Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

begonnen hatte, wenn ſie nicht ſogar ſchon ganz entſchieden war. Beide Konrade hatten eine geſchloſſene Partei für ſich, das Haupt derjenigen, die für den älteren Konrad arbeitete, war Aribo. Den älteren der beiden Vetter hatte Biſchof Burchard von Worms er⸗ zogen quasi adoptivum, und, zur Krone gelangt, iſt Konrad 1304 bemüht durch reiche Schenkung an das Wormſer Bistum für das Seelenheil ſeines ganzen Geſchlechtes zu ſorgen.

Nach einer Stelle in der Biographie Biſchof Burchards war der jüngere Konrad Beſitzer der Burg von Worms, die dem Ge⸗ ſchlechte, deſſen reiche Beſitzungen in Rheinfranken hier ihren Mittel⸗ punkt hatten, den Namen Herzoge von Worms eingebracht hatte. Was war natürlicher, als daß Aribo den Wahlakt an die Grenze beider Gebiete verlegte? Lag nicht hierin wenigſtens für zahlreiche Teilnehmer und vor allem für die beiden Hauptperſonen ein äußer⸗ liches Entgegenkommen, eine freundliche Rückſichtnahme? Wie ſollte Aribo darauf verfallen ſein das gegenüberliegende Sumpfland zu wählen, zu dem alle Verbindungen nur mit großer Schwierigkeit her⸗ zuſtellen waren? Man halte doch unſere Vorfahren nicht für ſo viel ungeſchickter, als wir es heutzutage zu ſein pflegen! Der naturgemäß gegebene Wahlort war, da die Stadt Mainz die Menge nicht faſſen konnte, wenn Aribo einer klugen Rückſichtnahme auf einen anſehnlichen und wichtigen Teil der Geladenen Raum gab, die Stelle an der Grenze beider Gebiete.

Auch noch ein anderer, bisher nicht beachteter Grund für ein gewiſſes Entgegenkommen der Mainzer Worms gegenüber liegt vor: fünfzig Jahre vorher war Worms die Wahlſtätte Ottos II. geweſen. Was war nun natürlicher, als daß, wenn diesmal die Wahl auf Mainzer Boden vorgenommen werden ſollte, ſie wenigſtens an die Wormſer Grenze gelegt werde? Wurde doch ebenſo in ſpäterer Zeit, als der Einfluß Kölns den von Mainz verdrängte, der neue Königsſtuhl, der von Rhenſe, offenbar aus derſelben Rück⸗ ſicht, auch an die Grenze der verſchiedenen Gebiete verlegt.

Auch die Thatſache, daß die Kaiſerwitwe Kunigunde die Reichskleinodien dem Neuerwählten überreichte, ſpricht für unſere An⸗ ſicht. Die Kaiſerin in Begleitung ihrer Frauen und Dienerinnen wird doch wohl von Mainz aus an den Wahlort gekommen ſein, da man ſich alle in der Nähe liegenden Wohnungen überfüllt