Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
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Kambe. Da man ſich die auf dem rechten Rheinufer nicht allzu zahlreichen Gutshöfe mit hervorragenden Gäſten beſetzt denken muß, iſt nichts glaublicher, als daß Kamba für jenen Tag zum Ver⸗ ſammlungsort der Freunde Berns beſtimmt war, von wo ſie ſich zur Wahl an den Königsſtuhl begaben, aber nichts nötigt uns es für den eigentlichen Wahlort zu halten. Wie jeder Volksſtamm ſeinen eigenen, vielleicht oft ziemlich weitausgedehnten Lagerplatz hatte, ſo wird auch jeder zu beſtimmter Zeit ſeinen Sammelplatz gehabt haben. Derjenige der Landsleute Berns war eben Kamba, der Ort, wo ihn damals etwa ſeine Freunde treffen, wo ihn ein Brief oder ein Bote erreichen konnte, aber nicht der Ort der Königs⸗ wahl. Hätte er ihn als ſolchen bezeichnen wollen, ſo hätte er ſich anders ausgedrückt.

Im Gegenteil, gerade aus den ſo merkwürdig klingenden Worten Wipos:über Namen und Lage des Orts genauer zu berichten, überlaſſe ich den Topographen läßt ſich ſchließen, daß die Wahl eben nicht an einem mit einem einzigen Ortsnamen näher zu be⸗ ſtimmenden Platze ſtattgehabt hat. Man merkt der Ausdrucksweiſe Wipos wohl an, daß er, der Ortsfremde, ſich erkundigt hat, warum die Wahl gerade an dem Orte, an den er ſich von Mainz aus zu begeben hatte, vollzogen wurde, und daß ihm die erklärende Antwort zu Teil wurde:er liegt auf der Grenze der beiden Gebiete, eine Antwort, die ihm damals vollſtändig genügte, da ſie ihm die Wahl gerade dieſer Stelle hinreichend erklärte. Ferner war kein Dorf, kein Weiler, kein Kamba in nächſter Nähe, er muß daher ſpäter, da er ſein Werk verfaßt, den Topographen überlaſſen den Ort näher zu beſtimmen, als er es mit den Wortenzwiſchen dem Gebiete gethan hat. Wäre ihm damals ein beſtimmter Ort, Kamba, bezeichnet worden, ſo wäre ſeine Ausdrucksweiſe allerdings unverſtändlich ſelbſt wenn er den Namen mittlerweile vergeſſen hätte, was doch ſchon um deswillen nicht anzunehmen iſt, weil dann nach dem Orte Kamba die Wahl auch noch in ſpäterer Zeit überall genannt worden wäre und ihm im Gedächtnis hätte bleiben müſſen oder er hätte Trebur als Wahlort angegeben, in deſſen Nähe Kamba lag. Wäre ihm das gegenüberliegende Oppenheim bezeichnet worden, ſo hätte er dieſen wohlbekannten Ort genannt. Da aber in Wirklichkeit die Wahl auf freiem Felde, auf einer Anhöhe, auf dem Königs⸗