kürlich an den sogenannten ingressiven Aorist, und dieser ist doch nur eine Seite, eine Art des Kcoristes. Aber auch gegen die Bezeichnung der aoristischen Handlung als einer momentanen, wie sie wohl genannt wird, lassen sich Bedenken geltend machen, obwohl mir dieser Ausdruck im allgemeinen besser das Wesen einer solchen zu bezeichnen scheint als jener. Wenn hier von einer momentanen Handlung geredet wird, so soll damit nicht etwa gesagt werden, sie habe nur einen Moment zu ihrer Entwicklung in Anspruch genommen; sie kann vielmehr durch eine lange Zeit sich erstreckt haben, der Redende stellt sie aber so dar, dasz er sie nicht in ihrer Entwickelung hervortreten, vielmehr die ganze IIandlung gleichsam in einen Punkt zusammenschrumpfen läszt: durch den Korist wird so der Inhalt einer Handlung als ein Ganzes dargestellt.*) Mit einem Worte wird sich wohl, ohne Miszverständnisse zu ermöglichen, überhaupt nicht das ausdrücken lassen, was an Zeitart im Korist liegt. Wenn man aber von einer Handlung spricht, bei der man nicht verweilt, so meine ich, dasz damit ein Ausdruck gegeben ist, der das Wesen der Sache wohl trifft.
ERSTER TEIL
Es entsteht nun die Frage, wie von einer so gestalteten Handlung ein Particip möglich ist?
Durch das Particip wird im allgemeinen das fixiert, was aus einer Handlung für eine Person oder eine Sache hervorgeht. Wenn wir von einem blühenden Baume sprechen, so weckt das in uns die Vorstellung, dasz das Blühen an dem Baume, wenn auch nur vorübergehend, haftet, mit ihm verbunden ist. Wie man zugleich an diesem Beispiele sieht, kann eine dauernde Handlung auf diese Weise leicht fixiert werden, also ist selbstverständlich ein Particip des Präsens möglich. Ebenso kann man eine Handlung, die vergangen ist, in ihren Folgen für die Gegenwart durch das Particip festhalten: man kann z. B. von einer Stadt, die in ihren Trümmern noch existiert, reden als von einer zerstörten. So bildet sich ein Particip des Perfect. Aehnlich ist auch ein Particip des Futur denkbar, indem es hinweist auf das Vorbereiten der Handlung: dno z2ναανιισν ιmννν mαιννν ist ein solcher, der mit den Vorbereitungen zur Zerstörung der Stadt sich beschäftigt. Es bezeichnet also überall das Particip eine Zuständlichkeit.
Dieser Begriff der Zuständlichkeit steht aber im Widerspruch mit einer Handlung, bei der man nicht verweilt. Und dennoch hat sich ein Particip des Aoristes gebildet, und man begreift auch, wie es entstehen konnte: die griechische Sprache hat ein so stark ausgeprägtes Gefühl für die Zeitart einer Handlung, dasz wir uns wundern müszten, wenn diese nicht auch im Particip zum Ausdrucke käme.
Diese Erscheinung, dasz dem Particip des Aoristes zunächst nicht eine vollendete Handlung zu Grunde liegt, sondern eine solche, bei der man nicht verweilt, hat viel dazu beigetragen, dasz
*) Brugmann in Müller's Handbuch spricht von einer in einem ungeteilten Denkakt ganz und vollständig vorzustellenden Handlung.


