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Der Konfirmanden-Unterricht hängt in seiner Gestaltung ab von dem Sinne und der Bedeutung der kirchlichen Handlung, auf die er vorbereiten soll, der Konfirmation. Nach der bei uns üblichen Form mit den drei Fragen ist die Konfirmation die Ablegung eines Bekenntnisses zum Christentum und Anerkennung der kirchlichen Lehre, sowie ein Gelöbnis zu christlichem und kirchlichem Leben. Diese Auf- fassung und Form der Konfirmation muss ich in Übereinstimmung mit vielen anderen verwerfen. Diese Kinder, die konfirmiert werden, können noch kein volles religiös- christliches Leben, noch kein volles Verständnis für die christliche Wahrheit und für die Tragweite des Versprechens, das sie leisten, haben. Sie geben die Erklärung nicht ab aus freiem Antrieb— wodurch sie allein Wert bekommen könnte— sondern unter dem Zwange der Sitte. Sie ist für die allermeisten auch nur eine leere Form, die weder sie noch ihre Eltern ernst nehmen; das zeigt ja die Unkirchlichkeit der meisten Konfirmierten, wenigstens in den grossen Städten. Angesichts dieser Sachlage kann ich es— ich muss es offen sagen— nicht begreifen, dass nicht alle, die es mit unserer Kirche ernst meinen und Wahrhaftigkeit im kirchlichen Leben wünschen, eine Anderung dieser Praxis mit aller Entschiedenheit verlangen und anstreben. Können sie Prof. Lipps-München widersprechen, wenn er in seinem Vortrage über„Religion und Zwang“ von der Konfirmation sagt:„Hier wird zur Lüge gezwungen, und lügenhafte Menschen werden ins Dasein gerufen; schliesslich vielleicht lügenhafte Menschen fürs ganze Leben. Und dies nennt man religiöse Erziehung.“? Gewiss, gerade die Konfirmation erfreut sich einer hohen Wertschätzung im Volke als kirchliche Weihe für den UÜbergang in die Jünglingszeit. Wir wollen sie festhalten, aber ihr eine Bedeutung und Form geben, die den tatsächlichen Verhältnissen besser entspricht und der kindlichen Unreife Rechnung trägt. Sie ist die Aufnahme der jugendlichen Christen in die Gemeinde der Selbständigen und ihre Übernahme in die Erziehung der Kirche und ihrer Organe. Sie gelten jetzt nach ihrer geistigen Entwicklung als reif dafür, dass sie sich mit einer gewissen Selbständigkeit am kirchlichen Leben beteiligen(Teilnahme an der Abendmahls- feier) und dass sie durch die kirchliche Gemeinschaft erzogen werden können. Sie sind noch keine mündigen Christen, nein, sie sind— das muss ihnen zum Bewusstsein gebracht werden— noch recht unmündig und unfertig in ihrem sittlich-religiösen Leben, aber sie sollen jetzt allmählich hineinwachsen in die Selbständigkeit durch die Teilnahme am kirchlichen Leben. Die Konfirmation ist also eine Handlung der christlichen. Gemeinde; diese nimmt ihre jugendlichen Glieder in die Gemeinschaft ihres gottesdienst- lichen Lebens auf, wie sie sie durch die Taufe in die Christengemeinde aufgenommen hat. So folgt dem Wesen der Volkskirche entsprechend die Konfirmation ganz natürlich und selbstverständlich auf die Taufe; sie ist keine Handlung selbständiger Ent- scheidung von seiten der Konfirmanden: diese werden hier ebensowenig um ihre Willensentscheidung gefragt, wie es bei der Taufe geschehen ist. Zu einem frei- willigen Bekenntnis zu Christentum und Kirche bietet das spätere Leben ihnen Gelegenheit genug. So ist vor allem das Bekenntnis und Gelübde bei der Konfirmation zu beseitigen; sie ist vielmehr als einfache und schlichte, aber eindrucks- und stimmungsvolle Feier der Aufnahme in die gottesdienstliche Gemeinde zu gestalten. Wenn das geschieht, dann wirkt es vielleicht auch reinigend und vertiefend auf die häusliche Konfirmations-


