ihn der vorgeſchrittene Plan der Belagerung und die durch Falkenberg verſchuldete Unfertigkeit des neuen Befeſtigungswerkes in ſeinem Plan. Und als nun am Abend des neunzehnten Mai's Pappenheim zum Sturm räth, ſo iſt Tilly damit einverſtanden, indem er„von dieſem Wagniſſe allein die Rettung erwartet.“ Noch hat Tilly am Morgen des 20. Mai's gezaudert, ob er angreifen ſolle;„er hat noch einmal Kriegsrath gehalten, wiewol es den vorigen Abend beſchloſſen geweſen, gleich mit dem Tage anzufallenz alſo hart hat man am guten Effect gezweifelt und hat ſich darauf verzogen bis nach ſieben Uhr“²). Aber gerade die Verzögerung des Sturms um ein paar Stunden kam Tilly zu ſtatten, da die Wachen der Magdeburger auf die Hälfte reducirt und ſorglos geworden waren. Auf das gegebene Signal ſtürzt Pappenheim an der Spitze ſeiner Scharen mit furchtbarem Ungeſtüm in die Stadt. Falkenberg, der ſchwediſche Commandant, tritt ihm entgegen; es entſteht ein furchtbarer Ringkampf in den Straßen, aber den immer friſch aus dem Lager herangezogenen Truppen muß endlich die kleine Heldenſchar der Belagerten unterliegen. Somit iſt Pappenheim der eigentliche Eroberer. Tilly ſelbſt erſcheint nach dem Einrücken der Truppen hoch zu Roß, indem er mit gebieteriſcher Stimme befiehlt und anordnet, ſoweit es in ſeiner Kraft ſteht. Dies geſchah am 20. Mai 1631. Nach der Einnahme der Stadt begann die Plünderung, war es ja doch damaliger Kriegsgebrauch, daß der ſiegreiche Feldherr 3 Tage lang die Plünderung ſeinen Officieren und Soldaten geſtattete. Dies ſehen wir bei der Eroberung von Heidelberg, Neubrandenburg u. a. Furchtbar ſoll die Plünderung geweſen ſein. Die Leidenſchaft der wüthenden Soldatesca kannte keine Grenzen;„es ſei ganz unchriſtlich und unmenſchlich gehauſet worden“, heißt es in einem Bericht ⁵⁴). Namentlich ſollen ſich die Scharen Pappenheims vor allen anderen in Bezug auf Rauben und Grauſamkeiten ausgezeichnet haben 8⁵). Es wird berichtet, Pappenheim habe ſich vernehmen laſſen, er wollte die Ehre, daß er die Stadt erobert und den Herrn Adminiſtrator gefangen genommen, nicht um eine Million Goldes geben, er habe eine Eilpoſt an kaiſerliche Majeſtät abgefertigt und derſelben allerunterthänigſt mitgetheilt,„daß ſeit der Stadt Jeruſalem, auch Leroſn keine ſolche Victoria ſei geſehen worden, woraus man ſeine innerliche Freude über ein ſolches Elend und blutgieriges Gemüth verſpüret, wie dann auch ſein Regiment vor allen an Blut, Schandthaten den Preis und Vorzug erhalten“ ⁸¹). Doch mit der Plünderung war es nicht genug; die Stadt wurde vollſtändig zerſtört, und die Geſchichte erzählt: in kaum 10 Stunden ſei das reiche, mächtige Magdeburg ein Aſchenhaufen geworden, nur zwei Kirchen und einige elende Fiſcherhütten ſeien übrig geblieben; über 20,000**), nach einem anderen Berichte 30,000 Bewohner hätten das Leben verloren 5s).
Wie ſteht Tilly zu der Zerſtörung von Magdeburg? Von der Beantwortung dieſer Frage hängt auch im weſentlichen die Beurtheilung ſeines Charakters ab. Noch vielfach gilt er als der Schuldige, der das grauſame Verhängnis der Stadt abſichtlich herbeigeführt habe. Sehen wir auf die Quellen, ſoweit es die Kürze des Raumes für unſeren Zweck geſtattet. So ſehr ſich die Verfaſſer katholiſcher Flugſchriften 8*) bemühen, für die Ehrenrettung Till'ys als„des alten frommen Joſua und tapferen Helden“ und ſeiner Soldaten einzutreten und in gehäſſiger Weiſe die Klage der Zerſtörung gegen die Schweden zu erheben, ſo ſehr ereifern ſich die Evangeliſchen ²°*), Schmähungen und Verdäch⸗ tigungen gegen die kaiſerlich⸗ligiſtiſchen Führer und Truppen auszuſprechen. So widerſprechend auf beiden Seiten die Nachrichten ſind, ſo ſtimmen ſie doch darin überein, daß an vielen Stellen Brand gelegt worden ſei. Der Capitän Ackermann, ein Officier aus der kaiſerlichen Armee, erzählt 2¹): „Die Stadt ging an allen Orten mit Feuer an, daß auch ganz keine Rettung noch einige Hilfe war“; aber niemand bezeichnet er, der an dieſem Unglück ſchuld geweſen wäre. Und der Pfarrer Thodänus ¹*²), der auf ſeinem Gange durch die erſtürmte Stadt in einem kaiſerlichen Officier ſeinen Retter findet, ſpricht aus:„das Feuer nahm gewaltig zu“; von dem Urheber weiß er nichts. Auch der Rathsherr Otto von Guericke, ein Augenzeuge des Brandes, der wegen ſeines beſonnenen, aufrichtigen Weſens bei der Bürgerſchaft in großem Anſehen ſtand, weiß nur:„daß das Feuer an allen Enden eingelegt worden ſei.“ Wichtig iſt ferner, daß auch die prote⸗ ſtantiſchen Schriften(Pax und Copey) nichts von Tilly als dem Urheber der Zerſtörung wiſſen. Ja nach einer Stelle der Fax Magdeb. ⁵⁸)„ſoll es dem Herrn General Tilly ſelbſt nicht gefallen haben, daß man eine ſo uralte weitberühmte Stadt, an welchem Paß
Vergl.: 83) Wittich, archiv. Beilage No. 9. Brief Brederode's an die Generalſtaaten. 84) Calviſius S. 56. 85) Ebenda S. 60. 86) Ebenda S. 61. 81) Wittich archiv. Beilagen No. 9. Brief Pappenheims an Herzog von Braunſchweig„syn de in de 24,000 sielen aldaèer omgekomen.“ 88) Summa⸗ riſcher Extract ꝛc. 8) Kathol. Flugſchriſten: 1. Summariſcher Extract, 2. Ausführlicher und Gründlicher Bericht, 3. Bustum Virginis Magdeburgicae. ⁹⁰) 1. Copey eines Schreibens aus Mazdeburgk, 2. Fax Magdeburgica, 3. Truculenta expugnatio. ²¹) Calviſius, Ackermann S. 107. ꝛ½) Calviſius, Thodänus S. 110. 3³) Calviſius S. 61 u. 62.
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