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Landdinge zu Lützelau(auf der Rheinau bei Winkel)„sollent syn ein Vitztum, alle Schulteyssen und Scheffen in dem Ryngkauwe und ein Walpode, der sal han zween wisse Hentschuwe, und sal treten mit sym rechten Fuss uff den Steyn, der da steet zu Lutzilnauwe, obewendig des rechten Kornwegs von myns Herrn wegen von Mentze, und sal uffwerffen der Hentschue eynen und sal spreehen——“. In Worms ſtand der ſchwarze Stein, zu Mainz(wie zu Köln) der blaue Stein, der erſt zur Zeit der franzöſiſchen Revolution der Zerſtörung anheimfiel. Sehen wir ſo Steine eine bedeutende Rolle als Gerichtsſtätten ſpielen, ſo ſei die Vermutung hier ausgeſprochen, daß Überreſte von Römerbauten dabei beſonders bevorzugt wurden. Ein Hochgericht findet z. B. ſtatt„auf dem Weißelvelt bei dem Heidenhaus“(Lamprecht, Wirt⸗ ſchaftsleben I. 237). Dieſes Heidenhaus liegt bei der Militärſtation Belginum zwiſchen Kirchberg und Neumagen an der Römerſtraße von Mainz nach Trier.—
Da die um den Stein ſtehende Menge naturgemäß einen Kreis ſchließt, heißt die Verſammlung auch der Ring, daher die Bezeichnung„ringlich und dinglich“. Gegen den Andrang der Menge mußte, wenn nicht durch ſonſtige Steine oder Bäume der Umfang geſichert war, eine beſondere Hegung vorgenommen werden. Die erſte Frage des Richters an die verſammelten Schöffen war, ob es an der gebührlichen Tageszeit ſei das Gericht zu hegen oder, wie es in einer Urkunde von 1440 formelhaft heißt„ob es an Jahr und Tag, an Weil und Zeit ſei“. Ohne vorhergängige Erlaub⸗ nis im Gerichte zu reden war verboten. Böſe, verkorne Worte waren mit Strafe bedroht. Die Eröffnung fand in der Frühe ſtatt „nach dem die Sonne ſteiget, bei klimmender Sonne“, ja es wurde darauf geſehen, daß Richter und Urteiler noch bei Tag heimkehren konnten. Das Verhalten des Richters ſchildert eine alte ſoeſtiſche Gerichtsordnung in origineller Weiſe: es ſolle der Richter auf ſeinem Richterſtuhl ſitzen als ein grisgremmender Löwe, den rechten Fuß über den linken ſchlagen, und wenn er aus der Sache nicht recht könne urteilen, ſolle er ſie 1, 2, 3mal überlegen.— Von dem Geräte, das zur feierlichen Beſetzung des alten Gerichtes ge⸗ hörte, wiſſen wir nur wenig. Die feierliche Spannung der Ge⸗ richtsbank beſtand darin, daß eiſerne Handſchuhe, Richtſchwert,
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