Aufsatz 
Das Particip des Aoristes bei den Tragikern / von Phillipp Schäfer
Entstehung
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des Präsens den Vorzug geben; das würde uns aber ein ganz anderes Bild geben, dann wäre das Kommen in der Entwicklung dargestellt: der griechische Ausdruck hat den Vorzug der Bestimmt- heit. Ant. 476 40ν αυνεέ̈νια ναἀ αmωννάέάεα νπιέσιν έμν εαιεο⁶ und 478 070 1008 νυμεςένμò⁴‿υς Iτουιςι 2τααοιιν˙εένιας, haben die part. aor. einen gnomischen Sinn, der aber auch darauf zurück- zuführen ist, dasz die Vorstellung von einer Handlung zu Grunde liegt, die geschehen ist. Vgl. weiter unten unter Nr. VIII. El. 1315 lesen wir:τι ⁴ιισ ⁶σέ m⁶ ⁶σmϑↄπαχ⁶να ι ναᷣ Ʒνονι⁴bςυνεdoν, hier haben wir von demselben Verbum der Wahrnehmung einmal ein part. aor. abhängend, dann ein Particip des Präsens: der Unterschied in der Bedeutung ist sofort auffallend.

Ebenso könnte aus Euripides eine ganze Reihe solcher Beispiele angeführt werden, es mag aber bei den beigebrachten sein Bewenden haben.

In nur zwei Beispielen habe ich in dem Particip des Koristes in Verbindung mit solchen Verben nicht die Bedeutung der Vollendung der Handlung gefunden: das Particip hat hier entweder ingressive Bedeutung oder es betont nur die Handlung an sich. Eur. Or. 296 finden wir: 61 ‚ds 1εν α⁹νννι⁶αηηνν ⁷⁶σφω wenn du mich mutlos(oder auch mutlos geworden) siehst; Alc. 506 d ονν³ς d0rιν˖ eν½ ½οσν μρηνιαυννmxναι ⁷νον τϊέασηνια εοα ονινα⁴ονμον Ʒναα, niemand wird der Alkmene Sohn je zittern schen vor des Feindes Hand.

IV.

In den Stücken der Tragiker bietet sich uns eine ungeheure Anzahl von aoristischen Parti- cipien dar, der gegenüber die der Participien des Perfects eine kleine zu nennen ist, und wie man bemerken kann, sind es zum Teil ganz bestimmte Zeitwörter, die sehr gern in diesem Particip vor- kommen: ich meine vor allem die Verba der Bewegung, auf die ich im folgenden Abschnitt besonders zurückkommen werde. Ich habe nun bei wiederholter Betrachtung dieser Participien des KAoristes die Beobachtung gemacht, dasz sie in den allermeisten Fällen eine Handlung oder ein Leiden be- zeichnen, das vollendet, um dessen Folgen man sich aber nicht kümmert, und, um das besonders hervorzuheben, betonen die Participien des passiven Koristes fast durchweg eine solche Handlung. In vielen Fällen ist es allerdings nicht ganz leicht, diese Bedeutung der Vollendung in dem Particip des Aoristes zu erkennen, weil es uns schwer fällt, uns von den Anschauungen frei zu machen, die in unserem sprachlichen Ausdrucke liegen. Daher mag es denn auch gekommen sein, dasz man bisweilen, wie auch schon oben bei anderer Gelegenheit bemerkt, annahm, das Particip des Koristes drücke etwas mit einer anderen Handlung dauernd Gleichzeitiges aus. Herm. Schmidt hat in der erwähnten Schrift(S. 21 ff.) darauf hingewiesen, dasz, wie schon erwähnt, das Particip des Aoristes häufig eine werdende Handlung bezeichne, eine solche, die als gleichzeitig mit der des folgenden Verbum finitum gedacht werden musz. Ich habe mich gegen diese Ansicht schon ausgesprochen und bemerke hier nur zu den Beispielen, die er auf Seite 24 und 25 zur Unterstützung seiner Be- hauptung aufführt, dasz eine ganze Reihe derselben in Wirklichkeit eine vollendete Handlung ausdrückt, andere gebildet sind mit Verben der geistigen Wahrnehmung und der Gemütsbewegung, und was bei diesen Verben das part. aor. will, darüber habe ich oben gehandelt.