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von dort wird die Kaiſerwitwe mit ihrem Gefolge die Reichskleinodien gebracht haben und wenn ſich auch der Rückzug der Maſſen nach vollzogener Wahl den Rhein entlang bewegt hat, ſo war das Vor⸗ handenſein eines zweiten, directeren Weges zur Entlaſtung der Haupt⸗ ſtraße von großer Wichtigkeit. Denken wir uns denſelben ferner als Rückzugs⸗ oder Hülfslinie bei dem etwaigen Ausbruche von Streitig⸗ keiten, die bei der feindſeligen Stimmung der Lothringer ins Auge gefaßt zu haben man einem Manne wie Aribo wohl zutrauen kann, ſo werden wir ſeine Bedeutung zu ſchätzen wiſſen.— Daß überdies die Römerſtraße, die ſogar heutzutage noch ſtreckenweiſe benutzt wird, im Mittelalter in Bau und Beſſerung wird gehalten worden ſein, läßt ſich daraus ſchließen, daß wir in verſchiedenen Weistümern die Beſtimmung finden, wie derjenige, der ſeinen Anteil an einem Wege nicht im Stande hielt, zahlen mußte, was die Obrigkeit anderen für deſſen Herſtellung bedingte und halb ſoviel als Buße.
Das Plateau von Lörzweiler war der Tummelplatz uralten Volkslebens. Oſtlich von Lörzweiler auf einer Fläche, auf der, der Sage nach, das Schloß Thierhaupten ſtand, finden ſich viele Trümmer und römiſche Ziegel. Südweſtlich wird der Ort von einer 6—7 Fuß tiefen Brandſchuttfläche römiſchen Urſprungs, die„Appelgaſſe“ genannt, begrenzt. Hier finden ſich Bruchſtücke von Ziegeln in Menge, Handmühlen, Subſtructionen von Mauerwerk u. a. m. (Zeitſchrift des M. V. II, 147.) Vom Ufer des Rheins bis Nacken⸗ heim zieht ſich ein tiefer, thalartiger Hohlweg, die Heidenpforte ge⸗ nannt, ein Fundort vieler Steinſärge aus fränkiſcher Zeit, nach der Bergfläche von Lörzweiler hinauf, und in der Nähe des Ausgangs ſteht ein uralter Grenzſtein, der Langſtein.
Das ganze Mittelalter hindurch iſt die Erinnerung an den Königsſtuhl im Volksmunde wach geweſen. In einer Urkunde König Albrechts, datiert Speier 1303, erhält Petrus de Lurczwilre, Schult⸗ heiß in Oppenheim, 13 joch landes im Gebiete von Lörzweiler, „ubi sedis regalis ab antiquo dinoscitur esse constructa prope locum qui in vulgari dicitur Kunigesboum.(GHifeß dieſer Königs⸗ baum ſo zum Gedächtnis der Königswahl oder war es der Baum, an den der König ſeinen Schild hängte?)— In einer alten Reno⸗ vation des St. Johannisſtifts in Mainz über ſeine Güter zu Lörz⸗


