Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12²

germaniſche König empfing, das hatte er wie ein Erbgut(Waitz II 317), das in älteren Zeiten, wie ſeine Würde ſelbſt, dem ganzen Ge⸗ ſchlechte angehörte. Dies königliche Beſitztum beſteht zum großen Teile aus alten Staatsgütern, die mit der Eroberung an den König gefallen ſind. Man hat nachzuweiſen geſucht und für die Königs⸗ hundert in ihrer Lage Mainz gegenüber ſcheint das durchaus wahr⸗ ſcheinlich daß unter dem ſpäteren Königsgut ſich altrömiſches Scteaatsgut befunden habe.(Nach dem Mechtelnhäuſer Weistum von 1479 läuft die Grenze der Königshundertdie Waldoff usz bis an den Polgraben, den Polgraben usz bis gen Selbach d. h. ſie deckt ſich auf dieſer Seite mit der römiſchen Grenze.) So kam ausgedehnter Landbeſitz, über alle Teile des Reiches zerſtreut, in die Hände des Königs, der damit als Großgrundbeſitzer erſcheint. In welch enger Verbindung der Mainz gegenüberliegende Landſtrich mit dem Königsbeſitze geſtanden hat, dafür zeugen die jetzt noch darin erhaltenen Namen Königſtein, Könighof(bei Idſtein) Königs⸗ floß in der Kaſteler Gemarkung und Königsſtuhl. Zu Biebrich in der Königshundert ſtand die alte Königsburg, von wo ſich, nach den Fulder Annalen, Ludwig der Deutſche 874 nach Aachen einſchiffte, in Wiesbaden befand ſich eine Königspfalz, königliche Villen waren über den ganzen Gau zerſtreut, in Mosbach, Dotzheim, Schierſtein, Maſſenheim und Nordenſtadt werden ſie urkundlich erwähnt. In Koſtheim, das der Ort mehrerer Reichsverſammlungen war, befand ſich eine karolingiſche Münzſtätte und ein Palatium. Ebenſo geben uns einige Urkunden von ſehr hohem Alter Nachricht über die frühe Beſiedelung dieſes geſegneten Landes, das bereis zu einer Zeit der Kultur erſchloſſen war, als der Rheingau größtenteils noch wüſte lag. Während man in den ſchlechteſten Lagen der Königshundert ſeit dem 9. Ih. ſchon Reben pflanzte, in Orten, wo heutzutage kein Menſch mehr Wein keltert, lag ein großer Teil des Rüdesheimer Bergs, der ganze Johannisberg und der Steinberg noch unbebaut bis ins 11. und 12. Ih. Erſt mit dem Ausgang des 10. Ihs. wird das Verhältniß des Rheingaus zur Königshundert anders: der Rheingau bleibt ein ſelbſtändiges Ganzes unter der Landeshoheit des Erzſtiftes Mainz, die Königshundert wird zerſtückelt zwiſchen den Grafen von Naſſau und den Dynaſten von Eppſtein. Die Rhein⸗ gauer gewinnen nahezu ſtädtebürgerliche Rechte durch ihre enge Ver⸗