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kann, indem sonst mit dem Aufgeben jenes Unterrichtes auch die Bedeutung dieses Mo- mentes wegfallen würde, dass aber der letztere wegen der nur bei ihm möglichen wirklich systematischen Anwendung dieser Methode als die eigentliche Schule für dieselbe angesehen werden muss.
Um aber die volle Bedeutung dieser beiden charakteristischen Hauptmomente des naturkundlichen Unterrichts, nehmlich der Sinnenentwickelung und der strengen Durchführung der auf dieselbe gestützten induktiven Methode beurtheilen zu können, ist es von Wichtigkeit, nicht bloss die positiv fördernde Wirkung auf die Geistesentwickelung in Anschlag zu bringen, sondern den Umstand zu berücksichtigen, dass diesselben auch ein heilsames Regulativ den verschiedensten falschen Geistesrichtungen gegenüber zu bieten vermögen. So z. B. wird der naturkundliche Unterricht infolge des auf das Fundament der sinnlichen Wahrnehmung gestützten strengen Verfahrens bei der Begriffsbildung mit besonderem Erfolg der nicht selten schon bei Schülern hervortretenden Neigung, mit wohlklingenden, aber inhaltsleeren Phrasen zu prunken und an der Stelle klarer Begriffe unverstandene Worte gelten zu lassen, entgegenarbeiten können. Und ebenso leicht wird derselbe durch die bestän- dige Nötigung, die Dinge so aufzufassen, wie sie sind, einen heilsamen Einfluss üben auf die Beseitigung von Vorurteilen jeder Art und ein wirksames Heilmittel bilden ge- genüber dem Subjektivismus im Denken.
Somit wäre denn wohl der Nachweis geliefert, dass die Naturkunde nicht nur als ein für die formale Geistesbildung verwendbares, sondern auch als ein für dieselbe notwendiges Uuterrichtsmittel anzusehen ist. Die Bestimmung ihres Zwe- ckes in formaler Beziehung, sowie die Vorzeichnung der betreffenden Methode hat damit gleichzeitig die nötige Ergänzung erfahren.—
Als Mittel zur Erreichung des Zweckes der Erziehung, den Menschen zur mög- lichsten Vollkommenheit zu führen, wurde aber nicht allein die formale Bildung des Gei- stes hingestellt, sondern auch die Erfüllung desselben mit Anschauungen und Ideen, welche seiner Thätigkeit Mass und Ziel zu geben geeignet sind. Dazu gehören aber ohne Zweifel diejenigen Anschauungen und Ideen, die dem gegenwärtigen Bildungsstande zu Grunde liegen, es gehört dazu, um einen geläufigen Ausdruck zu ge- brauchen, was man zur allgemeinen Bildung rechnet. Davon müssen die höheren Schulen ihren Zöglingen ein gewisses Mass bieten und zwar zunächst, damit es denselben möglich gemacht wird, sich selbst als Gebildete unter Gebildeten zu bewegen, dann aber besonders, um dieselben fähig zu machen, später auch leitend, belebend und schaffend in Kirche, Staat und der menschlichen Gesellschaft aufzutreten. Indem die Geistes- wissenschaften den Schüler in die Kultur und den Geist der Vergangen- heit einführen, bilden sie die Stufen, auf welchen derselbe zum richtigen Verständnis der religiösen, sozialen und politischen Verhältnisse der Gegenwart aufsteigt, und es ist also nicht zu leugnen, dass dieselben sich mit den teuersten Interessen des mensch- lichen Geistes befassen. Zur Gegenwart gehört aber ausser dem Menschen und seinen Geistesproduktionen noch die Welt ausser uns, der Mensch lebt, handelt und stirbt trotz seiner Freiheit nicht ausserhalb, sondern innerhalb der Natur- gesetze und von einem richtigen, vollen Verständnis der Gegenwart kann also schon des- halb nur dann die Rede sein, wenn wir auch diese in den Kreis der Unterrichtsgegenstände gezogen haben. Dazu kommt aber als besonders schwer wiegend der Umstand, dass die Naturwissenschaften der Kultur der Gegenwart ihren Stempel aufgedrückt haben, dass sie die heutige Weltanschauung beherrschen und in den geistigen Inhalt der Menschheit Vorstellungen geliefert haben, die das Charakteristische des modernen Bildungsstandes ausmachen. Die gesamte heutige Bildung beruht also nicht mehr allein auf dem antik- christlichen Fundamente, sondern zum grossen Teil auch auf den Naturwissen-


