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feier und hilft mit zu der Beseitigung des verflachenden, geräuschvollen Treibens, das dabei vielfach herrscht.
Dieser Bedeutung und Form der Konfirmation entspricht dann auch die Gestaltung des Konfirmanden-Unterrichts. Bei der bisherigen Praxis hatte er eigentlich die Aufgabe, die Konfirmanden zu einer bestimmten religiösen Reife zu bringen, sie zu Bekenntnis und Gelübde willig und fähig zu machen. Das kann aber kein Unterricht. leisten; so musste man sich damit begnügen, sie zum Verständnis und zur Annahme der kirchlichen Lehren zu führen. So war der Konfirmanden-Unterricht im wesentlichen dasselbe wie der Religionsunterricht der Schule, der Unter- schied lag nur in den Personen, die ihn erteilten, eine Scheidung im Stoffe wurde ver- geblich versucht. Und doch machen schon die äusseren Verhältnisse beim Konfirmanden- Unterricht— die grosse Verschiedenartigkeit der Konfirmanden nach Vorbildung und geistigem Verständnis— einen geordneten Unterricht nach pädagogischen Regeln unmöglich. Dagegen bei der Auffassung der Konfirmation, wie ich sie oben befürwortet habe, hat der Konfirmanden-Unterricht— ich würde ihn lieber überhaupt nicht Unterricht, sondern Konfirmanden-Vorbereitung nennen— die Aufgabe, die jugendlichen Christen für das kirchliche Leben zu gewinnen, also in dessen Wesen und Bedeutung und seine verschiedenen Betätigungen einzuführen, dazu dauernde persönliche innere Beziehungen zwischen dem Pfarrer und den jungen Gemeindegliedern zu knüpfen. Diese Konfirmanden-Unterweisung hat einen ganz anderen Charakter als der Religiousunterricht der Schule, sie hat einen ausgesprochen persönlich-seelsorgerischen Charakter. Aber sicherlich ist sie von der allergrössten Bedeutung für die religiöse Erziehung, ja für den Neuaufbau des kirchlichen Lebens. Nichts ist uns not- wendiger in unserem kirchlichen Leben als lebendige Gemeinden, als wahres, tiefes Interesse für die Kirche und ihre Wirksamkeit. Der beste Weg dazu ist, die jugendlichen Seelen für die Kirche zu gewinnen: das ist vor allem die Aufgabe des Konfirmanden-Unterrichts und der Konfirmation.
In dieser Aufgabe, die Jugend für die Kirche zu gewinnen, kann auch die Schule den Konfirmanden-Unterricht unterstützen, aber nicht, wie das neuerdings vorgeschlagen worden ist, durch eine Verkirchlichung des Religionsunterrichts, durch stärkere äussere
Bindung des Religionslehrers an Kirche und kirchliches Bekenntnis— wovon schon oben die Rede war—, auch nicht durch besondere äussere Veranstaltungen, wie gemein-
samen Kirchgang und gemeinsame Abendmahlsfeier der Lehrer und Schüler — solche Einrichtungen können mehr schaden als nützen, schon durch den Zwang, der
dabei ausgeübt wird— sondern vor allem dadurch, dass die Lehrer, insbesondere die Religionslehrer,lebendige Glieder der kirchlichen Gemeinde sind, und dass zwischen Kirche und Schule ein Verhältnis gegenseitigen Vertrauens, 2wischen Pfarrern und Religionslehrern eine lebendige Fühlung her rscht. Sehr berechtigt ist auch die Forderung, dass die Religionslehrer den kirchlichen Ver waltungskörper- schaften(Presbyterien, Synoden) angehören bezw. darin ebenso wie die Geistlichen ihre besondere Vertretung haben. All dieses würde ganz von selbst auch günstig wirken inbezug auf die Gewinnung der Jugend für die Kirche. Aber natürlich ist auch hier am wichtigsten und entscheidendsten der Einfluss des Hauses, das Vorbild der Eltern.


