Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
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ſagenhaften Darſtellung(Breßlau 349) heißt: Et die quodam summo diluculo Moguntie inthronizatur. Wie käme die Sage zu ihrer ganz ungewöhnlichen Nachricht, daß die Wahl am früheſten Morgen vor ſich ging, wenn ſie hier nicht die Erinnerung an einen hiſtoriſchen Vorgang bewahrt hätte? Iſt auch summo diluculo für die eigentliche Wahlhandlung nicht ganz wörtlich zu nehmen, ſo mag doch mancher der bei der Wahl Beteiligten allerdings beim erſten Zwielicht aufgebrochen ſein, beſonders alle diejenigen, die aus Mainz kamen, und die Erinnerung an dieſen ungewöhnlich frühen Aufbruch hat ſich in der Sage fortgepflanzt, welche die Nebenumſtände, beſonders alle auffallenden, ſtets genauer berichtet, als die Hauptſache.

Aber nicht nur Ort und Zeit, auch die ganze Lage der politiſchen Verhältniſſe läßt allein die Wahl auf dem linken Rheinufer zu. Die Vorbereitungen zu derſelben lagen in den Händen des Reichskanzlers Aribo, Erzbiſchof von Mainz. H. Breßlau(Jahrbücher I, 18) ſagt darüber:Wipo unterläßt uns zu erzählen, wer die Verſammlung einberufen und ihr Ort und Zeit geſetzt hat(nur vermuten kann man, daß es der Erzbiſchof von Mainz geweſen iſt). Dazu berechtigt der hervorragende Anteil Aribos an der Wahlhandlung, der Umſtand, daß der Mainzer 1073 die Wähler zuſammenruft und das Zeugnis Ottos von Freiſing, daß diesab antiquioribus ſein Recht ſei, endlich die Erwägung, daß die Einladungsſchreiben, die ergangen ſein werden, doch am wahr⸗ ſcheinlichſten in der Reichskanzlei, deren oberſter Chef er war, aus⸗ geſtellt ſind. Wenn Wipo die Thätigkeit Aribos nicht ausdrück⸗ lich erwähnt, ſo unterläßt er dies als ſelbſtverſtändlich oder über⸗ flüſſig in einer Schrift, die, wie er ſelbſt ſagt, für das Volk geſchrieben wird. Den Vorwurfhiſtoriſchen Ungeſchicks hat er des⸗ halb nicht verdient. Auslaſſungen und diplomatiſche Ungenauigkeiten ſind in einer für das Volk beſtimmten Arbeit auch noch heutzutage leicht entſchuldigt. Wipo redet zwar von den Vorbereitungen zur Wahl, wenn er ſagt:Die Anſichten und Geſinnungen der einzelnen, wem jemand zuſtimmte, wem nicht, oder wen er ſich zum Herrn wünſchte, vermittelte die zweckmäßige Einrichtung von Briefen und Boten; gerade Aribos Thätigkeit eigens zu erwähnen lag, bei deſſen dem Leſer bekannten Stellung als Reichskanzler, keine Ver⸗ anlaſſung vor. Der maßgebende Einfluß des Mainzer Erzbiſchofs