Aufsatz 
Der naturkundliche und insbesonders der botanische Unterricht an den Gymnasien : 1. Teil
Entstehung
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halten werden; und es lässt sich nicht bezweifeln, dass der Lehrstoff des naturkundlichen Unterrichts wegen seiner sinnlichen Anschaulichkeit vorzugsweise zur Anstellung einfacherer Sprachübungen geeignet ist. Indem der Geist des Schülers einen Reichtum an Anschau- ungen und Begriffen gewinnt, bereichert er gleichzeitig seinen Sprachschatz mit einer Menge von Worten, lernt die gegebenen Objekte richtig benennen und wird das durch die Sinne klar und deutlich Aufgefasste auch leicht und bestimmt wiedergeben lernen. So eignet sich neben der Geometrie der naturgeschichtliche Unterricht auch besonders zu Übungen im richtigen, bestimmten und kurzen Definieren und in keinem anderen Fache ist es auch wohl leichter als hier, das Unbestimmte, Mangelhafte oder Uberflüssige in den Erklärungen und Beschreibungen durch Vergleichung mit den sinnlich wahrnehmbaren Gegenständen oder Erscheinungen einsehen und durch die Schüler selbst berichtigen zu lassen.. Nachdem im vorgehenden nur diejenigen Thatsachen angeführt sind, auf denen die Verwendbarkeit der Naturkunde für die formale Geistesbildung am Gymnasium be- ruht, so erübrigt es nun noch, wie schon angedeutet, diejenigen Momente hervorzuheben, aus welchen seine Unentbehrlichkeit gefolgert werden kann, dasjenige in seinen Leistungen also, was durch ein anderes Unterrichtsfach überhaupt nicht oder wenigstens nicht im selben Maase erzielt werden kann. Zwei Momente sind in dieser Beziehung von besonderer Wichtigkeit. Das erste finden wir in der durch den naturkundlichen Unterricht bewirkten Sinnenentwiockelung in ihrer höheren Bedeutung d. h. der mit der Pflege der Einbildungskraft einerseits und mit der Ausbildung des Verstandes anderer- seits Hand in Hand gehenden Kultivirung der Sinne. Wenn auch in Bezug auf Ver- wertung derselben für das ästhetische Interesse dem Zeichenunterrichte der Vorrang gebührt, so ist es unter allen Unterrichtsfächern fast ausschliesslich der naturkundliche Unterricht, der die Ausbilduug der Sinne als Grundlage für die Entwickelung des Ver- standes benutzt. Von welcher Wichtigkeit dieses Moment also ist, bedarf keines weiteren Beweises. Das zweite Moment liegt in der besonderen Methode, die der naturkundliche Unterricht mit den Naturwissenschaften gemein haben soll, nehmlich der Methode der Induktion, des Verfahrens nehmlich, dessen Wesen darin besteht, dass es von den Resultaten der durch die Sinne angestellten Beobachtungen ausgehend, durch Vergleichung der einzelnen Naturobjekte und Erscheinungen zur Abstraktion allgemeiner Begriffe und Gesetze gelangt, um schliesslich den Kausalzusammenhang der einzelnen Erscheinungen zu ergründen. Es ist eben dasjenige Verfahren, dem die Naturwissenschaften ihre glän- zenden Erfolge verdanken. Wenn nun auch die induktive Methode von den letzteren nicht ausschliesslich angewendet wird, sondern auch auf andere Wissenschaften, besonders auf die Sprachforschung, sowie auf den sprachlichen Unterricht mit grossem Erfolge übertragen worden ist, so lässt sie sich doch bei den Naturwissenschaften, bei welchen sie zuerst benutzt und entwickelt worden ist, auch am leichtesten anwenden und am konsequentesten durchführen und ist aus ihnen der bedeutende Umfang und die Mannig- faltigkeit ihrer Anwendung am besten zu ersehen. Dabei sind die Naturwissenschaften meist im stande, ihre Induktion bis zu scharf ausgesprochenen allgemeinen Regeln und Gesetzen durchzuführen, während es die Geisteswissenschaften überwiegend mit Urteilen nach psychologischem Taktgefühl zu thun haben. Diese Methode nun wird auch für den naturkundlichen Unterricht ohne Zweifel vorwiegend in Anwendung gebracht werden müssen; denn wo eine Methode für eine Wissenschaft charakteristisch ist, da muss sie in ihrer Schärfe auch beim Unterricht festgehalten werden.(Schrader.) Natürlich handelt es sich dabei nicht allein um gelegentliche, sondern um systematische Anleitung induk- tiver Denkthätigkeit. Wenn es nun hier darauf ankommt, die Notwendigkeit, des natur- kundlichen Unterrichts darzuthun, so ist gerade der Umstand von Bedeutung, dass das induktive Verfahren auch bei anderen Wissenschaften in Anwendung gebracht werden