Aufsatz 
La farce du maistre Pathelin : grammatische Abhandlung / von Ludwig Schäffer
Entstehung
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und die ein gewisses Gesetz des Gleichgwichtes und der Tonabstufung in viel ausge- dehnterer Geltung darstellt, als die neufr. Formen. Diese Erscheinung war so allgemein, dass sie öfters bei der Eintheilung der französischen Zeitwörter zu Grunde gelegt worden ist. Man hat dabei jedenfalls übersehen, dass die hier in Betracht kommenden Lautgesetze keineswegs nur beim Zeitwort Anwendung finden. Durch den Wechsel im Stammvocale bei tonloser Endung sollen nicht die Zeiten oder die Personen geschieden werden; der Uebergang von tenet in tient ist nicht anders zu beurtheilen als der von bene in bien, und die diphthongirten Formen beim Zeitwort verhalten sich zu denen mit reinem Stammvocal genau ebenso wie die entsprechenden Formen bei jedem andern Redetheile. Beispiele bietet unter den romanischen Sprachen ganz besonders das Spanische in Fülle, wo diese Erscheinung am allgemeinsten ist. So lange nicht ein ganz neues und wesentliches Bildungsprincip in der fran- zösischen Conjugation sich darstellt, kann nur die Eintheilung, die von der lat. Sprache ausgeht, ge- rechtfertigt erscheinen.

Im Altfr. lautet das Praes. von trover: truis, trueves, trueve, truevent, in den Formen mit schwerer Endung bleibt der reine Stammvocal; efr. Ly. 357, 778, 1390, 3032, 4685, 5124, Rol. 2856, 2859 etc. So auch nicht nur im Pathelin, sondern selbst noch bei Lafontaine und Molidère:

Se je vous treuve la. 1538.

S'il me treuve, je luy pardonne. 1599.

Voici, leur dirent-ils, ce que le conseil treuve. Laf. II. 20.

Non: l'amour que je sens pour cette jeune veuve

Ne ferme point mes yeux aux défauts qu'on lui treuve. Mol. Le Mis. I. 1.

Hierher gehören Formen mit diphthongirteme; ferner solche, die ein Schwanken

zwischen reinem und verdunkeltem Laut zeigen:

S'il y a riens qu'on se delivre

Tantost, affin que je me lieve

Mon advocat vient, qui achieve

Ung peu de chose qu'il faisoit. 1221.

Je me devoie tant louer

De toy! or fay que je m'en loe. 1575, cfr. 1489, Ly. 2144 etc.

Ebenso wie louer verhält sich das heute fast vergessene, im 15. Jahrhundert noch vollständig erkaltene oulr: Oyant son chant ainsi vanter. 449. Je l'os la. 610. Que tu m'orras bien descliquer. 1131. Oys tu tes brebis braire. 1387. Car on les oyt bien hault crier. 1111. Ben sunt cunfes e asols e seignez, Oent lur messes. Rol. 3860. Ore oiez, franc chevaler vaillant! ibd. 2657. 1 De plus feluns n'orrez parler jamais. ibd. 3248, efr. 1547, Ly. 6805. Vers le paleis oirent grant fremur. ibd. 2693, cfr. 3145, 3484.

Diesen Formen mit reinem o, wie das 16. Jahrhundert ausschliesslich darbietet, stehen gegentber: Vous l'ouez bien. 1484. Avant que je puisse estre ouy? 1404, cfr. 718. Oncques tel tempeste N'ouystes ne tel frenaisie. 786. S'il advenoit qu'on vous ouist. 767.