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freundliche Blumenwelt einen besänftigenden Einfluss auf das Gemüt auszuüben geeignet sein. Die höheren und reineren Freuden, welche der durch den Unterricht häufiger zu veranlassende Aufeuthalt in der Natur gewährt, sind dazu angethan, von grobsinnlichen Genüssen abzuziehen, die sonst nur zu häufig gesucht werden.
Wenn in vereinzelten Fällen gegen die Naturwissenschaften der Vorwurf erhoben worden ist, dass sie Irreligiosität zu erzeugen geeignet seien, so kann damit un- möglich die wahre und richtig verstandene Wissenschaft gemeint sein. Denn es Väre damit der schwere Vorwurf gegen die Religion ausgesprochen, dass sie der Wahrheit gegenüber nicht stand zu halten vermöchte. Religiösen Indifferentismus wird man ja stets auch bei einzelnen Naturforschern finden, so gut wie bei allen anderen Berufsarten, und jeden derselben werden wir geneigt sehen, seinen wissenschaftlichen Ideenkreis und seine Forschungsresultate mit seinen Ansichten über Religion in Einklang zu bringen. Wird man behaupten dürfen, die Stellung dieser wenigen zur Religion repräsentire diejenige der Naturwissenschaften überhaupt? Vor den wahren Wissenschaften wird die wahre Religiosität ihren Platz behaupten, ja sie wird überhaupt von denselben nicht nur keine Anfechtung zu fürchten haben, sondern jene werden im Gegenteil zur Befestig- ung und Verberrlichung derselben das ihrige beitragen. So hat denn auch die Erfahr- ung aller Zeiten gelehrt, dass mit gründlicher Naturkenntnis oft genug die tiefste Religi- osität verbunden gewesen ist. Weise aller Zeiten und Völker haben aus der Natur ihren Schöpfer erkannt.„Es ist ein Gott, so ruft uns die Natur, der ganze Bau der Welt zeugt seiner Hände Spur.“(A. v. Haller) So wird also auch der naturkundliche Un- terricht gewiss dazu beitragen können, das religiöse Interesse zu fördern, wenn er nur in der entsprechenden Weise geleitet wird, und richtig ist, was Schrader(a. a. O. S. 178) sagt:„Dass der naturwissenschaftliche Unterricht fast ohne Zuthun des Lehrers das religiöse Gefühl des Schülers anrege, bedarf keines Beweises;“ und gerade darauf sollte hier der Nachdruck gelegt werden, dass dies schon fast ohne Zuthun des Lehrers geschieht und nicht etwa dadurch, dass, wie es wohl in früheren Zeiten Brauch war, bei jeder irgend auffindbaren Gelegenheit der Name Gottes in den Unterricht hereingezogen und mit überschwenglichen Worten die Wunder der Schöpfung gepriesen werden. Es gibt aber noch einen Punkt, dessen Beachtung von der grössten Bedeutung ist, der aber hier nur eben angedeutet werden soll. Wenn auch die eigentliche Naturwissenschaft der wahren Religiosität keineswegs entgegensteht, so ist eine weitere Frage die, ob dies auch hinsichtlich sämtlicher Lehren der Bibel angenommen werden könne. Wie aber die Be- antwortung dieser Frage auch ausfallen mag, daran sollte festgehalten werden, dass der naturkundliche Unterricht das, was als feststehende Thatsache gilt, unbeirrt zu lehren hat, wenn es anders für die höheren Zwecke des Unterrichts und den geistigen Standpunkt des Schülers passend erscheint, dass aber dabei niemals der Versuch gemacht werden sollte, in dem Gemüte des Zöglings absichtlich auch nur den geringsten Zweifel bezüglich der Lehren seines Glaubens zu erregen.
Indem so gezeigt ist, wie der naturkundliche Unterricht auf die Bildung des Geistes nach seinen verschiedenen Richtungen, nehmlich als Verstand, Gedächtnis, Ein- bildungskraft und Gemüt zu wirken befähigt ist, so ist damit ein Teil seines Zw e ckes angedeutet und wird so auch die volle Verwendbarkeit desselben als formales Bildungsmittel hinreichend bewiesen, sowie auch die Methode schon zum Teil vorge- zeichnet sein.
Wenn nun unter den Zwecken desselben auch noch angegeben wird, dass er als er integrierender Faktor des deutschen Unterrichts auftreten solle, so muss man auch damit einverstanden sein, sofern man dies von jedem anderen Unterrichts- gegenstand gelten lässt. Bei allem Unterricht soll, so oft dabei die deutsche Sprache in Anwendung kommt, stets mit Strenge auf Ubung und Vervollkommnung im Ausdruck ge-


