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1251 204). Und wenn Reck 2²⁰5) unter Berufung auf Brower's Annales Trevirenses ohne Angabe der betreffenden Stelle sagt 206), Erzbischof Hillin habe„unter Vorwand von Ketzerei dem Grafen von Wied die Advokatie zu Villmar 1154 entzogen“ wenn auch Si- mon 207) gerade im Anschluss hieran 1154 die Vogtei ohne weiteres den Jsenburgern übertragen werden lässt, so beruht das wohl auf einem Irrtum Recks 2²08). Reck näm- lich verstand offenbar die Stelle bei Brower II S. 59 falsch, wo dieser, nachdem er von einer Schenkung zu Villmar von seiten Hillins und des Domkapitels an die Abtei St. Eucharii zum Unterhalt des Pfarrers in Villmar d. d. 1154 209) berichtet hat. fort- fährt: quae Ecclesia(Vilmariensis) ut et jurisdictio Vilmariensis oppidi ob haeresis ea regione loci saevientis improbitatem exposita ad praedam(was sich sicherlich auf die Zeiten der Reformation bezieht) 2²1⁰) inopia tutelae hac nostra memoria cum pos- sessionibus praecipuis ab advocatione Wiedae Comitum liberata in patrocinium Archiepi- scoporum venit. Hac nostra memoria heisst eben: zu unserer(Brower's) Zeit 2²11). Erst nach Frank’'s des Alten von Cronberg Tode, der die Hälfte des Amts Villmar. wie Jsen- vurg- Büdingen die andere Hälfte, hatte und 1461 starb. kam ¼ des Amts an Wied; der gemeinschaftliche Besitz von drei Herren(Jsenburg-Birstein, Solms. Wied) führte spä- ter zu Streitigkeiten und 1566 zum Verkauf von ³4½, der Anteile nämlich von Jsenburg und Solms, an Trier. Auch mit Wied wurde unterhandelt, und 1596 ist durch einen Vertrag zwischen Trier und Wied-Runkel„die zu Villmar gehörige Heimgerechtigkeit und Ter- minei grässtenteils zu einer besonderen Herrschaft geworden und unter die Gerichtsbar- keit des Kurtrierischen Amts Limburg gekommen“ 2²12).— Es kann auch auffällig erschei- nen, dass 1191 bei Bestätigung der Anstellung eines Viceplebans an der Kapelle zu Minder-(Wenigen-) Villmar ²¹3) und ihres Verhältnisses zur Mutterkirche in Villmar so- wohl in der Urkunde des Abts von St. Eucharius als in der des Erzbischofs Johann kein Jsenburger unter den Zeugen vorkommt, sondern in der ersten Urkunde zu allererst, in der zweiten zuerst nach zwei Archidiakonen und dem Abt der Graf Friedrich(I.) von Leiningen, auf dessen Rat ein besonderer Vicepleban hier ernannt sei, dann Sifrid von Runkel u. s. w. 214). Allein es handelt sich eben hier speciell nur um Minder-Villmar. Immerhin liegt der Gedanke nahe, ob nicht etwa Friedrich I. von Leiningen, der ja auch z. B. in Hadamar Allodialbesitz hatte 2²15), die Vogtei zu Villmar besessen und sie nach dem Tode dieses letzten Leiningers der alten Linie, dessen Haupterbe sein Neffe Friedrich von Saarbrücken wurde, an die näher wohnenden Jsenburger übertragen worden sei.— Es kann ferner befremden, dass in dem Vergleich vom 25. Jan. 1251 zwi- schen dem Grafen von Diez und Heinrich von Jsenburg 216) über die Befestigung von Villmar und Rechte dort nicht, wie sonst bei dergleichen Rechtsfragen, die Vergleichsbestimmungen Verhältnissen unter Vorfahren Heinrichs II. gegenübergestellt werden, sondern nur (zweimal) denen vor Befestigung des Orts.
Von einiger Sicherheit bezüglich des Besitzes der Vogtei Villmar, den
204) Kremer, Or. N. II S. 284 ff., Schlieph. I, 455 f., Arnoldi II, 63, Simon II, 127. ²05) S. 47. 206) und Schlieph.(I, S. 431) u. wir selbst(Progr. II S. 24) sind ihm gefolgt. 207) 1 S. 231. 2⁰) den Si- mon dafür auch citiert— Schliephake gibt keine Quelle an. 2⁰⁹) Mitt. Urkdb. I S. 638 ff. 210) JIn Wenigen-Villmar verschloss Wied 1582 den Katholiken die Kirche nach Vogel S. 792. 211) Brower lebte 1550— 1617. S. Marx, Trier. Gesch, IV, S. 523. 21²) Fischer I S. 225. Vgl. Simon I 231, II 181 u. 283. Reck S. 131 u. 184 zum J. 1581, Arnoldi I S. 163 f. 2¹13) verschwunden. S. Vogel S. 793. 2¹4) S. Mitt. Urkdb. II S. 158 f. Vgl. auch S. 334 die Urkde Emichs v. Leiningen über ein Precarie- Recht desselben zu Villmar. Sie ist zwar undatiert, aber aus derselben Zeit, da der in der ersten der oben erwähnten zwei Urkunden ebenfalls als Zeuge genannte Dekan Konrad von Limburg(doch wohl unse- rem Limburg. Götze kennt ihn nicht Nass. Ann. XIII S. 314) wieder als solcher fungiert. 2²¹15) Mitt. Urkdb. II S. 332, Progr. II S. 24 und oben Anm. 118. 216) Fischer II S. 30; Kremer, Or. Nass. II S. 284.


