Aufsatz 
Der naturkundliche und insbesonders der botanische Unterricht an den Gymnasien : 1. Teil
Entstehung
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Chemie in die Obersekunda verlegt ist. Denn es ist dann schon die allgemeine Physik, Elektrizität und Magnetismus vorausgegangen und wird dadurch eine Grundlage geschaffen sein zum besseren Verständnis der physikalischen Eigenschaften der Mineralien. Von besonderer Wichtigkeit aber ist jedenfalls die unmittelbare Verbindung mit der Chemie selbst. Denn ohne die Berücksichtigung der chemischen Zusammensetzung und Eigen- schaften der Mineralien verliert der mineralogische Unterricht offenbar einen Hauptteil seines Wertes und Interesses. Dazu kommt, dass auch die Kristallographie mit dem nun schon mehr geschulten Auffassungsvermögen für mathematische Formen besser verstanden werden und auch für die Stereometrie in Prima besonders dann eine nützliche Vorschule bilden wird, wenn sie derselben unmittelbar vorausgeht. Ebenso ist auch für den che- mischen ÜUnterricht die Kristallographie von Wichtigkeit und wird es also am zweckmäs- sigsten asin, wenn dieselbe zugleich mit oder unmittelbar vor der Chemie vorgenom- men wird.

Da die nun auch unter die Unterrichtsfächer aufgenommene Lehre vom Bau des menschlichen Körpers selbstverständlich erst in Obertertia nach vollständiger Erledigung des zoologischen Unterrichts ihre Stelle finden kann, so wäre nun noch der zoologische und botanische Unterricht auf die vier unteren Klassen und ein halbes Jahr in Obertertia zu verteilen. Will man hierbei der Botanik nicht fünf, sondern nur vier Sommerhalbjahre gewähren, so dürfte es jedenfalls vorzuziehen sein, dieselbe nicht in die Klassen von Sexta bis Untertertia, sondern von Quinta bis Obertertia zu legen, da für das Verständnis des natürlichen Systems, sowie eines, wenn auch auf das Wesent- lichste beschränkten Abrisses aus der Anatomie und Physiologie der Gewächse ein schon gereifteres Urteil und überhaupt eine höhere geistige Ausbildung erforderlich ist.

Wie schon für die verschiedenen Unterrichtsfächer überhaupt, so ist es für die Disziplinen eines und desselben Unterrichtsgegenstandes von ganz besonderer Bedeutung, dass bei der Behandlung derselben stets auf den innigen Kontakt das nötige Augenmerk gerichtet werde. Die Natur ist ein Ganzes und die Disziplinen der Naturkunde müssen demgemäss ebenfalls ein Ganzes darstellen. Diese Einheit wird sich schon in der über- einstimmenden Methode dokumentiren, je mehr aber auch sachliche Berührungspunkte sich finden lassen, desto mehr ist darauf zu achten, dass ihnen die gebührende Rücksicht geschenkt werde. So ist es bei der Physik und Chemie, sowie bei der ersteren und der mathematischen Geographie. Demselben Grunde entsprang der Vorschlag, die Mine- ralogie geradezu mit der Chemie zu vereinigen. So ist es ganz besonders auch bei den Disziplinen derbeschreibenden Naturkunde, der Zoologie und der Lehre vom mensch- lichen Körper, der ersteren und der Botanik, sowie dieser und der Mineralogie. Wie besonders dem nahen Zusammenhange und der beständigen Wechselwirkung zwischen Tier- und Pflanzenwelt sowohl bei dem methodischen Unterrichte in den Lehrstunden, als auch bei den ebenso wichtigen Exkursionen die gebührende Rücksicht zuzuwenden ist, wird später noch genauer besprochen werden.

Von noch grösserer Bedeutung aber ist es, dass innerhalb der einzelnen Diszip- linen ein methodisch geordneter und besonders durch die verschiedenen Klassen plan- mässig fortschreitender Unterricht stattfinde, damit die auf den früheren Stufen erlangten geistigen Fähigkeiten und Kenntnisse ihre richtige Verwertung finden, damit aber auch die Lehrer in den höheren Klassen mit Bestimmtheit wissen, auf welcher Grundlage sie weiter bauen dürfen und nicht Anforderungen an die Schüler stellen, zu denen nach dem früheren Unterricht jede Berechtigung fehlt. Besonders auch für den botanischen Unterricht, der sich durch mindestens vier Klassen hindurchzieht, muss es also von Be- deutung sein, falls nieht jeder Lehrer mit seinen Schülern durch alle Klassen fortrückt, sondern die Schüler beim Aufsteigen in andere Klassen gewöhnlich andere Lehrer bekom- men, dass sämtliche an diesem Unterrichte beteiligten Lehrer sich über eine gemein-