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eignet, wenn wir ſie etwa da ſuchen, wo die ſteinerne Straße eine kleine Steigung macht und heute noch ein hohes Crucifix, deſſen Sockel ein jetzt im Muſeum befindlicher römiſcher Grabſtein bildete, einen altgeweihten Ort bezeichnet. Hierhin führt vom Mechtildshäuſerhof ein direkter Weg, der an dieſer Stelle auf die ſteinerne Straße, die alte Römerſtraße, trifft, und ganz in der Nähe des Königsſtuhles fließt noch heute das Königsfloß. Für einen Ort, an dem ſich zeitweiſe viele Menſchen anſammelten, iſt dieſe Nähe eines kleinen Waſſerlaufs von nicht zu unterſchätzender Bedeutung. Weit höher aber ſchlagen wir noch den Wert der direkteſten Verbindung mit Kaſtel und Mainz durch die gepflaſterte und alſo zu jeder Zeit auch für eine größere Volksmenge gangbare Römerſtraße an. Sollte ſie vielleicht, ehe ſie im Mittelalter den Namen Eliſabethenſtraße erhielt, weil ſie die Pilger nach Marburg an das Grab der hl. Eliſabeth führte, als Zufuhrſtraße aus den Waldungen der obenerwähnte„Holzweg“ geweſen ſein? Dann würde das„super holzweg' deutlich auf die geforderte erhöhte Lage der Ortlichkeit hinweiſen, denn, wie wir oben ſahen, zog man eine natürliche Anhöhe jedem anderen Orte vor, und von hier oben umfaßt das Auge den ſchönſten Teil der Königshundert, von Hochheim, Kaſtel, Biebrich bis nach Schierſtein, den Rhein hinunter und über die ganze Kette des Taunus hin.
Möglicherweiſe war dieſe Stelle ſchon zu Römerzeiten von her⸗ vorragender Bedeutung. Unſere Vorfahren pflegten mit Zähigkeit an der Wahl altgeheiligter Orte feſtzuhalten. Es ſei daher geſtattet einer Vermutung Raum zu geben, die nach dem bisher Geſagten einigen Anſpruch auf Wahrſcheinlichkeit machen dürfte. Wir möchten nämlich die Stelle, an der ſich, unſerer Anſicht nach, einſt der Königsſtuhl befunden, auch als die Stätte annehmen, an der ſich gegen Ende des Jahres 374 ein bedeutſamer Vorgang abſpielte. Ammianus Marcellinus erzählt im 4. Capitel des 29. Buches ſeiner Geſchichte von einer Zuſammenkunft Kaiſer Valentinians mit Makrian, zu welcher dieſer mit zahlreicher Bedeckung am rechten Rheinufer, Mainz gegenüber, erſchien. Nach kurzer Unterhandlung ward der Frieden verabredet und feierlichſt beſchworen. Makrian hatte damals die Mattiaker von Haus und Hof verjagt und die ganze tauniſche Provinz in Beſitz genommen, er ſelbſt reſidierte in Wiesbaden. Hätte dieſe Zuſammenkunft in Kaſtel etwa oder in Biebrich ſtattgehabt, ſo würden


