Aufsatz 
La farce du maistre Pathelin : grammatische Abhandlung / von Ludwig Schäffer
Entstehung
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Wenn er nun kommt, unterweist sie hierauf der Gatte, so wird er mich im Bette finden. Ich bin krank seit zwei Monaten. Denke an den Samstag, wo Du am Pranger standest! warnt sie.Das Tuch muss uns verbleiben! herrscht er ihr zu und huscht in's Bett. Gleich darauf erscheint der Kaufmann. Ach, Herr, habt Ihr etwas zu sagen, so sprecht leise, flüstert Guillemette aufmachend. Wo ist er? fragt Joceaulme. Wo soll er denn sein? Der arme Dulder, seit 11 Wochen an der nämlichen Stelle. Der Kaufmann erfährt endlich nach einer längeren Begriffsverwirrung, dass sie von Pathelin redet; auf seine Geldforderung folgt die Ermahnung leiser zu sprechen und zu gehen, damit man nicht übel von ihr denke, worauf Pathelin zu phantasiren beginnt.Und habt Ihr, fragt der Kaufmann lüstern in höchst komischer Erinnerung an die Einladung, keine Gans am Feuer? Er weiss nicht mehr, ob er träumt; das Selbstgespräch, in dem er bald seiner Sache gewiss zu sein glaubt, bald Pathelin für unschuldig hält, ist von köstlicher Wirkung. Zuletzt eilt er davon, kommt aber gleich auf das laute Lachen Guillemettes voll Wuth zurück. Er hat auch jetzt kein besseres Schicksal. Pathelin phantasirt in verschiedenen Mundarten, und schon nach dem vierten oder fünften Anfall muss Joceaulme gestehen:Dachte ich doch, er wäre es gewesen; ich überzeuge mich jetzt freilich vom Gegentheil. Ich muss gehen, bevor er stirbt. Gott verzeihe mir's, ich glaubte, er hätte mein Tuch. In einem kurzen Selbstgespräch meint er dann sich bekreuzend, der Teufel müsse ihm das angethan haben.

Der Streich ist vorerst gelungen; aber die Strafe folgt auf dem Fusse und zwar wieder in der denkbar komischsten Weise. Der schlaue Fuchs geht in eine Falle, die er selbst stellte, und findet seinen Meister in einem Tölpel, den er eben erst unterwiesen hat. Bei dem Kaufmann, der seinen Verlust noch nicht verschmerzte, erscheint gerade zur rechten Stunde dessen Schäfer. Er soll ihm die Hämmel, um die er ihn seit Jahren betrog, ersetzen. Mit dem Gerichte bedroht, wendet sich Aignelet an unsern Advocaten. Er habe freilich in 3 Jahren mindestens 30 Schafe, die er für krank ausgegeben, geschlachtet und aufgezehrt, bis sein Herr endlich hinter die Wahrheit gekommen sei; Pathelin könne aber doch vor Gericht es dahin bringen, dass Recht in Unrecht verkehrt und er frei- gesprochen werde. Nachdem er sich einen geziemenden Dank in Geld ausbedungen hat, weist Pathelin den Schäfer an, mit dem er wie zufällig vor Gericht zusammentreffen will, auf alle Fragen stets nur die eine Antwort zu haben: Maä!

Tu ne respondras nullement

Fors, pour rien que l'en te die.

Et s'il advient qu'en te mauldie,

En disant: He, cornart puant!

Dieu vous mette en mal an, truant! Vous mocquez vous de la justice?

Dy:. Hal feray je, il est nice: Il cuide parler a ses bestes!

Mais s'ilz devoient rompre leurs testes, Que aultre mot n'ysse de ta bouche: Garde t'en bien!

Und weiter: Or t'y garde; tiens te bien ferme. A moy mesme, ponr quelque chose Que je die ne prepose, Si ne me respondz aultrement.