Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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Mißhandlungen, ja den Tod zu erleiden. Außzerdem bringt der Verwandlungskünstler die Leute gegen sich auf, weil sie fürchten, daß er ihnen als Tier gefährlich werden könnte. Diese un angenchmen Begleitumstände mõgen mit dazu beitragen, daß das Volk so wenig geneigt ist, zur Verwandlung dienliche Mittel auszudenken, während das viel ungefährlicher gedachte Unsicht- barmachen eine Menge dazu tauglicher Mittel hat finden lassen.

Als verwandeltes Wesen stirbt niemand; im Sterben muß die Rückverwandlung eintreten, die Tötung eines Hexentieres, eines Werwolfes, schafft immer eine Menschenleiche.

In den Rahmen solcher Volksanschauungen paßt es also vollkommen, wenn der Kaulstoßer Bauer, von dem am Ein gang dieser Arbeit die Rede ist, als Wunden in seiner Hüſte die Kerben trägt, die der Forstfrevler aus Burkards beim Tabak- schneiden in jenen Baumstamm geschnitten, zu dem sich der Kaulstoßer verwandelt hatte.

Sagen mit solch klarer Ausprägung, wie diese, stehen nicht allein; sie sichern sich eine weite Verbreitung, und man kann Varianten davon mit Sicherheit erwarten. Eine solche mit anderer Einkleidung finde ich bei Mannhardt, Wald- und Feld- kulte, erster Teil, S. 66, Anm. 4. Diese Erzählung, die Mann- hardt selbst aus einer Sammlung Aargauer Sagen von Roch- holz nimmt, läßit sich einen zauberkundigen Wilddieb vor dem nahenden Forstwart in einen daliegenden Baumstamm ver- wandeln:Der Förster aber setzt sich gelassen auf den Stamm, putzt seine Tabakspfeife mit dem Messer oder Pfriem aus und läht dieses dann wie in Vergessenheit tief im Stamm stecken. Der Wildschütz erzählt nachber von dem Schmerz, den ihm das tief in seinem Kopf steckende Messer oder nadelförmige Instrument verursache.

Ergebnisse.

Wenn nun versucht wird, die Ergebnisse der Untersuchung über den Verwandlungsglauben zusammenzufassen, so geschieht das ganz im Sinne der ethnologischen Methode, welche will, daß das zur Beurteilung irgend einer Frage notwendige Material