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Das ist nun einmal eine höchst verwunderliche Geschichte. Ein Kaulstoßer Bauer steckt mit Haut und Haaren in einem Weidenstumpf, der, wohlgemerkt, an seinem Standorte früher nicht zu sehen war. Und der Mann von Burkards schneidet mit seinem Tabaksmesser nicht nur Kerben in die Rinde des Weidenstumpfes, sondern dabei und zugleich auch Wunden in die Seite des Verwandlungskünstlers. So merkwürdig die Ge— schichte auch klingt, so scheint doch der alte Erzähler an ihrer Wahrheit und Richtigkeit einen Zweifel nicht zu hegen. Nur darin macht er einen Vorbehalt, daß in heutiger Zeit niemand mehr zu solchen Künsten der Verwandlung fähig sei, aber „früherhin konnten die Leut' mehr als jetzt“. Sollte ich mich in der Meinung nicht irren, daß der Bauer von Eschenrod diese von ihm berichtete Verwandlung für eine zu früherer Zeit wirklich vorgekommene Tatsache hält, so muß doch wohl der Schluß zugelassen werden, daß er und die Menschen seiner Bildungsstufe, so miſtrauisch und vorurteilsvoll sie sich auch sonst allem einigermaßen phantastisch Anmutenden gegenüber verhalten, eine Wandlung mit den erwähnten nachträglichen Folgen für einen durchaus mõöglichen und natürlichen Vorgang ansehen. Wie kommt es, daß hier etwas für natürlich gilt, was es nicht ist? Welche Vorstellungen müssen im mensch- lichen Geiste bereit liegen, damit eine solche Erzählung un-— beanstandeten Eingang finden kann? Und wo, so können wir weiter fragen, liegen die Wurzeln, aus denen diese Vorstellungen entsprossen sind?
Wenn wir an die Lösung dieser Fragen herantreten wollen, so ist es vielleicht gut, uns auf den Standpunkt jenes Burkardser Forstfrevlers, der unabsichtlich die Gesundheit eines Neben- menschen schädigte, zu stellen und ihm zu seinem Priemchen Rolltabak folgende Fragen in den Mund zu legen:
Wie mache ich es, wenn ich ein andermal in den Wald gehe, daß ich nicht wieder einen Menschen beschädige? Wie unterscheide ich die Stämme oder Stümpfe, in denen Leute stecken, von denen, die wirklich bloß Stämme oder Stümpfe von Holz ohne menschlichen Kern sind? Wo ziche ich da die Grenze?— Und schließlich noch diese Frage: Wie macht


