Aufsatz 
La farce du maistre Pathelin : grammatische Abhandlung / von Ludwig Schäffer
Entstehung
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3 sorgen.Was für eine Farbe gefällt Dir am besten? grün, grau, Brüsseler Tuch, oder was sonst?* Was Du bekommen kannst, entgegnet Guillemette; wer borgt, ist nicht wählerisch. Man berechnet, wieviel man braucht; sie fragt nochmals zweifelnd, wer ihm die Waare wohl borgen werde.Was kümmert's Dich, erwiedert der Gatte;genug, ich werde sie bekommen, zahlbar am jüngsten Gericht, denn früher soll's gewiss nicht geschehen. Der Advocat tritt bei dem Kaufmann Joceaulme ein. Wie geht's? Frisch und wohlauf, Guillaume? Hat man sein Auskommen? Ja, fährt er fort, nach- dem der Kaufmann gebührend auf die Schwierigkeit sich durchzubringen hingewiesen hat, war das ein Mann! Gott hab' ihn selig! Betrachte ich Euch, so meine ich ihn leibhaftig vor mir zu sehen. Wie ein Tropfen Wasser dem andern, gleicht Ihr ihm: dem Vater wie aus dem Gesicht gesehnitten! Der Kaufmann wird höflich und bietet dem listigen Schmeichler einen Stuhl an, der hierauf mit einer vollendet komischen Wendung zur Sache übergeht.Wollte Gott, dass ihm Alle glichen; dann würde man einander nicht so betrügen und bestehlen! Dabei befühlt er ein Stück Tuch, das vor ihm liegt. lst das aber ein schönes Tuch, weich, glatt und geschmeidig! Aus der Wolle meiner Schafe, versetzt der arglose Händler.Seid Ihr doch ein Haushalter, ganz der Vater! Dass ich's nur sage, das Tuch hat mir's angethan. Beim Heiland, ich wollte keines kaufen; aber ich sehe schon, Ihr werdet von den achtzig Thalern, die ich zurückgelegt habe, zwanzig bis dreissig bekommen. Einem Mann von so geordneten Verhältnissen kann der Kaufmann schon sagen: Sucht Euch aus, was Ihr wollt, und hättet Ihr auch keinen Pfennig. Man wählt, verständigt sich über den Preis und misst ab, alles mit ganz unvergleichlicher Natürlichkeit. Das Geld wird Joceaulme im Hause des Advocaten abholen, dabei dessen Wein versuchen und eine Gans verzehren helfen. Diese Aussicht blendet den Kaufmann vollends. Geht nur voran, sagt er, ich folge mit dem Tuche. Es entspinnt sich nun ein Austausch von Höflichkeiten, wer den Pack tragen soll; Pathelin geht siegreich einstweilen damit voran, der Kaufmann wird alsbald nachkommen und bildet sich vorläufig nicht wenig darauf ein, sein Tuch, das keine 20 sous werth ist, für 24 angebracht zu haben. Die würdige Gattin des schlauen Betrügers wendet, als sie von dem Erfolg bei dem Kaufmann hört, der nach Pathelins eigener Aus- sage nie einem Menschen etwas geborgt oder ein gutes Wort gegeben hat, auf den ganzen Auftritt vortrefflich die Fabel vom Raben und vom Fuchs an, in der man wohl nicht ohne Interesse einen Vorläufer der köstlichen, zum Vergleich gegenüberstehenden Darstellung Lafontaines erkennen wird.

Guillemette.

Il m'est souvenu de la fable

Du corbeau qui estoit assis

Sur une croix de cinq a six Toises de hault, lequel tenoit

Ung formage au bec: la venoit Ung regnart qui vit ce formaige; Pensa a luy: Comment l'auray je? Lors se mist dessoubz le corbeau: Ha! fist il, tant as le corps beau, Et ton chant plein de melodie! Le corbeau, par sa cornardie, Oyant son chant ainsi vanter,

Si ouvrit le bec pour chanter,

Et son formage chet a terre,

Et maistre regnart le vous serre A bonnes dens, et si l'emporte.

Laf. II. 2.

Maittre Corbeau sur un arbre perché, Tenait en son bec un fromage. Maitre Renard, par l'odeur alléché Lui tint à peu près ce langage. bon jour, Monsieur du Corbeau! Que vous éêtes joli! Que vous me semblez beau! Sans mentir, si votre ramage Se rapporte à votre plumage, Vous éêtes le Phénix des hôtes de ces bois. A ces mots, le Corbeau ne se sent pas de joie: Et pour montrer sa belle voix,

Il ouvre un large bec, laisse tomber sa proie. Le renard s'en saisit, et dit: Mon bon Monsieur, Apprenez que tout flatteur Vit aux dépens de celui qui l'écoute:

Cette legon vaut bien un fromage, sans doute.

Le corbeau, honteux et confus, Jura, mais un peu tard, qu'on ne l'y prendrait plus.

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