Aufsatz 
Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der phanerogamen Blüthe / Karl Schenck
Entstehung
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Krone vollſtändig. Die Haare des Kelches ſind jetzt zum Theile ſchon dreizellig, theils aber auch noch zwei⸗ und einzellig. Bei den zwei⸗ und dreizelligen bildet die unterſte Zelle einen breiten, niedrigen Sockel. Sockelhöhe bei einem dreigliedrigen Haare 2 0,00056, Durchmeſſer 0,00231, Länge des zweiten Gliedes 0,00277, Länge des dritten 0,00486. Auch haben ſich jetzt am Kelche kugelige Drüſen gebildet, die regellos zwiſchen den Haaren ſtehen.

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Durchmeſſer einer Drüſe 0,00115.

Auch die Gefäßbündel des Kelches ſind ſchon gebildet und verlaufen, mit Spiralgefäßen verſehen, bis nahe an die Spitzen der Kelchzipfel. Hier, wie an allen anderen Theilen unſerer Pflanze, zeigen ſich die Spiralgefäße links gewunden*).

Die Knoſpenlage der Krone hat ſich durch das weitere Wachsthum der einzelnen Theile in die dachziegelartige, Aestivatio imbricativa, verwandelt. Der Mittellappen der Unter⸗ lippe hat ſeine Spitze ſchon über die Mitte der Blüthe hinaus vorgeſchoben. Die Seitenlappen bedecken vom Mittellappen jederſeits etwa ein Drittel, und die Oberlippe reicht mit ihrem Vorderrande ſo weit vor, daß die ganze Unterlippe unter ihr verborgen iſt. Die beiden vor⸗ deren Ecken am Mittellappen der Unterlippe ſind ſchon viel convexer, dadurch ſchon etwas mehr über die urſprüngliche Spitze hinaus nach vorn ausgedehnt, und wir haben alſo jetzt den erſten Anfang der ſpäteren Herzform. Dabei ſind die Seitenränder des Lappens nicht parallel geblieben, ſondern divergiren nach vorn, ſo daß der Lappen von der Baſis aus nach vorn immer breiter wird. An den Seitenlappen ſind die Spitzchen ſchon merklich länger geworden.

Ihre Länge betrug bei einer Knoſpe dieſer Größe 2 0,00 138˙, Länge der Blumenkronenröhre 0,01319,

Ganze Höhe der Kroue ¹0,02428, Ausdehuung von vorn nach hinten 0,02428, * von rechts nach links 0,0208 1.

Die Oberlippe iſt mit einem Schopfe langer, weißer Haare geziert, der ein breites Band auf der Mittellinie bedeckt. Darunter ſind Haare von jeder Entwickelungsſtufe. Daneben aber ſtehen erſt ganz kurze halbkugelige Anfänge von Haaren, und am Vorderrande findet man erſt die allerfrüheſten Anlagen derſelben in Form kaum bemerkbarer Hervorragungen. Zwiſchen den längeren Haaren ſtehen auch auf der Oberlippe ſchon Drüſen von der Art, wie beim Kelche. In Kelch und Krone ſchließen die Zellen aller Schichten noch eng an einander, es haben ſich noch nicht die ſpäter vorhandenen großen Intercellularräume gebildet, woraus denn auch die durchſcheinende Beſchaffenheit der mit hellen Säften erfüllten ‚Zellenſchichten der

*) Auch nach den Ungeruchungen an anderen Pflanzenarten ſcheint überhaupt die Linksdrehung bei den Spiralgefäßen die gewöhnlichere zu ſein. Wenn man bei Anderen die entgegengeſetzte Behauptung ausgeſprochen findet, ſo mag die Urſache davon eine falſche Beurtheilung des mikroskopiſchen Bildes ſein. Bei einer geraden Mikroskop⸗ röhre ſind alle Seiten des Objektes miteinander vertauſcht, und die Wirkung auf eine Spirale iſt dann die nehmliche, wie wenn man dieſelbe nur vom entgegengeſetzten Ende anſähe, d. b. die linksgewundene Spirale erſcheint wieder tinks gewunden. Die gebrochene Röhre dagegen, die nur die linke und rechte Seite mit einander vertauſcht, und die alſo wie jeder ebene Spiegel wirkt, muß die linksgewundene Spirale rechts gewunden erſcheinen laſſen.