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burg in einen Aſchenhaufen und in ein ungeheures Leichenfeld verwandelten o). Auch der bedeutendſte Geſchichtſchreiber der Gegenwart gibt die Wahrſcheinlichkeit der angeführten Thatſache zu, wenn er ſchreibt:„Sehr wahrſcheinlich, daß zu dem Brande von Mag⸗ deburg von dem militäriſchen Befehlshaber, einem Deutſchen in ſchwediſchem Dienſte, und ſelbſt von den entſchiedenen Mitgliedern des Rathes eine eventuelle Veranſtaltung im voraus getroffen waru).“
Somit wäre alſo Tilly von einer ruchloſen That, die einen dunklen Schatten auf ſeinen Charakter werfen würde, frei zu ſprechen, und in hellerem Lichte erglänzte uns der Name dieſes ſtrengen pflicht⸗ getreuen Feldherrn. Er ſelbſt empfand die Einäſcherung der Stadt und Feſtung als einen ſchweren Schlag, der ihn um die Früchte ſeines Sieges betrügen ſollte. Als das Werk einer„hölliſchen Bosheit, hölliſchen Neides und Malice“ bezeichnete er die Zerſtörung, während die Bewohner ſie„einen Act kriegeriſcher Pflicht, deutſche Conſtantia, die That eines Lobes“ nannten. Von dieſer Zeit an ſoll der General ſehr niedergeſchlagen und traurig geweſen ſein; ein Hiſtoriker vergleicht ihn mit Titus nach der Zerſtörung von Jeruſalem. Aber trotzdem verlor er den Kopf nicht in dieſer düſteren Stimmung, traf vielmehr die nöthigen Maßregeln, den Krieg fortzuſetzen und vereitelte ſomit die Möglichkeit, den Frieden herzuſtellen. Männlich und muthig ertrug er den ſchweren Schlag; feſt und ſicher iſt noch immer ſeine Sprache in den Manifeſten, die er erließ. Ja man möchte faſt ſagen, durch den großen Widerſtand, den er gefunden, in der bedrängten Lage, in der er ſich mit der Armee befand, täglich den Heranzug ſeines nordiſchen Gegners erwartend, wuchs ihm der Muth noch mehr. Mit einer ſtaunenswerthen Zähigkeit, wie ſie nur der bigotteſte Katholik, der eifrigſte Inquiſitor haben konnte, hielt er feſt an dem Reſtitutionsedict und trat für ſeine unumſchränkte Durchführung ein.
Aber warum zog nun Tilly nicht weiter nach Norden, wandte ſich vielmehr ſüdlich nach Heſſen und Thuͤringen? Vielfacher Tadel hat ihn deshalb getroffen. Wenn man aber erwägt, wie öde und verwüſtet die Länder waren, die er auf ſeinem Marſche berühren mußte, ohne den nöthigen Unterhalt zu finden, bedenkt, daß Magdeburg durch die Kataſtrophe ein„leeres Neſt und offner Platz“ war, der keinen Schutz bieten konnte, bedenkt, daß der Kurfürſt von Sachſen, bisher noch neutral, ihn alſo, im Falle ſeines Vorwärtsdringens durch ſein Land, im Rücken angreifen konnte, ſo erſcheint uns jene Retirade durchaus nicht als Fehler, vielmehr als Zeichen ſeiner Beſonnenheit. Seine Langſamkeit war abhängig von den gegebenen Verhältniſſen, von den feindlichen Gefahren, die ihn von allen Seiten umgaben. In Mühlhauſen in Thüringen treffen ihn die Geſandten von Kurſachſen, um mit ihm zu unterhandeln. Aber auch hier zeigt Tilly wieder ſeine rigoröſe Geſinnung:„Früher hatten die Proteſtanten dem Kaiſer und den Katholiken vorgeſchrieben, was ſie thun oder laſſen ſollten,“ ſagt er,„jetzt habe ſich aber die Sache geändert.“ Uud als ſich die Geſandten auf den Religionsfrieden beriefen, ſoll Tilly geantwortet haben:„Derſelbe ſei nur ein Interim und den Katholiken abgenöthigt worden““*).“ Aus ſolchen Worten leuchtete die größte Rückſichtsloſigkeit und Rigoroſität hervor, und ſolche Reden konnten ihre Wirkung auf den Kurfürſten von Sachſen nicht verfehlen.
Wenden wir unſer Auge nun auf Guſtav Adolf. Nach verſchiedenen glänzenden Gefechten gegen die in Pommern ſtehenden kaiſerlichen Truppen wollte der Schwedenkönig durch Brandenburg und Sachſen ziehen, um dem bedrängten Magdeburg zu Hilfe zu kommen. Allein die in die Länge gezogenen Verhandlungen mit den in neutraler Stellung ſich befindenden beiden Kurfürſten von Brandenburg und Sachſen verhinderten den Durchzug. Dazu kam das Bedenken, er möchte der bewaffneten Macht Tilly's nicht gewachſen ſein, und endlich: woher ſollte er Proviant beziehen für die Armee, welcher der Durehzud. durch Brandenburg verwehrt wurde? Auf dem Marſche erhielt er die Nachricht von dem Falle Magdeburgs. Durch den tragiſchen Untergang der Stadt aufs tiefſte erſchüttert, ſoll er faſt darüber geweint haben. Feindliche Verleumdungen laſſen ihn darüber frohlocken,— doch viel zu edel und erhaben ſteht der Held da, als daß wir ihm eine ſolche ſchadenfrohe Geſinnung vindiciren könnten—, mußte ja doch ihm als Proteſtanten ſchon die Erhaltung dieſer alten proteſtantiſchen Feſte am Herzen liegen. Klageſchreiben aus jener Zeit verrathen ſeine Niedergeſchlagenheit,„daß viel tauſend unſchuldige Seelen durch des Feindes Tyrannei umgekommen ſind“. Kann man es von ſeinem Standpunkte nicht begreiflich finden, wenn er dann auch in heftigen Gemüths⸗ aufwallungen öffentlich ſeine Soldaten zur Rache„für die arm verwüſtete Stadt“ auffordert, zur Rache an dem Verfahren Tilly's gegen Magdeburg, ohne gerade dieſem die Schuld der erſtörung aufzubürden ¹¹³)? Daher erklärt ſich auch das Work, welches er vor der Schlacht von Breitenfeld geſprochen haben ſolluu):„In der Aſche und in ihren Steinhaufen begehrt Magdeburg Rache“.
Vergla 10) Wittich, S. 143. ¹¹) Ranke, Geſchichte Wallenſteins S. 217, ¹) Wittich, 690 u. 692. ¹18) Wittich, S. 653 aus Scharold's Geſchichte. 11) Chemnitz, Geſchichte S. 206.


