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gebührlichſte vollzogen war, eröffnete der König den Zug, erzählt Wipo, und kehrte in würdevollem Schritt in ſeine Wohnung zurück. Sodann wurde er an der Tafel mit königlicher Pracht empfangen und verlebte jenen erſten Tag ſeiner königlichen Herrlich⸗ keit ganz nach Gebühr.“ Ausdrücklich redet alſo Wipo von dem erſten Tag der königlichen Herrlichkeit, den Konrad verlebte, und damit iſt die Annahme einer zweitägigen Krönungsfeier, die nur wieder neue Schwierigkeiten ſchaffen und überdies allem Herkommen widerſprechen würde, vollſtändig hinfällig.— So eilte auch Heinrich II. von Worms nach Mainz, woſelbſt er zum König gewählt und vom Erzbiſchof Willigis noch an demſelben Tage gekrönt wurde.
Aber auch noch ein weiterer, bisher überſehener Grund ſpricht dafür, daß die Wahl und die Krönung an demſelben Tage vollzogen wurden und daß die Zeit dazu ſehr knapp bemeſſen geweſen ſein muß. Wipo teilt uns folgende ſchöne Handlung Konrads mit: „Gerade während des Feſtzugs traten drei Perſonen zu ihm, jede mit beſonderen Klagen. Der eine war ein Bauer der Mainzer Kirche, der andere ein Mündel, die dritte eine Witwe. Als der König eben angefangen hatte ihre Sache anzuhören, ſuchten ihn einige von ſeinen Fürſten davon abzuziehen mit der Mahnung, er möchte doch keinen Verzug ſeiner Weihe verurſachen und bei Zeiten dem Gottesdienſte beiwohnen.“— Der König läßt ſich jedoch nicht irre machen in Erfüllung ſeiner Regentenpflichten und ſpricht zuvor Recht.„Das erſcheint als ein glücklicher Anfang der Regierung, ruft Wipo aus, wo man mehr eilt zu des Geſetzes Erfüllung, als zu der Königskrönung!“— Wie hätte nun Jemand, fragen wir, wagen dürfen den König zur Eile aufzufordern, wenn nicht die Zeit an jenem ereignisvollen Tage aufs äußerſte gedrängt hätte? Nur dadurch erſcheint das Eingreifen der beſorgten Ratgeber entſchuldigt und die edle Handlung des Neugewählten um ſo verdienſt⸗ voller. Hätte man ſich dieſen Hergang am zweiten Tage zu denken, als Zeit in Hülle und Fülle war, ſo fände er überhaupt kaum eine Erklärung. Wir möchten aber noch auf eine höchſt merkwürdige indirecte Beſtätigung unſerer Anſicht, daß die Wahl Konrads ſehr früh am Tage vollzogen worden ſein muß, Wahl und Krönung alſo auf einen Tag fielen, aufmerkſam machen, die wir in den Ann. Spirens. XVII. 83. finden, woſelbſt es in einer ſonſt gänzlich


