III. Die hugieniſche Ausbildung des Tehrerſtandes.
Eines der wichtigſten Erforderniſſe zur Aufrechterhaltung guter geſundheitlicher Verhältniſſe in den Schulen liegt in einer tüchtigen hygieniſchen Ausbildung der Lehrerſchaft, und die Vorkehrungen, wie ſie zur Zeit ſowohl für das Volksſchulweſen als auch für die höheren Lehranſtalten in dieſer Hinſicht getroffen ſind, entſprechen nach Anſicht der berufenſten Schulhygieniker noch lange nicht den Bedürfniſſen.
Es geſchieht immerhin hie und da manches zur Beſſerung; ſo werden in den württembergiſchen Lehrerſeminarien nicht nur hygieniſche Unterrichtskurſe durch Ärzte abgehalten, ſondern die Schulgeſundheitspflege iſt auch bei der Schlußprüfung Prüfungsgegenſtand ¹²). Auch an den heſſiſchen Lehrerſeminarien zu Friedberg und Bensheim ſind ſeitens des Kreisarztes ſolche Kurſe ſeit kurzer Zeit eingerichtet; außerdem weiſen die mit Oſtern l. J. in Preußen neu in Kraft tretenden Lehrpläne für die Heranbildung der Volksſchullehrer der Schulhygiene eine gebührende Stellung an ¹³).
Die höheren Lehranſtalten ſtehen den Volksſchulen keineswegs nach, indeſſen fällt bei dem akademiſch gebildeten Lehrer die ganze obligatoriſche Ausbildung in der Schulgeſundheitspflege im günſtigſten Falle in das erſte Probejahr nach dem Staatsexamen, wo er einem der pädagogiſchen Seminarien zu⸗ gewieſen wird. Dort machen ihn Referate über die wichtigſten ſchulhygieniſchen Werke und Unterweiſung durch den jeweiligen Seminarleiter einigermaßen mit den Grundlagen der Schulgeſundheitspflege bekannt. Nun geſchieht es ſehr oft bei eintretendem Lehrermangel, daß die Acceſſiſten ſchon während ihrer Seminarzeit zu Vertretungen oder proviſoriſchen Verwendungen an andern Anſtalten herangezogen werden müſſen, was gewöhnlich ihrer theoretiſchen Ausbildung mit einem Male ein plötzliches Ende bereitet. Sie treten den praktiſchen Fragen des Unterrichtes näher, haben mit Vorbereitungen für denſelben hinlänglich an⸗ fangs ihre freie Zeit auszufüllen, und wer ſich nicht beſonders für ſchulhygieniſche Fragen intereſſiert, wird ſich kaum jemals wieder mit ihnen befaſſen.
Wo ſoll nun für den akademiſch gebildeten Lehrer die hygieniſche Vorbildung ihren Anfang nehmen? Zweifellos iſt die Univerſität die geeignetſte Stätte hierfür ¹14). Dort muß hygieniſcher Unterricht von einem erfahrenen Fachmanne erteilt und zum Prüfungsgegenſtand erhoben werden. Nur dann wird der Lehramtskandidat ſich die Mühe nehmen, in ihr Studium einzudringen; nur wenn die Uni⸗ verſität eine gehörige Unterlage geſchaffen, wenn ſie das Intereſſe für ſchulhygieniſche Fragen geweckt hat, kann die Belehrung im pädagogiſchen Seminar, wie ſie heute ſtattfindet, den beabſichtigten Erfolg haben. Jetzt erſt darf man hoffen, daß mehr Zeit für das Selbſtſtudium der Hygiene verwandt wird, als dies bisher geſchah. Der junge Lehrer wird alles mit ganz anderen Augen anſehen; er wird leichter ſelbſt
¹²) Vgl. H. Schiller: Die Schularztfrage. Berlin 1899. pag. 15.
¹6) Noch in einer ganzen Anzahl von Ländern, wie Sachſen⸗Meiningen, Öſterreich, Ungarn, Frank⸗ reich ꝛc. ꝛc., wird für die hygieniſche Vorbildung der Lehrer geſorgt(vgl. Schiller, Die Schularztfrage, pag. 53). Auch die beiden Kammern der Landſtände des Großherzogtums Heſſen haben den Beſchluß gefaßt, die Großh. Regierung zu erſuchen, eine gründliche Ausbildung des Lehrerperſonals in der Schulhygiene anzuordnen.(Vgl. Korreſpondenz⸗ blatt der ärztl. Vereine d. Großh. Heſſen, Jahrg. XII, 1902, pag. 3.)
¹⁴) Vgl. H. Schiller: Die Schularztfrage, pag. 54.


