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ſpaniſchen Hofe für Mar, bis endlich die Nachricht von dem Könige eintraf,„er wolle lieber die Kur in dem baieriſchen Hauſe ſehen als in ſeinem eigenen.“ ³⁹) Dieſe Antwort, der Einfluß des päpſtlichen Nuntius Caraffa und ein Brief des Papſtes bewirkten bei dem Kaiſer jene für Baiern günſtige Stimmung. Unter anderem ſchrieb der Papſt an den Kaiſer:„Sieh da, die Pforten des Himmels ſind geöffnet; die himmliſchen Heerſcharen treiben dich an, eine ſo große Ehre zu erwerben; ſie werden in deinem Lager für dich ſtreiten.“ Auch der Kurfürſt von Mainz war urſprünglich gegen eine Uebertragung der Kurwürde an Mar, da er meinte,„der Krieg werde ſich nur noch furchtbarer erneuern, als er gewüthet.“ Doch gab er endlich dem Zureden des päpſtlichen Nuntius Montorio nach. Der Entſchluß dieſes Kurfürſten war aber für die Sache entſcheidend 40). Durch Belehnung des Herzogs mit dieſer Würde war das Uebergewicht im höchſten Rathe des Reiches hergeſtellt, deſſen Beifall nunmehr jedem neuen Beſchluß Bum Vortheil des Katholicismus eine rechtliche Sanction gab.
Max dankte dem Papſt für ſeine Empfehlung, indem er an ihn ſchrieb:„Ew. Heiligkeit hat dieſe Sache nicht allein befördert, ſondern durch ihr Anſehen, ihre eifrigen Bemühungen geradezu bewirkt.“ Und in ſalbungsvollen Worten antwortete der Kirchenfürſt: „Dein Schreiben, o Sohn, hat unſere Bruſt mit einem Strome von Wonne wie mit himmliſchem Manna erfüllt; endlich darf die Tochter Zion die Aſche der Trauer von ihrem Haupte ſchütteln und ſich in feſtliche Gewande kleiden.“ ¹¹)
Mußte nicht eine ſolche That, für welche in erſter Linie doch immer der Kaiſer verantwortlich war, die proteſtantiſchen Fürſten mit Angſt erfüllen, da ſie ſich nun in allen Angelegenheiten der katholiſch geſinnten Mehrheit fügen mußten? Ja, mußte der Unwille, der Haß des proteſtantiſchen Volkes nicht in hellen Flammen auflodern, als die Liga keine Anſtalten zur Entwaffnung machte, vielmehr noch neue Anordnungen zur Rüſtung traf, der Papſt monatliche Subſidiengelder verſprach, der Kaiſer ein neues Corps unter dem Grafen Colalto aufſtellte und ſogar von den Niederlanden eine beträchtliche Verſtärkung erwartet wurde? Es konnte kein Zweifel mehr ſein, daß der Kaiſer, kühn gemacht durch den bisherigen Erfolg, zur Behauptung ſeines Anſehens, zur Ausführung der katholiſchen Reformbeſtrebungen auch Niederdeutſchland ins Bereich ſeiner Pläne ziehen wollte. Um ſo mehr konnte dieſe Maßregel berechtigt erſcheinen, als aufs neue Ernſt von Mansfeld, von den Generalſtaaten unterſtützt, im Bistum Münſter und in Oſtfriesland eingefallen war, als Chriſtian von Braunſchweig von Holland her durch's Osnabrück'ſche zog und ſich bei Rinteln verſchanzte. Auch die Fürſten des niederſächſiſchen Kreiſes, zu welchen auch König Chriſtian von Dänemark als Herzog von Holſtein gehörte, durch den Regensburger Beſchluß aus ihrer Schlaffheit und Ruhe aufgeweckt, rührten ſich nun und nahmen eine drohende Haltung an.
Tilly war in dieſer Zeit der einzige hervorragende Feldherr, auf welchen der Kaiſer und die Liga ihr volles Vertrauen ſetzten. Er zieht von der Wetterau nach Hersfeld und weiter nach Norden und mahnt die Fürſten Niederſachſens zur Niederlegung der Waffen, bietet dem Führer ihrer Truppen, Chriſtian von Braunſchweig, im Namen des Kaiſers Begnadigung, wenn er ſeine Armee aufloͤſe. Doch dieſer geht auf das Anerbieten nicht ein und zieht ſich nach der holländiſchen Grenze zurück. Tilly's Scharen erreichen ihn und liefern ihm Treffen bei Alms, dann bei dem Dorfe Wullen, das letzte auf dem Lohner Bruche ²²), in der Nähe von Stadtlohn(6. Auguſt 1623), in welchem die Armee Chriſtian's vernichtet wurde. Einen glänzenden Sieg hatte Tilly erfochten, einige tauſend Gefangene waren gemacht worden, unter ihnen die Herzöge Wilhelm von Weimar und Friedrich von Altenburg; die geſammte Artillerie war erbeutet worden, ferner eine große Menge von Munition und Gepäck, Fahnen und Standarten. Wiederholt hatte ſich das Feldherrntalent Tilly's bewährt. Durch raſchen Marſch hatte er ſich Chriſtian, der in ſeiner Sorgloſigkeit den Feind in der Ferne wähnte, genähert, ihn geſchlagen und bis an die Grenze verfolgt. Dieſer Sieg war für die katholiſche Partei von großer Bedeutung, indem er Niederdeutſchland dem Kaiſer unterwarf. Es konnte nun die Wiederherſtellung der katholiſchen. Kirche in dieſem Lande vorgenommen werden. Wie Kurfürſt Schweikhard die Bergſtraße, Markgraf Wilhelm Oberbaden reformirte, ſo ſetzte man jetzt in den nördlichen Landſchaften die Bekehrung zum Katholicismus eifrig fort, ſo z. B. auf dem Eichsfelde, in Paderborn, vorzüglich im Münſteriſchen, wo Meppen, Berchta u. a. katholiſch gemacht wurden(1624). Erzbiſchof Ferdinand errichtete beinahe in allen Städten Miſſionen zur Wiederbringung der uralten bei vielen erkalteten katholiſchen Religion; bis nach Halberſtadt und Magdeburg findet man jeſuitiſche Miſſionarien; in Altona ſiedeln ſie ſich an, um die Sprache zu erlernen und dann nach Dänemark und Norwegen vorzudringen 9).
Und fragen wir uns, wer gab den Beſtrebungen im Norden den moraliſchen Halt, wer gab den Bekehrern den nöthigen Muth, wer lieh ihnen im Nothfalle, daß ihre Worte nicht durchdrangen,
Vergl.: ³³) Ranke, Fürſten und Völker III. S. 466. ⁴⁰) Ebenda. ¹¹) Ebenda.*2) O. Klopp I. S. 195. 43) Ranke, Fürſten und Völker ꝛc. S. 464. 2*


