Aufsatz 
Das Bedürfnis nach Schulärzten für die höheren Lehranstalten
Entstehung
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Neuerdings hat man in dieſer Beziehung durch Einrichtung von Krankenträgerkurſen für den Kriegsfall, an denen die Schüler der oberen Klaſſen ſich beteiligen, Gelegenheit zur Erlangung ſolcher Kennt⸗ niſſe gegeben, und es bedürfte nur der zeitweiligen Teilnahme einiger jüngeren Lehrer, um hier das allernötigſte Wiſſen zu erwerben.

Schließlich ſollte der Lehrer einen Überblick über die Symptome der am häufigſten bei Schülern auftretenden anſteckenden Krankheiten haben, um vielleicht raſch dem Unſichgreifen einer ſolchen dadurch ein Ende zu bereiten, daß der in Betracht kommende Schüler mit Hülfe des Schularztes(vgl. über deſſen Funktionen im folgenden) aus der Schule ſo lange ferngehalten wird, bis er wieder nach Ausſage des letzteren oder des Hausarztes geſund und den Mitſchülern nicht mehr gefährlich iſt. Eine wichtige Aufgabe des Lehrers dürfte es ſelbſtverſtändlich dabei vor allem ſein, dem Schularzte die in Be⸗ tracht kommenden Schüler namhaft zu machen.

IV. Das Verhältnis des Schularztes zum Tehrkörper und zum Hausarzte.

Die früheren weitgehenden, an ſich recht gut gemeinten Forderungen, die man in geſundheitlicher Beziehung geſtellt hatte, insbeſondere diejenige einer diktatoriſchen Gewalt, wie ſie Prof. Dr. Hermann Cohn für die Schulärzte beanſpruchte, haben beſonders in Lehrerkreiſen eine Antipathie gegen jegliche Einmiſchung eines Arztes in Schulangelegenheiten erzeugt, die noch heute keineswegs überwunden iſt. Dazu kommt noch, daß es im veſſentlichen zuerſt Ärzte waren, von denen eine ſolche Mitwirkung in ſchulgeſundheitlichen Fragen angeregt wurde; aber dies geſchah aus ganz natürlichen Gründen. Die Hygiene im allgemeinen, der vor noch nicht allzulanger Zeit kaum ein gebührender Platz angewieſen wurde, iſt durch ihre großen Fortſchritte heute Lehrgegenſtand jeder Univerſität und für den Arzt zum Prüfungsgegenſtand erhoben worden ¹⁶). Dieſe Wiſſenſchaft verzweigt ſich nun wieder in mehrere Spezialgebiete, und es iſt ganz natürlich, daß, geſtützt auf die Ergebniſſe der neueren Zeit, eine Menge von Medizinern ſich mehr und mehr mit dem beſonders wichtigen Kapitel der Schulhygiene beſchäftigten, wobei ſie Mißſtände antrafen, die einer Abhülfe bedurften. Anſtatt nun langſam und mit Mäßigung vorzugehen und das weniger Dringende einſtweilen noch hintanzuſetzen, verlangten einige der heißblütigſten Hygieniker geradezu umwälzende Neuerungen, die, wie ſchon erwähnt, bei der Lehrerſchaft heftige Erbitterung erzeugten und in Verwaltungskreiſen, wo dieſe Vorſchläge auch auf ihren Koſten⸗ punkt hin einer Prüfung unterzogen wurden, wegen ihrer Undurchführbarkeit wenig Entgegenkommen fanden.

Der Lehrer betrachtet den Schularzt aber nicht allein als den Eindringling in ſeinen Wirkungskreis, ſondern erblickt in ihm einen Vorgeſetzten. Die Praxis hat nun gelehrt, daß

¹6) Auch über Schulhygiene werden an verſchiedenen Hochſchulen Vorleſungen gehalten.