Aufsatz 
Das Particip des Aoristes bei den Tragikern / von Phillipp Schäfer
Entstehung
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Das Particip des Aoristes bei den Tragikern.

Einleitung.

Der Aorist ist ohne Zweifel eine der interessantesten Erscheinungen der griechischen Sprache, interessant für uns schon deshalb, weil wir ihm ein gleichwertiges Tempus nicht an die Seite zu stellen haben, besonders aber dadurch, dass in ihm oft zeitliche Verhältnisse so scharf und genau zum Ausdruck gebracht werden, dass wir es meist nur empfinden, nicht nachahmen können. Diese merkwürdige Bildung der griechischen Sprache hat denn auch in ausgedehntem Masze die Forschung herausgefordert, aber die Meinungen derer, die sich mit dem Wesen des Aoristes beschäftigt, sind vielfach einander entgegengesetzt.*)

Meine Aufgabe soll es sein, den Sprachgebrauch der Tragiker inbezug auf das Particip des Koristes zu untersuchen, zu sehen, welche Bedeutung dasselbe besonders in sich schlieszt, und ob in dem häufigen Vorkommen gerade dieses Particips die Darstellung einen wesentlichen Gewinn erzielt.

Dieser Untersuchung will ich kurz einige Bemerkungen über den Aorist im allgemeinen vorausschicken.

Scheiden musz man bei der Betrachtung des Abristes vor allem den Indicativ von den übrigen Formen. Nur der Indicativ des Aoristes ist zunächst an die Vergangenheit gebunden, nur in ihm ist zunächst die Zeitstufe ausgedrückt: kenntlich gemacht ist das durch das Augment**) und die Endungen. Es fragt sich nun, welche Zeitart im Aoriststamme ihren Ausdruck findet.

Curtius folgt in seiner Grammatik und in den Erläuterungen hierzu in der Bezeichnung der Zeitart des Aoriststammes dem Beispiele Krüger's und nennt die in ihm ausgedrückte Handlung eine eintretende. Ich kann mich nicht entschlieszen, diesen Ausdruck anzunehmen: man denkt unwill-

*) Bei der Betrachtung des Aoristes sind auszer den bekannten Grammatiken besonders zu berücksichtigen: Pfuhl, Bedeutung des Aoristes, Dresden 1867, Leo Meyer, griech. Aoriste, Berlin 1879, Rieckher in den Heil- bronner Programmen von 1852 und 1853, H. Schmidt, der griech. Aorist, Halle 1845, Brugmann in Müller's Handbuch etc. II. Aken, Grundzüge der Lehre von Tempus und Modus im Griechischen.

Aeschylus ist citiert nach der Ausgabe von G. Hermann 1852, Sophocles nach der von Erfurdt-Hermann 1833, Euripidis nach Fix.

**) Vergl. über dieses Brugmann, Grammatik der indogermanischen Sprachen, 2, II. pag. 859.