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Lehre des Jeſuitismus begeiſterte Anhänger gewonnen und ſich in Frankreich, den Niederlanden und Deutſchland(Pater Caniſius) ausgebreitet und neben der klöſterlichen Frömmigkeit und religiöſem Eifer zeitgemäße Wiſſenſchaften in ihr Bereich gezogen, was ihre Anſtalten zu ſehr beſuchten machte. Die glänzenden Zeiten der Mönche waren vorüber; die Franziscaner wurden als plumpe und gemeine Menſchen verſpottet, die Dominicaner wegen ihrer furchtbaren Strenge gehaßt ⁴). Die Jeſuiten waren es, welche ſich durch ihr freundliches, ſanftes Weſen überall Eingang zu verſchaffen und bei dem gebildeten Theile des Volkes Achtung zu erwerben wußten. Dabei war die Unterrichtsmethode in ihren Schulen vortrefflich. Neben Theologie verſtanden ſie die alten Sprachen, Mathematik und Geſchichte, ja ſogar die Poeſie cultivirten ſie. Wie viele Söhne mächtiger Edelleute traten in dieſe Schulen ein, um anfänglich nur in den Wiſſenſchaften unterrichtet zu werden, nach und nach aber, wie von einem Zauber feſtgehalten und in dem Weſen des Ordens ſich vertiefend, ſpäter mit Wort und Schrift, durch Rath und That, dem Zwecke der Geſellſchaft bis zu ihrem Tode zu dienen! Den Unterricht dieſes Ordens genoß auch Tilly. Wiewol ſeine frühzeitigen Anlagen zum Asketismus ihn dem geiſtlichen Stande geneigt zu machen ſchienen, ſo verließ er doch ſchon nach wenigen Jahren dieſe Anſtalt, um Soldat zu werden. Es iſt wol kein Zweifel darüber, daß zu der Strenge gegen ſich ſelbſt, dem Maßhalten, dem Preisgeben der ſinnlichen Genüſſe, wie ſie damals an den Höfen der Fürſten und in den Lagern der Feldherrn Sitte waren, ſchon in jenen Jahren ſeines klöſterlichen Aufenthaltes der Grund gelegt worden iſt; iſt es ja doch eine Thatſache, daß die jugendlichen Eindrücke und Belehrungen am nachhaltigſten wirken und ſelten verwiſcht, ſelbſt durch die größten Glücksfälle nicht gänzlich ausgelöſcht werden können.
Deutſche Autoren) laſſen Tilly unter Alba dienen; doch iſt dies unmöglich, da Alba ſchon 1573 die Niederlande verließ, in einer Zeit, in welcher Tilly erſt 14 Jahre alt war. Gewiß iſt dagegen, daß er ſeine militäriſche Laufbahn unter Alexander Farneſe, Herzog von Parma, begonnen hat und in einem Regiment des Grafen Octavius von Mansfeld von der Pike an diente. Den erſten militäriſchen Erfolg hat er wol in jenem Streit des Erzbiſchofs von Köln, Gebhard Truchſeß von Waldburg, davongetragen, nach deſſen Bezwingung er in ſeine Heimat gieng, von wo ihn die Fahne Alexanders von Parma zu der Belagerung von Antwerpen rief. In der Schule dieſes klugen, gewandten und mit ausgezeichneten Feldherrngaben ausgerüſteten Mannes ⁶) hatte er die Ausbildung erlangt, welche, was Disciplin, Strenge, Strategie anlangt, ihn zu einem der bedeutendſten Führer des dreißig⸗ jährigen Krieges machte. Auch dem religiöſen Bedürfnis der Soldaten wurde in dem Heere Parma's Rechnung getragen, und ſah man das Corps des Herzogs vor jeder Schlacht, vor jedem Sturm die Hilfe des unſichtbaren Lenkers der Schlachten erflehen,— Grund genug für Tilly, in ſeinem Vorgeſetzten Alexander von Parma das nachahmungswerthe Muſter eines Feldherrn zu ſehen und ihm für die Zukunft nachzueifern. Nachdem Antwerpen gefallen war, trieb es ihn zu neuen Thaten. In dem Küraſſierregiment des Grafen von Schwarzenberg, in welchem er eine Compagnie befehligte, nahm er an einer Expedition nach Frankreich Theil, half bei Anneau die deutſch⸗proteſtantiſche Armee unter dem Grafen Fabius von Dohna ſchlagen und trat kurz nachher in den Dienſt des Herzogs von Lothringen, der ihm ſeiner Verdienſte wegen die Statthalterſchaft von Dun und Villefranche anvertraute. Durch einen Vertrag 1594 wurden dieſe Städte dem König Heinrich IV. wieder zurück⸗ gegeben; auch Tilly ſuchte dieſer durch glänzende Anerbietungen in ſeinen Dienſt zu ziehen, aber vergeblich. Der ſtrenge Katholik mochte wol Gewiſſensbedenken hegen, in den Dienſt eines Mannes zu treten, der durch ſeine allzugroße Begünſtigung der Proteſtanten in dem Edict von Nantes 1598 bei ſeinen Glaubensgenoſſen nur wenig Vertrauen beſaß.
Vom Jahre 1600, wenn nicht ſchon von 1595, iſt er auf einem anderen Kriegsſchaupla thätig*). Von Oſten her, von wo ſchon ſo oft dem deutſchen Volke Gefahr gedroht hatte, erhob ſich die Brandfackel der Zerſtörung durch die Türken unter ihrem Sultan Amurat. Wie ein verheerender Strom ergoſſen ſich dieſe barbariſchen Horden über Ungarn. Schon bebte man in Wien, und mit Verzweiflung ſah man einem ähnlichen Schickſal entgegen, wie fünfzig Jahre früher, als der Sultan Suleiman dieſe Stadt belagerte. Der kaiſerliche Hoß war rathlos. Rudolf II., ein zwar der Kirche treu ergebener Sohn, aber wenig begabter Herſcher ⁵), wandte in dieſer Noth ſeinen Blick nach den Niederlanden, wo ſich ja die beſte militäriſche Schule Europa's befand, und wir ſehen, daß ſeine Bitte bei dem Generalſtatthalter Erzherzog Ernſt ein williges Ohr fand, und Tilly in den keaiſerlichen Dienſt eintrat. Hier konnte nun Tilly eine paſſende Gelegenheit finden, ſich auszuzeichnen, unter der Föhue des Kreuzes den verderblichen Lehren des Halbmondes gegenüber ſeine Begeiſterung für die Kirche an den Tag legen und ſomit das Wort ſeines großen kirchlichen Lehrmeiſters Ignaz von Loyola, gegen die Ungläubigen zu kämpfen, ausführen helfen. Unter der Führung des Herzogs von Mercoeur hat er ſich verſchiedentlich ausgezeichnet; perſönlicher Muth und raſche Handlung haben ihn hier aus mancher
Vergl.: ⁴) Gfrörer, Geſchichte Guſtav Adolf's, S. 330. ⁵) Ebenda, S. 946. 6) Weber, Weltgeſchichte§ 644. ⁷) Villermont, Tilly. ⁸) Weber, Weltgeſchichte.


