Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 2. Teil
Entstehung
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vaterlaͤndiſchen Naturerzeugniſſen werden wir in den Stand geſetzt, den Reich⸗ thum und die Wunder der Tropenwelt, wie die Armuth der Polarlaͤnder zu ver⸗ ſtehen. Nicht allein fuͤr das Leben, ſondern auch fuͤr die Schule iſt die Kennt⸗ niß der inlaͤndiſchen Naturalien am wichtigſten. Nur ſie liefern dem anſchaulichen Unterrichte in der Naturgeſchichte einen geeigneten Lehrſtoff, und an ihre Betrach⸗ tung laſſen ſich die bildendſten Uebungen der niederen und hoͤheren Seelenvermoͤ⸗ gen anknuͤpfen. Nur mit ihrer Hilfe wird es moͤglich, den naturgeſchichtlichen Unterricht aus einem Spiel mit Bildern, aus einer ergoͤtzlichen Unterhaltung oder einer Plage des Gedaͤchtniſſes zu einer kraͤftigen Nahrung des Geiſtes und Gemuͤthes zu machen. Ein Unterricht, welcher die Jugend vorzugsweiſe mit dem Seltenen, Auffallenden, Wundervollen beſchaͤftigt, kann ſelbſt dem Geiſte eine verkehrte Richtung geben, indem er den Sinn fuͤr das Romanhafte und Abentheuerliche, den Hang zu der verderblichen Romanleſerei und eitelen Schoͤn⸗ geiſterei naͤhrt, und den Geſchmack fuͤr ernſte, belehrende und wahrhaft bildende Lectuͤre abſtumpft. Alſo die inlaͤndiſchen Naturprodukte, hauptſaͤch⸗ lich die, welche in der Umgegend der Lehranſtalt ſich wild oder cultivirt finden, ſeien vorzugsweiſe Gegenſtand des Unterrichts. Unter dieſen aber waͤhle man wieder vorzugsweiſe und zuerſt die hervor, welche uͤberall in groͤßter Menge wild wachſen, oder cultivirt werden. Erſt ſpaͤter richte man den Blick und die Aufmerkſamkeit der Jugend auf das Seltenere, zuletzt auf das Auslaͤndiſche.Welche Kraft wird denn am Kinde durch die Naturge⸗ ſchichte auslaͤndiſcher Thiere weiter gebildet? oder mehr, als durch die Erzaͤhlung von der erſten, beſten Mißgeburt? Hoͤchſtens gelte das Auslaͤndiſche als Honig auf das nahrhafte Brod, oder als Anſchlagzettel eines eben zu ſehenden Thieres, und uͤbrigens als Hausleſerei im Funke. Hingegen an einheimiſchen Thieren muͤßte die genaueſte Familiengeſchichte und das lebensgroße Thierſtuͤck gegeben werden. Ja, wie ſehr wuͤrde nicht, ſowohl Anſchauung uͤbend, als mit der Ge⸗ gegenwart wuchernd, Pflanzenlehre und Mineralogie die kleinen Vortheile der auslaͤndiſchen Thiergeſchichte uͤberwiegen! Ebenſo waͤre die theuere jetzige ge⸗ malte Welt recht gut durch die Werkſtaͤtten zu erſetzen, in welchen ein Hand⸗ werk nach dem andern den hospitirenden Kindern ſein Gewerbe lebendig vor⸗ legte. J. Peaul.

Zu ausfuͤhrlicher Beſchreibung hebe man hauptſaͤchlich ſolche Gegenſtaͤnde hervor, welche der Anſchauung beſonders deutlich ausgepraͤgte Kennzeichen dar⸗ bieten, und ſolche, welche als Muſterbilder ganzer Gruppen dienen koͤnnen. Aber von Zeit zu Zeit waͤhle man auch ſolche aus, deren verſtecktere Kennzeichen und ſchwieriger aufzufaſſende Merkmale die Aufmerkſamkeit und Gruͤndlichkeit des Schuͤlers im Beobachten, Unterſuchen und Vergleichen im hoͤheren Grade in An⸗ ſpruch nehmen, und an welchen er ſo ſeinen Witz und Scharfſinn uͤben kann. Außerdem liefern auch diejenigen, welche eine natuͤrliche Merkwuͤrdigkeit zeigen, welche durch beſondere Kleinheit und Groͤße, durch Schoͤnheit der Geſtalt und