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Es trat nun auf längere Zeit Stillstand ein. Man glaubte, dass durch Lamarck das Mögliche geleistet sei und verlegte sich mehr auf das Studium der Arten, wozu die in der langen Friedenszeit nach 1815 immer häufiger werdenden grösseren Reisen reichliches Material lieferten; es erschienen jene Prachtwerke, theils einzelne Reisen, theils eine möglichst voll- ständige Aufzählung, Beschreibung und Abbildung der Species betreffend, Werke kostbar an innerem, leider aber auch an äusserem Werthe. Aber die Pause waur Windstille vor dem Sturme! denn eine spätere, noch nicht abgeschlossene Zeit sollte eine so ungeheuerliche Frucht- barkeit in Errichtung neuer Gattungen erzeugen, dass das Lamarck'sche System hinsichtlich der Einfachheit wie eine Lesefibel neben jene Arbeiten gestellt werden könnte.
Eine wesentliche und fast durchweg wohlbegründete Erweiterung erfuhren die Gattungen Lamarck's durch Deshayes in der zweiten Auflage der„Histoire naturelle“. Ferner hat Deshayes seine Forschungen in dieser Beziehung niedergelegt in:„Traité élémeitaire de Con- chyliologie“ 1839 etc.,„Journal de Conchyliologie“ von Petit(später Fischer und Bernardi), „Proceedings of the zoological Society of London,“„Revue zoologique par la Société Cu- vierienne,“„Guérin, Magasin de zoologie.“—
Zu den mässigen, aber durchaus nicht glücklichen Verbesserern Lamarck's gehörte der thätige, doch nicht immer gleich gründliche Verfasser der„Paléontologie française“, Alcide d'Orbigny, der seine uns hier betreffenden Forschungen in den umfangreichen und kost- baren Werken„Voyage dans l'Amérique méridionale executé pendant les années 1826— 33“ Paris 1835— 43,—„Histoire naturelle des Iles Canaries“, 1836— 44—„Ramon de la Sagra, Histoire phys. etc. de l'ile de Cube“, Mollusques T. I. 1841— niedergelegt hat. Schon die Eintheilung der Acephala in Orthoconchae und Pleuroconchae ist nicht glücklich, da sie sich nicht gleichmässig durchführen lässt. Weniger noch ist die weitere Division der erst- genannten Ordnung in Sinupalleales und Integropalleales zu halten, weil sehr nahe stehende Gattungen, ja selbst Sectionen derselben Gattung hinsichtlich der Mantelbucht alle möglichen Grade durchlaufen. In Bezug auf neue Gattungen hat sich d'Orbigny sehr be- schränkt; für unseren vorliegenden Zweck ist hervorzuheben, dass er die bis dahin publicirten Genera— auch die unbekannteren, z. B. von Schumacher, Mäühlfeldt, Turton(„New and classical arrangement of the Bivalve Shells of the Brit. Islands“ 1822,„Conchylia dithyra insularum Britannicarum“ 1822), zum Theil aufgenommen und durch Species belegt hat.
Ausgezeichnete Beobachtungen, theils zur Begründung der vorhandenen, theils auch zur Aufstellung neuer Genera verdanken wir unserem Landsmanne, dem nun in Chile weilenden Professor Dr. R. A. Philippi; dieselben finden sich in:„Enumeratio molluscorum Siciliae“ I. 1836. II. 1844, im„Archiv für Naturgeschichte“ von Wiegmann(jetzt Troschel), und in der„Zeitschrift für Malakozoologie“ von Menke und Pfeiffer.
Weniger glücklich war der gelehrte Agassiz hinsichtlich des richtigen Blickes für
neue Gattungen, was augenscheinlich daher rührte, dass er seinen Studien fossile Arten zu 1*


