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Beziehungen der naturkundlichen Disziplinen zueinander.
Nachdem im vorhergehenden die Beziehungen der Naturkunde überhaupt zu den übrigen Unterrichtsfächern besprochen worden siud, soll nun noch auf die Verteilung der einzelnen naturwissenschaftlichen Disziplinen in die Klassen, sowie ihre gegenseitigen Beziehungen kurz eingegangen werden. Nach den neuen Lehrplänen ist die Natur- lehre, d. h. die Lehre von den Eigenschaften und Veränderungen der Naturgegenstände im allgemeinen, sowie der Gesetze und Ursachen derselben als derjenige Teil, der ohne Zweifel ein schon geübteres Beobachtungsvermögen und einen gereifteren Verstand vor- aussetzt, wie bisher den drei obersten Klassen zugeteilt, jetzt aber mit je zwei wöchent- lichen Stunden für jede derselben, während vorher in den beiden Sekunden dieser Unter- richt mit nur einer wöchentlichen Stunde bedacht war. Dem entsprechend soll sich der- selbe nun auch nicht mehr auf die äusseren oder Zustandsänderungen, die Physik im engeren Sinn, beschränken, sondern es soll jetzt den Schülern in einem chemischen Kursus auch ein Blick in die geheimnisvollen inneren oder Stoffänderungen gestattet werden. Ebenso ist auch den wichtigsten Lehren der mathematischen Geographie nun eine Stelle eingeräumt und damit den Schülern der erhebende Ausblick auf die Stel- lung unseres irdischen Wohnplatzes zum übrigen Weltgebäude eröffnet.
Den fünf unteren Klassen ist mit zwei wöchentlichen Stunden die Lehre von den Eigenschaften und Veränderungen der Naturgegenstände im besonderen, die Naturge- schichte oder, wie es in den Lehrplänen heisst, die„Naturbeschr eibung“ zuge- wiesen. An dem letzteren Namen hat man hier und da Anstoss genommen und dafür z. B. die Bezeichnung„biologische Wissenschaft“ in Vorschlag gebracht. Aber offenbar bezeichnet jener die Aufgabe dieses Unterrichts für die Anfangsstufe am besten, während wie schon oben angegeben, dem Schüler weiterhin ein Einblick zu verschaffen ist in die Lebenserscheinungen der Organismen, die Gesetze und den ursächlichen Zusammenhang derselben, sowie die Wechselwirkung der einzelnen Individuen im Gesamtleben der Na- tur, so dass offenbar durch die letztere Bezeichnung einer der Hauptziele dieses Unter- richts in richtiger Weise angedeutet wird. Keiner der beiden Namen vermag also die Aufgabe dieser Disziplinen vollständig zu bezeichnen, und wenn wir auch den letzteren für die betreffende Stufe gebrauchen, so ist doch jedenfalls die Mineralogie damit ausge- schlossen, während sie bei der Bezeichnung„Naturbeschreibung“ mit einbegriffen sein soll. Ubrigens sollte der Name Naturwissenschaften für den Gymnasialunterricht strenge ge- nommen überhaupt nicht in Anwendung kommen. Denn das Verfolgen des wissenschaft- lichen Zweckes statt des pädagogischen hiesse die Aufgabe des Gymnasiums und die geistige Entwickelungsstufe seiner Zöglinge, zumal in den tieferen Klassen, vollständig vVerkennen. Der Sinn für wissenschaftliches Studium soll durch den Gymnasialunterricht geweckt, aber Wissenschaften sollen nicht gelehrt werden. Dem Gymnasium gehört Naturkunde, die Naturwissenschaft erst der Universität. So ist auch für den zoologischen und botanischen Unterricht die Bezeichnung Tier- und Pflanzenkunde offen- bar sehr wohl brauchbar und gerade, weil dieselbe keine bestimmte Methode und keine besondere Aufgabe ausdrückt, vermag sie alles zu umfassen, was man für den Gymnasial- unterricht hineinzulegen für zweckmässig erachtet.
Wie viel Zeit den einzelnen Disziplinen der Naturbeschreibung zugewendet wer- den soll und in welche Klassen sie zu verteilen sind, ist in den Lehrplänen unentschieden gelassen. Bezüglich der Mineralogie ist es sogar gestattet*), dieselbe mit dem che- mischen Unterrichte zu verbinden. Es ist dies, jedenfalls mit vollem Recht, als das Na- turgemässeste hingestellt; und zwar möchte dies besonders für den Fall gelten, dass die
*) Lehrpläne, S. 36.


