Aufsatz 
Die alten Handschriften der Gymnasialbibliothek / Dr. Pulch
Entstehung
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1. Eine Sammlung von Bruchſtücken mittelalterlicher Pergamenthandſchriften.

Einige beſchriebene Pergamentblätter, die ein früherer Bibliothekar des Gymnaſiums, Pfarrer Hüpeden, von alten Einbänden der Bibliothek losgelöſt hatte, fand ich vor und reinigte ſie. Dabei fand ſich u. a. ein faſt vollſtändiges Doppelblatt in 40, äußere Lage eines Quarternio aus einer lateiniſchen Handſchrift etwa des 13. Jh., enthaltend Marc. 12,25(neque nubent ne- que nubentur*) 13, 33(Videte. uigilate. nescitis enim, das et orate fehlt) und Lucas 3, 37 qui fuit matusale) 5, 7(Et uenerunt et imple) Die Schrift iſt eine kräftige gotiſche Minuskel mit den gewöhnlichen Abkürzungen, zweiſpaltig auf je 41 Zeilen. Kolumnenumriß und Linien mit Tinte gezogen, Zirkellöcher ſichtbar, Initialen abwechſelnd rot und blau, Überſchriften rot, Satzanfänge rot durchſtrichen, Interpunktion Punkt über der Zeile und Fragezeichen.

Dadurch angeregt ſuchte ich und fand in der alten Bibliothek eine ganze Anzahl von Einbänden in beſchriebenem Pergament. Ich löſte die Blätter ſorgfältig ab, reinigte ſie und ge⸗ wann ſo eine Sammlung von etwa 50 Bruchſtücken, die einen ziemlich vollſtändigen überblick über die Entwickelung der lateiniſchen Bücherſchrift vom 10tenlöten Jahrhundert gewährt. Die meiſten Stücke ſtammen aus lateiniſchen Handſchriften, zwei kleine Fragmente aus franzöſiſchen, eines enthält deutſchen Text.(ſ. unten!) Dem Inhalt nach gehört faſt alles zur kirchlichen Litte⸗ ratur. Aus einer Bibel des 13. Jh. ſtammt ein gut erhaltenes, faſt 50 cm. hohes und 36 cm. breites Blatt, zweiſpaltig zu 26 Zeilen, ſehr ſchön geſchrieben, enthaltend Reg. III. 19, 6(miuit. Reuersusque est) 20, 2(Mittensque nuncios ad ahab) Überſchriften rot, Initialen ab⸗ wechſelnd rot und blau, Satzanfänge rot durchſtrichen, Kolumnenumriß und Linien mit Tinte gezogen; die üblichen Abkürzungen. . Aus dem Ende des 9. oder Anfang des 10. Jahrh. ſtammt das älteſte Blatt. 29 cm. hoch und 21,5 cm. breit. 27 ungeſpaltene Zeilen auf jeder Seite. Linien eingeritzt, Zirkellöcher ſicht⸗ bar, feine zierliche Minuskel, keulenförmige Oberſchäfte bei b, d, h, I, nur langes ſ, c und t immer unverbunden, s und t 18 mal unverbunden, 2 mal in Ligatur. Wenig Abkürzungen. Ortho⸗ graphie gut, Worttrennung nicht immer durchgeführt, Interpunktion der Punkt über der Zeile. Initialen der Kapitel abwechſelnd rot und ſchwarz. Überſchriften der Kapitel in Uncialen rot. Über dem Text der Vorderſeite ſteht ſchwarz: de gratia diuina, über dem der Rückſeite: aucto- ritates. Anfang: In quam nos sententiam dirigit beate recordationis papae zosimi regularis auctoritas. cum scribens ad totius urbis episcopos ait. Nos autem instinctu diuino u. ſ. w. Auf Zeile 19 beginnt Cap. VIIII: Quod omnis scientia cogitatio et motus piae uoluntatis ex domino sit. Auf der Rückſeite Zeile 7 beginnt Cap. X: Quod gratia diuina non solum peccata dimittat sed etiam adiuuet. ne committantur. et lex impleatur. non sicut ait pelagius facile quasine gratia diuina difficilius possit impleri. Schluß: Item quinto capitulo ut quis- quis dixerit ideo nobis graciam iusti

*) Die Abkürzungen löſe ich hier und im folgenden überall auf.