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Unterſtützung? Antwort: es war der glaubenseifrige Tilly, der ja mit ſeiner Armee nicht fern war und bis jetzt unbeſiegt daſtand. Der Name dieſes Mannes, der ſo vielen Gefahren getrotzt, ſo zahlreiche Gegner überwunden hatte, tönte von einem Ende Europa's zum anderen; die katholiſchen Fürſten uͤberboten ſich in Beweiſen ihrer Anerkennung und Dankbarkeit. Der Kaiſer und Kurfürſt Max ſchenkten ihm Ländereien, unter anderen die Herrſchaft Breiteneck. Selbſt der König von Spanien, Philipp IV., ſchrieb einen eigenhändigen Glückwunſchbrief an Tilly und beehrte ihn mit den Titel„Vetter“, eine Auszeichnung, welche nur den höchſten Herren zu theil wurde. Nachdem auch Mansfeld, welchem durch holländiſche Geſandten vertragsmäßig 300,000 Gulden für Räumung Oſtfrieslands zugeſichert waren, ſeine Soldaten abgedankt hatte, behielt Tilly freie Hand im Norden von Deutſchland. Das Jahr 1624 verging unter Kreuz⸗ und Querzügen Tilly's durch Deutſchland. Bewaffnete Feinde waren nicht mehr da, und ſo wandte er denn ſeine Aufmerkſamkeit auf die Wiederherſtellung der katholiſchen Religion. Dieſe war ihm ja Herzensſache, und ſeine Freunde, die Jeſuiten in ſeinem Gefolge, unterſtützten ihn eifrig in dieſen„gottgefälligen Bemühungen.“
Mit dem Jahre 1625 tritt der Krieg in ein neues Stadium, in welchem Tilly ſein Haupt mit neuen Lorbeeren ſchmückte. Philipp IV. von Spanien und Olivarez, Ferdinand II. und ſeine Staats⸗ männer hatten die Feſtſtellung eines allgemeinen Uebergewichts der ſpaniſch-⸗öſtreichiſchen Dynaſtie im Auge; damit verband ſich die Idee der Wiederherſtellung des Katholicismus in Deutſchland ¹²*), deshalb erhoben ſich die geſammten europäiſchen Mächte gegen das Haus Habsburg. Die aggreſſive Haltung desſelben machte den von dem klugen Staatsmann Cardinal Richelieu geleiteten franzöſiſchen Hof und die niederländiſchen Freiſtaaten beſorgt. Neuer Unwille ergriff die evangeliſchen Stände Niederdeutſchlands wegen der Fortſchritte des Katholicismus im Weſtfäliſchen, wo Tilly die von den Proteſtanten lange beſeſſenen geiſtlichen Stifter den Katholiken überwies. König Jakob von England, der bisher durch die Ausſicht auf ein Ehebündnis ſeines Sohnes mit einer ſpaniſchen Infantin ſeinen bedrängten Schwiegerſohn weniger kräftig unterſtützt hatte, änderte ſeine Geſinnung und ſetzte den unternehmenden Ernſt von Mansfeld durch Unterſtützung von Truppen und Geld in den Stand, aufs neue ins Feld zu rücken. Holland verſprach zur Kriegführung Hilfsgelder. Auch Chriſtian von Braunſchweig hatte ſeine Rolle noch nicht ausgeſpielt, und ſeine Werbetrommel lockte die beuteluſtige Jugend an. Der König Chriſtian IV. von Dänemark, ein Verwandter des Pfalzgrafen Friedrich, trat als ein Vertheidiger der proteſtantiſchen Sache auf; Religionseifer und Hoffnung auf Ländererwerb im nördlichen Deutſchland führten ihn in's Feld. Um ihn ſcharten ſich die wenig kampfgeübten Truppen der proteſtantiſchen Fürſten Niederdeutſchlands; ein Sieg desſelben würde alle Erfolge Oeſtreichs und der katholiſchen Reſtauration rückgängig gemacht haben. Dieſer gewaltigen bewaffneten Macht konnte man katholiſcherſeits nur die Armee der Liga entgegenſtellen. Da beſchloß der Kaiſer ein eigenes Heer aufzuſtellen; ein böhmiſcher Edelmann Albrecht von Wallenſtein(Waldſtein) erſchien ihm als der helfende Genius, der die Intereſſen des Hauſes Habsburg in Deutſchland zu verfechten unternahm. Auf eigene Koſten ſtellte er eine Armee von 20,000 Mann auf ⁴⁵) und ſuchte ſie auf dem Wege der Contribution zu erhalten. Mit unbeſchränktem Ober⸗ befehl betraut, zog er durch Franken, Heſſen, beſetzte Halberſtadt und den größten Theil des Erzſtiftes Magdeburg, indem er zugleich einzelnen Fürſten Niederdeutſchlands, die die kaiſerliche Autorität unter⸗ ſchätzten, Achtung gebot. Zu dieſer Zeit operirte Tilly an der Weſer, ſein Hauptaugenmerk war auf Mansfeld und Chriſtian von Braunſchweig gerichtet, während er auch den König Chriſtian von Dänemark, den Kriegsoberſten des niederſächſiſchen Areiſes, nicht außer acht laſſen durfte. Nach Verhandlungen, die zwiſchen Tilly und Wallenſtein mit dem Könige Chriſtian IV. geführt wurden, in welchen letzterer die Räumung des Landes von kaiſerlichen und ligiſtiſchen Truppen, die politiſche und religiöſe Autonomie forderte, während die beiden erſteren Entwaffnung der Truppen und Unterwerfung unter die kaiſerliche Gewalt, ſogar Erſatz der Kriegskoſten verlangten, wurde zu den Waffen gegriffen. Am 25. April 1626 ſchlug Wallenſtein Mansfeld, der nach Schleſien und Böhmen ziehen wollte, um ſich mit Bethlen Gabor zu vereinigen, vollſtändig an der Deſſauer Brücke. Der unermüdliche Kriegsheld war für immer unſchädlich gemacht in Deutſchland. Wenige Monate vorher war auch Mansfeld's alter Kriegsgefährte, der Adminiſtrator von Halberſtadt, der ins Eichsfeld eingebrochen war, einem frühen Tode erlegen.
Dieſem Siege Wallenſteins folgte ein Sieg Tilly's über Chriſtian von Dänemark. Der König, ermuthigt durch einen Vortheil, den er über den ligiſtiſchen General davongetragen hatte— er entſetzte Nordheim— wollte durch das Eichsfeld nach Thüringen vordringen und in die fränkiſchen Bistümer einbrechen und ſomit den Krieg in die Länder der Liga ſpielen.¹“²) Doch Tilly trat dieſem Kriegsplan entgegen. Er hatte einen Wallenſteiniſchen Heerhaufen an ſich gezogen und ſuchte nun den König, ſeine bedeutende Waffenmacht nicht unterſchätzend, zum Schlagen zu bringen, indem er überzeugt war, daß eine erlittene Niederlage dieſen Gegner für immer aus Deutſchland entferne. Allein jener, der durch Deſertion und Strapazen in der letzten Zeit viele Soldaten verloren hatte, auch hin und wieder
Vergl.: ⁴⁴) Ranke. Geſchichte Wallenſteins S. 35. 45) Ebenda S. 36. ⁴⁶) Ebenda S. 46.


