Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

30

ſtuhle vollzogen wurde, iſt ſeine Ausdrucksweiſe, als die eines Orts⸗ fremden, vollſtändig erklärlich und genügend.

Mit ebenſoviel Worten, als Wipo braucht, um zu ſagen, daß er nichts ſage, hätte er uns alles ſagen können, was wir wiſſen wollen, bemerkt Riehl. Freilich hätte er das gekonnt, ſogar mit noch weniger Worten, wenn er es eben ſelbſt gewußt hätte, wenn ihm ein beſtimmter Ort, ein Dorf, eine Stadt als Ort der Wahl hätte angegeben werden können. Das war aber eben nicht der Fall.

Der Hauptgrund, der dazu geführt hat den Wahlort auf dem rechten Ufer zu ſuchen, iſt der, daß man irrtümlicherweiſe glaubte, die große Ebene, von der Wipo ſpricht, daſelbſt allein finden zu können. Die Hügelkette zwiſchen Mainz und Worms mit ihrem welligen Hinterlande ſchien ſchlecht mit Wipos Beſchreibung über⸗ einzuſtimmen.Zwiſchen dem Mainzer und Wormſer Gebiete iſt ein Platz von weiter Ausdehnung, welcher wegen ſeiner ebenen Lage eine ſehr große Menſchenmenge faßt und in Folge der Inſelverſtecke für geheime Beratungen ſicher und geeignet iſt.(Inter Moguntiae confinia et Wormatiae locus est amplitudine planitiei causa multitudinis maximae receptibilis, ex insularum recessu ad secretas res tractandas tutus et habilis.) Für den oberflächlichen Beſchauer der Karte, der die thatſächliche Bodenbeſchaffenheit jener Gegend nicht kennt, paßt dieſe Beſchreibung auf die Oppenheim gegenüber liegende Ebene ganz vorzüglich. Nun würden aber die Inſelverſtecke dem linken Ufer gerade ſo gut zu ſtatten kommen, wie dem rechten, falls man nicht überhaupt vorziehtex insularum recessu mit Bodmann zu überſetzen:wegen des Zurücktretens der Rheininſeln, weil von den Rheininſeln, die auch den Gegnern Verſtecke boten, entfernt, ſicher und geſchickt für geheime Beratungen; dazu paſſend, weil der Ort weit genug ablag von den für etwaige Überfälle geeigneten Inſeln. Wipo ſagt mit ausdrücklichen Worten, daß die Stelle, die er mit eigenen Augen geſehen, zwiſchen den beiderſeitigen Gebieten liegt, er bezeichnet damit ganz deutlich einen für ſich beſtehenden, abgeſchloſſenen, ebenen Platz an einem ganz beſtimmten Orte und nicht etwa ein beliebiges, unbegrenztes Stück der Rhein⸗ ebene zwiſchen Frankfurt und Mannheim. Nun findet ſich aber auf der Höhe von Lörzweiler, am Fuße des Königsſtuhls eine iſolierte Hochebene, die jede beliebige Menſchenmenge faßt, die auf der