jede Claſſe der einzelnen Reiche enthaͤlt ſolche Gegenſtaͤnde, deren Geſtalten und Merkmale mit hinlaͤnglicher Deutlichkeit fuͤr das Anſchauungs⸗ und Faſſungs⸗ vermoͤgen der Schuͤler einer jeden Bildungsſtufe ausgepraͤgt ſind, wenn auch allerdings einzelne Theile der Naturgeſchichte dem Jugendunterrichte paſſende nnd intereſſante Gegenſtaͤnde in groͤßerer Menge darbieten, als andere, und darum auch vorzugsweiſe beruͤckſichtigt zu werden verdienen. So hat als Unterrichts⸗ gegenſtand der niederen Gelehrtenſchule die Zoologie und Botanik vor der Mine⸗ ralogie, die Lehre von den Saͤugethieren, Voͤgeln und Inſekten vor der Lehre von den Amphibien, Fiſchen und Wuͤrmern, die Phanerogamie vor der Krypto⸗ gamie den Vorzug. Alle Theile der Natur aber ſtehen in ſo enger Verbindung und Wechſelwirkung, daß ſchon deswegen ein auf die oben angegebene Weiſe beſchraͤnkter Unterricht als hoͤchſt unzweckmaͤßig erſcheinen muß. Und wenn der naturgeſchichtliche Unterricht den Schuͤler zur Erkenntniß des Lebens und der Geſetzmaͤßigkeit der Natur fuͤhren ſoll, wie waͤre dieſes Ziel zu erreichen moͤglich, wenn ganze Reiche und ganze Claſſen einzelner Reiche ihm voͤllig unbefnn blieben? Wie koͤnnte ihm die fortwaͤhrende und mannichfaltige Einwirkung der Natur auf das Leben des Menſchen, das wechſelſeitige Ineinandergreifen aller ihrer Theile, das Mitwirken aller ihrer Glieder zur Erhaltung des großen Gan zen klar werden, wenn der Unterricht nicht alle Reiche und ſaͤmmtliche Klaſſen der einzelnen Reiche umfaßte?

Als beſonders geeignet fuͤr einen bildenden Naturunterricht, als am meiſten entſprechend den Neigunzen des Knaben und als den fuͤr Koͤrper und Geiſt gleich nuͤtzlichen naturgeſchichtlichen Excurſionen nebſt der Mineralogie den reich⸗ ſten und paſſendſten Stoff darbietend werden dem Lehrer der Naturgeſchichte, welcher Kenner dieſer zwei intereſſanten Theile derſelben iſt, Botanik und Entomologie erſcheinen. Wie Pflanzen, ſo finden ſich Inſekten vom erſten Fruͤhling bis zum ſpaͤten Herbſte uͤberall in hinreichender Menge, laſſen ſich am