Maugrebieu! ay je tant vescu
Que ung bergier, ung mouton vestu,
Ung villain paillard me rigolle? „Mä!“ antwortet der Schäfer. Pathelin versucht es nochmals mit der Aussicht auf ein leckeres Mal, das den Kaufmann verführte. Aber Aignelet bleibt unerschütterlich bei seinem Mä, und Pathelin muss zuletzt wüthend eingestehen, dass ein Schäfer vom Lande ihn überlistet hat.„Aber, beim heiligen Jakob! fände ich einen Häscher, er sollte Dich fassen.“ Sil me treuve je luy pardonne! versetzt der Schäfer und entflieht, während Pathelin ihm nacheilt. Hiermit schliesst das Stück, das bei aller Einfachheit sehr glücklich erfunden ist. Von seinem frischen Humor, der Natürlichkeit und Wahrheit seiner lebendigen und höchst gelungenen Gestalten, von der Gewandtheit in der Form, sowie der komischen Kraft, die besonders anch dem Dialog eigen ist, kann die Erzählung allerdings nur ein schwaches Bild geben.
Nach dieser über den Dichter und das Stück orientirenden Einleitung, in welcher dem Leser einige Proben wohl nicht unwillkommen waren, wenden wir uns zu unserm grammatischen Gegenstand. Arbeiten wie die vorliegende haben zum Zweck, die allgemeine Grammatik der franz. Sprache im 15. und 16. Jahrhundert vorzubereiten. Möge diese Abhandlung als ein Beitrag dazu betrachtet werden. Mit Ly. wird in der Folge verwiesen auf: Li Romans dou Chevalier au Lyon von Chrestien de Troies, ed. Holland; mit Rol. auf: La Chanson de Roland, ed. Müller.
I. Lautverhältnisse.
Ursprüngliches a behauptet sich noch in ravasser, jetzt révasser, von lat. rabies, woraus zu- nächst neben rage, als mundartliche Form, rave, raive und alsdann resve(mit s als stummem Zeichen, wie es prov. reva beweist) sowie resver hervorging. Aehnlich bestanden auch cage, cave, caive, aus lat. cavea, sage, saige und saive in der langue d'oll neben einander. Das dem Französischen ent- nommene engl. to rave entspricht, wie auch das altfr. Wort, der lat. Grundbedeutung. Für lat. e steht a, wie auch im Altfr., in aparzoivre neben apercevoir.
Für ursprüngliches a erscheint ai noch ziemlich häufig. Entstanden ist diese Combination zumeist durch Attraction, oder durch Trübung des a: raige, saige, Espaigne, compain, aigneau, declairer; am häufigsten begegnet man ihr in der Ableitungsendung aige(agium, aticum): langaige, suffraige, dommaige, visaige, couraige etc. Diese in der langue d'ofl sehr allgemeine Diphthongirung des betonten Vocales ist am wenigsten üblich im picard. und im norm. Dialect; allmählich verliert sich das Gefühl dafür und das Neufr. zeigt wieder den ursprünglichen Vocal. Phonetisch steht ai nicht selten für neufr. ei: plainement(altfr. plain, plein); paine(altfr. poene, poine, paine, peine); ebenso für oi: au mains, neben a tout le moins, wie im Altfr. moins, neben meins und mains.
Wie ai für a, so erscheint sehr häufig auch anstatt des neufr. e der altfr. Diphthong ie: chief, chievre, chiez(chez), bergier, abregier etc. Wie im Altfr. steht e in: seur(altfr. segur), veoir etc.; für neufr. nasales o in: voulenté. Kaum Erwähnung verdient die sehr häufige Schreibung y für i.
Wie besonders im norm. und im picard. Dialect der langue d'oll, so erscheint ou für o im 15. Jahrhundert noch in einer beträchtlichen Anzahl von Fällen. So liest man im Pathelin: preuffit, voulenté, demourer, approucher; ebenso für u: souffire, souef. Daneben reines o in douloreux, povre, neben pouvre. Hier zeigt sich ein Schwanken; die verschiedene Orthographie bedingt nicht immer eine Verschiedenheit der Aussprache; loe reimt auf oe, loue auf moe, wie paye auf monnoye und dieses auf sçavoye, wie voye auf mangeoye, wie fais auf fois, cfr. V. 2, c. u. 3. Die Aussprache von oi wie ai verbreitete sich aus der Normandie über Paris, wo früher die pieardische und burgundische Aus-


