Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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Tieren die Fähigkeit zu, sich in Menschen zu verwandeln. Im Binnenlande Sumatras halten die Eingeborenen die in den Dörfern am Vulkan Dempo wohnenden Leute für Tiger, die sich nur darum zu Menschen verwandeln, um mit solchen in Verkehr treten zu können.

c. Das Schicksal der verwandelten Menschen.

Wir haben nun die letzte der Fragen zu stellen, zu denen wir durch unser Thema veranlaßt werden. Sie lautet: Wird der Mensch selbst in Mitleidenschaft gezogen, wenn das Tier oder der leblose Gegenstand, zu dem er sich verwandelt hat, Schaden leidet? Sehen wir nach, was man in der primitiven Welt darüber denkt.

Eine Mahre erscheint nach ostpreußischem Glauben manch- mal als bleierne Nähnadel und legt sich auf die Bettdecke, den Schlafenden zu drücken. Faßßt man diese Nadel und biegt sie so um, daß die Spitze durch das Ohr dringt, so liegt am nächsten Morgen die Mahre zusammengekrümmt vor dem Bette und muß sterben. Erhascht man den Alp, was man vermag, wenn man ihn, nach Brandenburger Aberglauben, mit Erbhandschuhen anpackt, oder wenn man über ihn eine Decke oder ein Tuch schlägt, so hat man eine Flaumfeder, einen Strohhalm, einen Pantoffel etc. ergriffen. Zerhackt man diese Gegenstände, so ist der Alp am Morgen tot. Legt man das erfaßte Objekt in eine Kiste und verschließt sie gut, so ſindet man darin am NMorgen einen erstickten Menschen. Prügelt man den gepackten Gegenstand, so spürt der Alp die Hiebe; brennt man den Strohhalm am Lichte an, so hat der Alp davon verbrannte Finger(Muttke, S. 274). Ein Seiten- stück zu diesen deutschen Volksmeinungen findet sich bei Kraußd aus südslawischem Gebiete. Er berichtet: Sieht man am Abend einen Falter um das Licht schwirren, so erkennt man in ihm eine Hexe und fängt ihn, um ihm die Flügel am Licht zu verbrennen. Darauf läßßt man ihn fortflattern mit den Worten: Gevatterin, komm morgen wieder, ich will dir Salz geben. Am nächsten Morgen muß die Hexe mit ihren Brandmalen ins Haus kommen und Salz borgen. Im deutschen Volksglauben findet der Jäger, der einen Werwolf erschiebt, einen toten