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nicht, und es geſchah die Bildung einer Truppenmacht entweder durch Werben von Söldlingen oder durch Aushebung von Unterthanen, wozu vorher die Stände des Landes ihre Zuſtimmung geben mußten. So fatal dieſe letztere Art war, da ja der Kriegführende Soldaten bekam, die im Waffenhandwerk unerfahren, wenig abgehärtet und ſchlecht disciplinirt waren, ſo mislich war der andere Weg der Werbung, weil die Trommel des Werbers Leute zuſammen rief, die hinſichtlich ihrer Sitte, Gebräuche, Sprache von einander ganz verſchieden waren. Auch konnten dieſe Truppen nicht gut zu nennen ſein, da ſie nicht für eine Idee, für ein ihnen theueres Gut kämpften; ſie ſchlugen ſich nur, weil ſie ſchlagen mußten, und dachten häufig nur an Beute und Raub²*). Beide Wege der Rüſtung ſchlugen die Leiter der Liga ein. Auf dieſe Peiſe und durch Unterſtützung der ligiſtiſch geſinnten Fuͤrſten war ein Heer von zwanzigtauſend Mann nebſt dem nöthigen Kriegsmaterial mit allem Zubehör an Pferden, Pulver⸗ wagen, Lafetten, Munition zuſammengekommen. Dies war für die damalige Zeit ſchon eine beträchtliche Armee, wenn man bedenkt, daß Tilly vierzigtauſend Mann für die höchſte Truppenmacht hielt, die ſich ein Feldherr wünſchen könne²). Nach einer kleinen militäriſchen Excurſion, die Tilly im Auftrag des Herzogs von Baiern gegen den ſtolzen und habſüchtigen Erzbiſchof von Salzburg Wolf Dietrich von Raittenau, der den Betrieb des Berchtesgadener Bergwerks hinderte, unternahm, zog er ſich nach München zurück und wartete auf den Ausbruch des ſchon lange geplanten Krieges.
Auf einmal ſchlug die ſchon lange im Verborgenen glimmende Glut in hellen Flammen auf; das Signal ertönte zu einem Aufſtand, den man anfangs für unbedeutend hielt, der aber mehr und mehr den Charakter eines Deutſchland in ſeinen Grundfeſten zerſtoͤrenden Krieges annahm. Die erſten Acte dieſes blutigen Dramas ſpielten ſich in Böhmen ab. Die vorzugsweiſe proteſtantiſch geſinnten Bewohner ſahen ſich in dem ihnen zugeſicherten Rechte der freien Religionsausübung geſtört(Kloſtergrab und Braunau), ihre bürgerliche Freiheit gefährdet und ihre Landesverfaſſung erſchüttert. Es wurde von ihnen ein Vertheidigungsheer zur Wahrnng ihrer Rechte aufgeſtellt und eine proviſoriſche Landes⸗ regierung organiſirt, welche ihre kirchliche wie bürgerliche Freiheit wider die Uebergriffe der kaiſerlichen Statthalter ſichern ſollte ⁵). Der Unwille ſtieg noch mehr, als Ferdinand von Steiermark, ein dem Proteſtantismus feindlich geſinnter, von Herſchbegierde und ariſtokratiſchem Stolze überfließender Mann, dem jede freie Bewegung des Volkes ein Aergernis war, König von Böhmen wurde.(1619) Von ihm ſoll das Wort ſein 2):„Seit die Ketzerei in dieſe Königreiche und Länder eingeriſſen, habe allezeit der Ungehorſam, Trotz, Rebellion nebſt Drohung, Widerſetzung, Verachtung aller obrigkeitlichen Gebote, Zuſammenrottung, Aufſtand und Aufruhr vorgeſchlagen“ ec.
Daß die böhmiſchen Stände dieſem Fürſten nicht mit Vertrauen entgegenkamen, erſcheint uns demnach begreiflich. Graf Matthias Thurn rückte durch Mähren nach Oeſtreich dis vor Wien vor, mußte aber, da Mansfeld bei Budweis geſchlagen und Verſtärkung für die Wiener Beſatzung eingetroffen war, ſich zum Schutze der bedrohten Hauptſtadt nach Böhmen zurückziehen. Am 9. September 1619 empfing Ferdinand die deutſche Kaiſerkrone, während ihn die proteſtantiſchen Stände von Böhmen, Mähren, Schleſien, der Lauſitz als„den Erbfeind der Gewiſſensfreiheit und den Sclaven Spaniens und der Jeſuiten“ abſetzten und den Kurfürſten Friedrich V. von der Pfalz als ihren König erwählten. Ferdinand befand ſich damals, da die Böhmen zum zweiteu Mal vor Wien rückten, in einer bedrängten Lage, welche der Einfall des Fürſten Bethlen Gabor von Siebenbürgen noch ver⸗ ſchlimmerte. In dieſer Noth bat er Max von Baiern um Hilfe, der auch unter der Bedingung eines Erſatzes für ſeine militäriſche Dienſtleiſtung kam. Gleichzeitig ſetzte auch der neue Koͤnig Friedrich die Union zu ſeiner Vertheidigung in Bewegung.
Mit jugendlicher Rüſtigkeit rückte jetzt der 61 jährige, mit den Functionen eines Generallieutnants betraute Tilly an der Seite des Baiernherzogs die Donau entlang nach Oeſtreich, um nach der Vereinigung mit den kaiſerlichen Truppen in Böhmen, dem Herde der Feindſeligkeiten, einzufallen
Sehen wir auf die Zuſammenſetzung eines Heeres, wie es damals war. Meiſtens hatte es die Trommel des Werbers zuſammengerufen, es war ein Conglomerat der ſchlechteſten Subjecte, eine Muſterkarte verſchiedener Nationalitäten ²⁵). Die kaiſerliche Armee und die Truppen der Liga beſtanden vielleicht zur Hälfte aus Fremdlingen, Wallonen, iriſchen Abenteurern, Italienern, Koſaken und den am meiſten verhaßten Kroaten. Ein Zeitgenoſſe ſchildert uns dies folgendermaßen ²⁸):„Ein jeder Obriſt Rittmeiſter oder Hauptmann weiß wol, daß ihm keine Doctoren, Magiſter oder ſonſt gottesfürchtige Leute zulaufen, ſondern ein Haufen böſer Buben aus allerlei Nationen und ſeltſames Volk, das Weib und Kind, Nahrung und alles verläßt und dem Kriege folgt; alles, was Vater und Mutter nicht folgen will, muß allda dem Kalbfell, ſo über die Trommel geſpannt iſt, folgen, bis man ſie
Vergl.: ²¹) Guſtav Freytan, Aus dem Jahrhundert des Fſen Krieges. ²²) Ebenda. ³³) Wirth, Geſchichte der Deutſchen, III. S. 324 und 326. 2²¹) Ebenda, S. 326, a. a. Onellen. ²⁸) Guſtav Freytag, Aus dem Jahrhundert des großen Krieges. 26) Adam Junghans von der Olnitz's Kriegsordnung bei G. Freytag.


