Aufsatz 
Der naturkundliche und insbesonders der botanische Unterricht an den Gymnasien : 1. Teil
Entstehung
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schaften. Wenn wir also als Endziel der Erziehung die Hinführung zu einer dem Standpunkte der Wissenschaften entsprechenden Lebens- und Weltanschauung und die darauf gegründete Bildung eines sittlich-religiösen Charakters aufstellen, so dürfen nach dem vorhergehenden unter den Unterrichtsgegenständen der höheren Schulen die Natur- wissenschaften keinenfalls fehlen.

Nachdem so die Notwendigkeit des naturkundlichen Unterrichts auch in materi- aler Hinsicht dargelegt ist, bestimmen wir nun die Aufga be, welche derselbe in dieser Beziehung zu lösen hat, wie folgt. Um der zweiten, an jeden Unterricht zu stel- lenden Forderung zu genügen, dass er nehmlich den Geist des Schülers mit Anschauun- gen und Ideen erfülle, welche seiner Thätigkeit Mass und Ziel zu geben geeignet sind, gewähre der naturkundliche Unterricht dem Schüler eine fruchtbare und bleibende An- schauung von dem Reichtum der äusseren Gestalten in der Natur, einen Einblick in die geheimnisvollen Vorgänge des Entstehens, Wachsens und Vergehens der Organismen, in das Walten der Gesetze im All und den ursächlichen Zusammenhang der Erscheinungen, sowie der harmonischen Wechselwirkung der Organismen im Gesamtleben der Natur und als höchstes Ziel die Anbahnung eines begründeten Urteils über die Stellung des Men- schen zum Universum.

So entscheidend nun auch schon die besprochenen höheren Gründe für die Einführung und Erweiterung des naturkundlichen Unterrichts sein mussten, so gab es doch auch noch einen praktischen Grund, der nicht unberücksichtigt bleiben konnte. Die Gymnasien haben eben ausser ihrer mehr i decllen Aufgabe auch noch den praktischen Zweck, dem Schüler die den Anforderungen der Zeit entsprechenden Kenntnisse als Vorbereitung für die künftigen Berufsstudien zu gewähren. Es ist dies sogar ursprünglich der einzige Grund gewesen, dem nicht nur die Naturwissen- schaften, sondern auch die Sprachen ihre Verwendung als Unterrichtsgegenstand zu ver- danken hatten. Dass derselbe für die Naturwissenschaften auch jetzt noch seine volle, ja sogar eine erhöhte Bedeutung hat, wird niemand bestreiten wollen. Bildet doch die Bekanntschaft mit der Natur und ihren Gesetzen gegenwärtig eine der wesentlichen Voraussetzungen für die höheren Studien bei der Mehrzahl der Berufsarten und nicht etwa ploss für diejenigen Fachstudien, welche eingehende Naturkenntnis zur Voraussetzung haben, sondern namentlich auch für das Studium der Philosophie. Trotzdem aber muss daran festgehalten werden, dass der höchste, ja der eigentliche Zweck, dem sich jeder praktische Zweck unterzuordnen hat, die Ausbildung des Geistes in formaler und materi- aler Beziehung ist und bleibt, und demnach jener praktische Zweck immer nur in soweit mit berücksichtigt werden darf, als es sich mit jenem Hauptzwecke vereinigen lässt.

Fassen wir nun die Zwecke des naturkundlichen Unterrichts, welche im vor- hergehenden zur näheren Besprechung gekommen sind, noch einmal kurz zusammen, 8o sind zunächst die höheren, eigentlichen Zwecke desselben von zweierlei Art, nehmlich formale und materiale. Unter den formalen stellen wir nun diejenigen an die Spitze, welche wir als die speziellen Zwecke der Naturkunde bezeichnen möchten, diejenigen nehmlich, welche dieselbe vor allen anderen Lehrfächern verfolgt, die Ausbildung der Sinne in höherer Bedeutung und die Einführung in die induktive Meth ode. Neben diesen aber soll der naturkundliche Unterricht in Gemeinschaft mit den übrigen Unterrichtsfächern auch den allgemeinen Erzichungszwecken dienen, denen wir übrigens keineswegs eine geringere, sondern vielmehr zum Teil eine weit höhere Bedeutung bei- legen als jenen. Er soll also, was teilweise auch schon in seinen speciellen Aufgaben enthalten ist, mitarbeiten an der Entwickelung und Ausbildung der verschiedenen Geistes- thätigkeiten, d. h. er soll einerseits den Verstand bilden helfen und dabei auch fort- während auf die Entwickelung des Sprachvermögens seine Aufmerksamkeit richten und soll andererseits sich auch der Pflege der gemütlichen Seite der Scelenthätig-