Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
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weiler wird noch 1529 der Königsſtuhl zweimal erwähnt: Item III Morgen am Königsſtul.

Die Lage dieſes Königsſtuhles, der eine prächtige Ausſicht bietet vom Altkönig, Melibokus, Donnersberg bis zum Trifels hin, iſt wahrlich eine geeignetere, als die öde Sumpfebene Erfeldens.

Wenn eine Königswahl nicht an und für ſich ſchon in jenen Zeiten thunlichſt an einem Königsſtuhle vollzogen werden mußte, ſo geht die Thatſache, daß an dem Wahlorte ſich Sitze befunden haben müſſen, alſo ein Königsſtuhl vorhanden war, aus folgenden Worten Wipos hervor:Der ältere Konrad neigte ſich, indem mehrere dies ſahen, ein wenig und küßte ſeinen Verwandten dadurch ihrer Eintracht gewiß, ſetzten ſich die Fürſten zuſammen, und das Volk ſtand in Maſſe dabei. Die Fürſten ſetzen ſich in der⸗ ſelben Weiſe, wie die Schöffen bei einer gerichtlichen Verhandlung, alſo waren Sitze, war ein Königsſtuhl vorhanden. Dieſe ſchon oben berührte auffallende Ähnlichkeit der Wahlhandlung und einer Gerichts⸗ handlung hebt Breßlau treffend mit den Worten hervor:Manche Ähnlichkeiten bietet das Verfahren bei der Kur, wie es Wipo ſchildert, mit demjenigen, das bei einer feierlichen Gerichtsſitzung in deutſchen Landen üblich war. Wie dort die Schöffen, ſo ſetzten ſich hier die Fürſten nieder, dort wie hier bildete das zahlreich verſammelte Volk den Umſtand, hier wie dort ſcheint das Verfahren ſich weſentlich in Frage und Antwort bewegt zu haben. Der Ausdrucksententiam sequi, den Wipo von der Abſtimmung der übrigen Geiſſtlichen braucht, iſt techniſcher Ausdruck beim Gerichtsverfahren für die Zuſtimmung zu dem Urteil des zuerſt Gefragten.

Zu welchen Unmöglichkeiten es führt, wenn man die Wahl auf dem rechten Ufer vollzogen werden läßt, geht auch daraus hervor, daß man den jüngeren Konrad, der nach Wipos Erzählung mit den Lothringern auf dem linken Ufer während der Wahl verhandelt, die unwahrſcheinlichſten Fahrten über den Rhein veranſtalten laſſen muß, um überhaupt ſein Verhalten zu verſtehen. Breßlau ſagt darüber: Der jüngere Konrad könnte, um mit den Lothringern zu verhandeln, auf das linke Ufer übergeſetzt ſein, wäre zur Stimmabgabe auf das rechte zurückgekehrt, bis ſich dann nach vollzogener Wahl alles zu dem Zuge nach Mainz auf das linke Ufer begeben hätte. So ſcheint ſich auch Riehl die Vorgänge zu denken: Sicher iſt, fügt er ſehr richtig