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den Kurfürſten von Baiern von Neuruppin aus am 31. März ³):„Inmaſſen es dahero wohl abzunehmen, daß er(G. A.) nicht willens, ſich zu präſentiren und zu ſtehen, indem er ihm bei der in Neulichkeit mit der Stadt Neubrandenburg fürgangenen Expedition ſolchen Platz vor den Augen wegnehmen laſſen und demſelben, wie er's gar wol und leichtſam hätte thun können, nitſuccurrirt und zu Hilfe kommen; und nachdem ich alſo anders nicht wahrnehmen, als daß er unſer Volk zu travag⸗ liren und abzumatten gemeint, alſo bin ich bei ſolcher Beſchaffenheit bedacht, das bei mir habende Fußvolk vor Magdeburg zu führen.“ Tilly zieht nun wieder vor Magdeburg. Trotz aller Entſchuldigung bleibt dieſer Wegzug aus der Nähe des ſchwediſchen Königs gegen Magdeburg„den Feind in zweiter Linie“ ein verhängnißvoller Fehler ſeiner Strategie. Er verließ ſeinen urſprünglichen Plan, der ſchwediſchen Invaſion einen Damm entgegen zu ſetzen, gab damit die Gegend an der Oder und Warthe preis und ſomit Guſtav Adolf Gelegenheit, was dieſer ja wünſchte,„deſto freier zu handeln“ und mehr und mehr in Deutſchland einzudringen. Mag man auch Tilly's Rückzug rechtfertigen und ſagen, der Feldherr habe auf den Convent der proteſtantiſchen Fürſten in Leipzig eine Preſſion ausüben, den Kurfürſten von Brandenburg aus ſeiner Neutralität herauszutreten nöthigen wollen, er ſei einem beſtimmten Befehle des Fürſten Max von Baiern und einem Wunſche Pappenheims gefolgt, Magdeburgs Belagerung mit größerem Nachdrucke zu betreiben, — immerhin bleibt der Rückzug ein Fehler, der zugleich für die Truppen hinſichtlich ihrer bisherigen Haltung von verderblichem Einfluß war.
Am 5. April 1631 erſchien Tilly vor der belagerten Stadt. Obgleich das Belagerungscorps jetzt bedeutend verſtärkt worden war, ſo geſtaltete ſich die Lage der Belagerer ernſter. Tilly ſchreibt: Seit Menſchengedenken ſei die Gefahr im heiligen Römiſchen Reiche nie ſo groß und heftig geweſen, wie jetzt. Es ſei eine lautere Unmöglichkeit, ſo vielen Feinden außer Magdeburg den Schweden, den Engländern, den Holländern,(von dieſen war auch neue bedenkliche Kunde gekommen) den Theilnehmern des Leipziger Convents mit dem kaiſerlichen und ligiſtiſchen Volke zu widerſtehen; ihnen allen gegen⸗ über erſchien dies zuſammengenommene doch nur als ein geringes Häuflein*). Auch Mangel an Proviant trat ein. Täglich nahmen die graſſirenden Krankheiten im Lager zu. Merkwürdig iſt es, daß der Muth des Feldherrn dadurch nicht erſchüttert wird; mit doppeltem Eifer läßt er ſich die Belagerung der Stadt angelegen ſein. Am 1. Mai fiel, nachdem von der rechten Elbſeite die Außenwerke genommen, der Brückenkopf der Feſtung, die gefürchtete Zollſchanze, dem ſtürmiſchen Pappenheim in die Hände. Die Hoffnung, den Magdeburgern von dieſer Seite Hilfe zu bringen, war damit abgeſchnitten. Nach⸗ dem Falkenberg die Vorſtädte hatte in Brand ſtecken laſſen, zogen die Belagerer nun auf dieſes Terrain, und die rechte Belagerung begann. Als durch die beſonderen energiſchen Maßregeln Pappen⸗ heims die Belagerungsarbeiten ſo weit zum Sturm vorgeſchritten waren, ſchickte Tilly einen Trompeter mit„glimpflichem Schreiben“ an den Adminiſtrator, an Rath und Bürgerſchaft, um ſie zur Uebergabe zu fordern, da ſie jetzt auf keinen Erſatz mehr hoffen könnten*). In dem Erwiderungs⸗ ſchreiben vom 10. Mai, in welchem der Rath Tilly's Aufforderung nicht ſchlechtweg von der Hand weiſt, bittet der Rath um„Paß und Repaß“ zur Unterhandlung mit dem Kurfürſten und der Hanſe Lübeck, nach deren Vorſchlägen ſich die Stadt erbot„ſich zu accommodiren’¹).“ Tilly iſt erbötig am 12. Mai je einen Abgeſandten mitzuſchicken, macht die Stadt aber für die Gefahr verantwortlich, die aus dem Hinausſchieben und der Unſchlüſſigkeit entſtehen könnte. Da ſchicken die Magdeburger einen Trommelſchläger ab mit einem neuen Schreiben, in welchem ſie um einen Waffenſtillſtand nachſuchen. Der Feldherr gibt ihnen kurzen Beſcheid,„daß er ſich von ihnen nicht wolle und nicht könne vexiren laſſen“ und ſtellte ihnen zwei Tage nach jenem ein Ultimatum. Schon hatte er gehört, daß Guſtav Adolf mit 24000 Mann bei Altbrandenburg ſtehe. Er ſchreibt ihnen deshalb am 18. Mais): Die beabſichtigte Sendung und die Päſſe können nichts mehr nützen, da die Sache mit der Stadt Magdeburg nun mehr zu ſolchen Extremitäten gerathen, daß dieſelbe eine Verzögerung ohne die größte Gefahr nicht erleiden könnte, ſie möchten kurze Reſolution faſſen. Konnte nicht aus der Zögerung die größte Gefahr für ihn entſtehen, und Guſtav Adolf die Stadt entſetzen? Zwei Wege gab es für Tilly, die er jetzt einſchlagen konnte: entweder machte er ſichzum Herrn der Stadt vor der Ankunft des Schwedenkönigs, denn nur durch den Beſitz derſelben konnte er ſich zum Treffen ſtark genug fühlen, oder er wartete den König nicht ab und zog ſich zurück. Seine angeborene Kühnheit, ſein Vertrauen auf die bisher tapferen Truppen erfüllt ihn mit glühender Kampfbegier und ſtolzer Zuverſicht auf den Erfolg des Kampfes. Soll er ja in der letzten Nacht vor dem Sturm die Soldaten zum Muth angefeuert und ihnen den Reichtum der Stadt als Beuteantheil vorgehalten haben. Zugleich beſtärkten
Vergl.): ²⁸) Wittich, Magdeburg S. 419. Anmerk. Brief aus Münch. R. A. ⁹) Ebenda S. 464. Tilly an Max vom 28. April 1631. Münch. R. A. 80) Calviſius, Das zerſtörte und wiederaufger. Magdeburg S. 174. 81) Ausführl. und gründl. Bericht S. 23. ⁸²) O. v. Guericke, Magdeburg's Zerſtörung. 72.


