—15 wo die häufigen Reichshandlungen, deren Geburtsort ſo viele alten Kroniker und Urkunden„apud Moguntiam“—„in suburbio Moguntie“ verlegen, zu Stande gekommen ſein mögen.— Letzterer Vermuthung vermögen wir, beiläufig geſagt, durchaus nicht zu⸗ zuſtimmen und möchten eher„in suburbio Moguntie“, in der Vor⸗ ſtadt von Mainz, vielleicht am„blauen Steine“ ſuchen.—
Wo hat nun einſt dieſer von der Erde vollſtändig ver⸗ ſchwundene Königsſtuhl geſtanden? Erhalten hat ſich nichts von ihm, kein Stein giebt mehr Kunde von ſeinem einſtigen Daſein. Nur aus einigen Andeutungen und den Verhältniſſen, die in der Natur der Sache liegen, läßt ſich mit einiger Wahrſcheinlichkeit ſeine Lage vermuten. Dieſen heute nicht mehr nachweisbaren Ort be⸗ ſtimmt nämlich das Lagerbuch des ehemaligen Kloſters Altenmünſter vom Jahre 1306: In campo dicto Vizervelt in quo curia dicta Mechtildisstuhle stat— super holzweg, prope Heilmannum, filium Frankonis.— Leider wiſſen wir nicht mehr, wo das Vizervelt war, noch wo die AÄcker Heilmann's lagen. Unter Vizervelt könnte das Kaſteler Feld verſtanden ſein, da heute noch der nach der Königshundert zu liegende Teil Kaſtels, der vicus novus der Römer die Witz heißt.(Vicus, Vic= Vitz wie blick= blitz, glucke= glutz im Niederrheiniſchen ꝛc.).— Im erſten Bande des Heſſ. Archivs Heft 3 findet ſich ein Notariatsinſtrument abge⸗ gedruckt über eine gerichtliche Verhandlung, die am 4. Mai 1506 am Mechtildisſtuhle ſtattfand, mit genauerer Bezeichnung ſeiner Lage. Es kamen zuſammen zu Pferde und zu Fuß Bevollmächtigte des Landgrafen Wilhelm von Heſſen, des Grafen Eberhard von König⸗ ſtein, als Herren von Eppſtein, einige Vertreter des Mainzer St. Stefansſtiftes, begleitet von einem Doktor der Rechte mit der dazu beſchiedenen Dorfgemeinde, um die Rechte von St. Stefan auf den Ort Koſtheim feſtzuſtellen. Dieſe Zuſammenkunft fand nun ſtatt: „uff dem freyen Felde zwuschen Hocheym obenwerts und Costeym, beyden Dorffern Mentzer Bistumbs, uff dem Main gelegen, unden zu an der gemeyn Malstatt des Lant- gerichts zu Mechtelnhausen.
So haben wir nun den geſuchten Punkt zwiſchen Hochheim oben, Koſtheim unten und dem Mechtildshäuſerhof, eine Stelle, die ſich als Stätte für den Königsſtuhl in ganz hervorragender Weiſe


