Aufsatz 
Über religiöse Erziehung / von Heinrich Sandrock
Entstehung
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15 und wir haben treffliche Vorbilder solcher Katechismusbehandlung, z. B. von Dörries und Eger aber ohne Zweifel ist der Katechismusunterricht der schwerste Teil des Religionsunterrichts, wie das auch Eger in seinerEvangel. Jugendlehre erklärt, und die schweren Klagen weiter Kreise gegen den Religionsunterricht beziehen sich zum grossen Teil gerade auf den Katechismusunterricht. Gerade hier ist der Reli- gionsunterricht vielfach zu einer trockenen Verstandesübung und noch mehr zu einer ziemlich mechanischen Spielerei mit unverstandenen, dem kindlichen Geiste und Gemüte fernliegenden Begriffen und Sätzen geworden, wodurch unendlicher Schaden angerichtet worden ist. So bin ich schon um dieser Gefahr willen gegen einen solchen zusammen- hängenden Katechismusunterricht als allgemeine Forderung; ich möchte den Miss- brauch, der mit dem Katechismus Luthers soviel getrieben wivrd, beseitigt wissen. Luther hat seinen Katechismus nicht als Schulbuch geschrieben, sondern als Hausbuch zur Einführung in das Verständnis des Christentums, als rechte Laienbibel. Veranlasst durch die religiös-kirchlichen Notstände sollte der Katechismus ein Notbehelf sein bei den grossen Mängeln religiöser Unterweisung. Heute haben wir aber doch reich- liche Mittel und Gelegenheiten religiöser Unterweisung. Luther hat allerdings in seiner religiösen Genialität auch mit diesem Büchlein etwas Grosses und Einzig- artiges geschaffen, wie er es auch selbst immer besonders hochgeschätzt hat: Es ist, wenigstens in den drei ersten Hauptstücken, ein herrliches Zeugnis des Glaubens Luthers und seiner tiefsinnigen Auffassung des Christenlebens, es ist, noch immer das klassische Zeugnis evangelischen Glaubens. Aber bei dem im Katechismusunterricht üblichen Zergliedern und Erklären, sowie dem zum Teil sehr mühevollen Auswendiglernen und Einprägen kommt dieser hohe Wert nicht zur Geltung; vielmehr wird dadurch der Katechismus gar manchem für alle Lebenszeit verleidet. So soll er im Zusammenhang mit dem Leben Luthers und seinem Reformations- werke in kurzer, eindrucksvoller Behandlung gewürdigt werden. Nur für das erste Hauptstück wäre vielleicht eine ausführlichere Behandlung zu empfehlen, indem man es einer besonderen sittlichen Unterweisung zu Grunde legt: diese muss aber ganz praktisch gerichtet und dem Interessen- und Erfahrungskreis der Jugend angepasst sein; so wird sie in manchem andere Wege gehen müssen, als die Erklärungen Luthers, auch manches Fehlende ergänzend hinzufügen müssen, besonders mit Heranziehung der Berg- predigt. Diese Behandlung könnte als Abschluss des Religionsunterrichts der Volksschule und der Mittelstufe der höheren Schulen eintreten. Aber ich möchte auch dazu den Religionslehrer nicht lehrplanmässig verpflichten: wenn es einem nichtliegt, dann soll er es lieber lassen; sonst schadet es vielleicht mehr, als es nützt.

Von grösster Bedeutung ist natürlich die Person des Religionslehrers. Mehr als bei irgend einem anderen Unterricht gilt es hier, dass nur der Lehrer guten Unterricht erteilen kann, der es mit innerlichem Verständnis und persönlichem, lebendigem Interesse für seinen Gegenstand, hier also die Religion, tun kann. Ein sog. objektiver Religionsunterricht ist, wenn man darunter das Fehlen einer persönlichen inneren Beteili- gung versteht, unmöglich. Wenn aber der Religionslehrer selbst eine Persönlichkeit von starkem religiösen Leben, ein wahrer Christ ist, so kommt durch ihn der Zögling mit lebendiger Religion in unmittelbare Berührung. Das ist natürlich eine ausserordentlich günstige Lage für die Entwicklung der Religion in ihm. Aber es gibt dafür, dass nur