Aufsatz 
Die Königsstühle bei Mainz und die Wahl Konrads II / von Bernhard Schädel
Entstehung
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tums verlangte zur Gerichtshaltung auch ſchon um deswillen heilige Orter, weil daſelbſt außer den Opfern auch Gottesurteile vorge⸗ nommem wurden, ſogar im Königsgerichte. Der Mainzer Burggraf Erkanbald, ein gewaltthätiger Herr, ließ den ſtädtiſchen Schultheißen, einen reichen, hochbejahrten Mann, vor des Kaiſers Gericht die Waſſerprobe beſtehen(apud imperatorem falsa illum accusatione pulsavit, donec homo dives et grandaevus ipse, in aquam miserabiliter missus, Dei iudicio iniectum crimen Domino auxiliante purgavit. Breszlau, Konrad II., I 326). Wenn auch Opfer und Gottes⸗ urteile allmählich ſchwanden, die alten Gerichtsſtätten blieben un⸗ geſtört. Gerade in unſerer Gegend lagen ſie beſonders häufig auf Anhöhen, oft heißt es bloß auf dem Berg. Das Gerauer, Er⸗ felder, Jugenheimer, Pfungſtädter, Oberramſtädter Weistum reden von Bergſchöffen, von gebieten laſſen auf den Berg. Als ſonſtige Gerichtsſtätten werden erwähnt einzelne Bäume, beſonders Eichen und Linden, Auen und Wieſen, ein Quell, eine Brücke, Steinſtaffeln vor den Burgthoren,(circa gradus, daher die Bezeichnung Gradgericht, Staffelgericht) dann aber auch große Steine. In altnordiſchen Schriften werden ſchon Wahlſteine erwähnt. Von Steinen reden die verſchiedenſten Weistümer:zu Lonnich an die drie Steine,vor dem Bilſteine under Ameneburg(Wenck II. 404). Das Hirzenacher Weistum ſagt:wer den obirſten Stein inne hat, wie ſich das nach Rechten gebürt, den erkent man für den obirſten Schirmherrn. Auf einem großen flachen Stein ſaß das Gericht zu Oer. Der Richter zu Lützelnau ſteht auf dem Steinund ſal treten mit ſym rechten Fuß uff den Steyn(Bodmann 617). Beſonders hier am Rhein finden wir die alten Dingſtätten faſt durchgehends bei gewiſſen Steinen gehegt, die nach Geſtalt oder Farbe bald longi⸗ lapides, bald der ſchwarze oder der blaue Stein genannt werden. In einer Urkunde von 1274 wird der lange Stein bei Wörrſtadt erwähnt bei Gelegenheit eines ſchiedsrichterlichen Spruches zwiſchen Rheingraf Sifrid und Wulfram von Lewenſteinin campo apud longum lapidem quod landding dicitur.(Im Jahre 1801 wurde dieſer lange Stein für das Grabdenkmal eines alten Helden angeſehen.) Nach dem Alzeyer Weistum aus dem 14. Jahrhundert werdenfünfzehenthalb Graveſchaften uff dem Stein zu Alzey ver⸗ liehen, auch die Martinszinſen wurden dort überantwortet. Bei dem