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Porträt ſtellt uns ihn als einen kleinen, aber kräftigen Mann dar, geſtählt durch Abhärtung und Strapazen. In den Augen blitzt Feuer und Muth, das Geſicht iſt ernſt und würdig. Die breite Stirne verräth einen nachdenkenden Geiſt. Seine Bewegungen ſind einfach und laſſen in ihm einen gebieteriſchen, energiſchen Mann erkennen. s
Dieſem gebieteriſchen Aeußeren entſprach aber auch eine Strenge der religiöſen Geſinnung, wie ſie der damalige Gegenſatz der kirchlichen Parteien nicht ſchroffer bilden konnte. Seine Religisſität richtete ſich ganz nach dem Dogma der katholiſchen Kirche. Sein Glaube war ein ſtarres, feſtes Beharren in den Grundſätzen der unfehlbaren Kirche, wie ſie ihm in der ſtrengen Schule ſeiner jeſuitiſchen Lehrer eingeprägt worden waren, beſtand in dem Mitmachen der kirchlichen Gebräuche, deren Unterlaſſung ihm Sünde dünkte. Jeden Tag, erzählt uns ſein Biograph, habe er zweimal die Meſſe gehört, oft in ſeinem Zelte, wie ein Mönch in der Zelle, der Andacht obgelegen, der heiligen Maria die innigſte Verehrung Pzollt, ja dieſer ſeine Fahne geweiht und ihren Namen zum Loſungsworte in dem Treffen gemacht.
ieſe äußeren Exercitien galten als ein Hauptvehikel einer Frömmigkeit, die immer eine einſeitige bleiben wird; aber im Gegenſatz zu den Anhängern der Reformation mußten dieſe beſonders betont werden. Mit großem Eifer trat er für die Satzungen ſeiner Kirche ein, ſo daß ihn ſeine katholiſchen Lobredner nicht ungern mit einem Apoſtel vergleichen. In blindem Gehorſam war Tilly denſelben ergeben, und was die Pnder der Kirche ſagten, galt ihm als eine untrügliche, göttliche Wahrheit; was ſie verabſcheuten, war auch für ihn nicht minder ein Gegenſtand des Haſſes und der Verfolgung. Somit ging denn mit Nothwendigkeit aus dieſer Geſinnung jene Intoleranz gegen die religiöſe Anſchauung anderer hervor, die ihm zum größten Vorwurf gereichen muß. Je mehr er ſeine Kirche liebte, um ſo mehr mußte er die proteſtantiſche Lehre haſſen. Kein Wunder, daß er die Nichtglaubensgenoſſen als bemitleidenswerthe Geſchöpfe anſah, deren Zurückführung zur heiligen Kirche ihm als beſondere Herzensſache erſcheinen mußte. In ganz beſonderer Weiſe widmete er ſich deshalb auch, als nach einigem Zögern der Kaiſer das Signal zur Ausführung des Reſtitutionsedicts gab, dem„gottgefälligen Werkeder Converſion“ und fiel mit ſeinen Truppen in die proteſtantiſchen Länder und Städte Niederſachſens ein. Dieſe religiöſe Härte, dieſe bis zum Fanatismus geſteigerte Unduldſamkeit können ſeine Vertheidiger nicht weg⸗ leugnen. Es bleibt dies eben ein Charakterfehler, der zum Theil auf Rechnung ſeiner Zeit und des damaligen kirchlichen Parteilebens kommt, für Tilly aber die Veranlaſſung geweſen iſt, daß er, lange verkannt, den Ruf eines„grauſamen Wütherichs“ davon getragen hat.
Trotzdem verdient aber Tilly im hohem Grade das Lob eines einfachen, enthaltſamen, mäßigen Mannes, Eigenſchaften, die wir gerade nicht beſonders an den hervorragenden Feldherrn des dreißig⸗ jährigen Krieges wahrnehmen. Wie ganz anders war Wallenſtein, anders Ernſt von Mansfeld! Während erſterer außerhalb des Feldlagers den größten Pomp entfaltete*), von ſechzehn Kammerherrn und ſechzig Edelknaben umgeben war, die in Gewänder von blauem Sammet, mit Goldborten verziert, gekleidet waren, in einer ſechsſpännigen Caroſſe ausfuhr, im Felde einen Proviſionszettel²˙) für ſeine Küche anfertigen ließ, der unſer Staunen erregt, ſo ſehen wir bei jenem und in ſeiner Umgebung nichts von übermäßigem Prunk und Sybaritiſcher Schwelgerei. Tilly ſpeiſte allein, nahm keinen Antheil an Feſt⸗ mahlen; ihm genügte die einfachſte Mahlzeit, Fiſch mit etwas Grün und Bier, auch Wein. Was hatte ſich Wallenſtein in Prag für einen prächtigen Palaſt erbaut, mit geräumigen Säulenhallen, kunſtgeſchmückten Sälen! In ſeinem Marſtall fraßen dreihundert Pferde aus marmornen Krippen. In ſeinen Gärten fand man Vogelhäuſer in orientaliſchem Styl. Es wird berichtet, er habe ſogar zugegeben, daß man ihn als Triumphator male, ſeinen Wagen von vier prächtigen Sonnenroſſen gezogen. Dabei liebte er es, beſonders ſeitdem ihn der Kaiſer zum Fürſten von Friedland gemacht hatte, ſich„von Gottes Gnade“ zu ſchreiben, wie es damals andere Fürſten nicht wagten. Wie beſcheiden und einfach, wie gewöhnlich und ſchmucklos erſcheint uns dieſem Glanze, dieſer feenhaften, orientaliſchen Pracht gegenüber das Haus⸗ weſen und die Lebensweiſe Tilly's! 4
Nicht minder zeichnete ihn eine treue, faſt ängſtliche Anhänglichkeit an ſeinen fürſtlichen Herrn aus. Weder Geld noch Ehrenſtellen konnten ihn bewegen in eines anderen Fürſten Dienſt zu treten. In einer Zeit, wo Beſtechung und Ueberredung ſo viel vermochte, wo ſo manche Ofſiciere, ihren perſönlichen Vortheil im Auge habend, die Fahne der einen Partei verließen und in den Dienſt einer anderen, womöglich der feindlichen, eintraten— ich erinnere nur an die Officiere von Arnim, 7 zrenabach Holk— war eine ſolche Beſtändigkeit doppelt ſchätzenswerth. Mag ein ſolcher Fahnenwechſel zur damaligen Zeit, in welcher der Geiſt des Söldnertums das Kriegsleben beherſchte, milder beurtheilt werden, immerhin verrieth ein ſolches Hinüber⸗ und Herüberlaufen eines Kriegsoberſten eine unmännliche Haltung, eine Schwäche des Charakters, und Tilly ſteht in dieſer Beziehung ohne Makel da.
Sehen wir nun zunächſt auf die Rüſtungen des Krieges, welche Max von Baiern als Oberfeldherr der Liga in Gemeinſchaft mit Tilly vornahm. Ein ſtehendes Heer im modernen Sinn gab es damals
Vergl.: 1) Villermont, Tilly. ¹9) Ranke, Geſchichte Wallenſtein's, S. 346. ²⁰0) Wirth, Geſchichte der Deutſchen, III. S. 366.


